Wasserschildkröten

 

 

Buchtipp

Wapelhorst: Schmuckschildkröten, 6,95 Euro

Barbours Höckerschildkröte, Graptemys barbouri

Die Barbour-Höckerschildkröte ist die größte Art von den 12 bekannten Graptemys-Arten, wobei der Unterschied bei keiner anderen Schildkrötenart zwischen Männchen und Weibchen größer ist. Die Männchen werden bis ca. 14 cm groß und etwa 300g schwer, die Weibchen werden bis 32 cm groß und etwa 2,5 kg schwer. Dies sind die Maße der am grössten vermessenen Tiere, in der Regel bleiben die Tiere um ein Viertel kleiner.

Barbours Höckerschildkröte

Die Graptemys barbouri wird bis ca. 40 Jahre alt. Männchen werden nach drei bis fünf Jahren Geschlechtsreif, Weibchen dagegen erst nach zehn bis vierzehn Jahren, wobei dies auch von der Nahrungsaufnahme abhängig ist.

Es wird davon abgeraten, eine Dampffütterung vorzunehmen nur um schnell geschlechtsreife Tiere zu bekommen. Dies schadet der Gesundheit der Tiere, vor allem werden die Panzerschilder statt glatt, dann Höckerig/Buckelig.

Auch für Anfänger, die sich zuvor aber Sachkundig informiert haben, ist die Graptemys barbouri geeignet.

Verbreitung

Ihr Verbreitungsgebiet ist nicht sonderlich groß. Graptemys barbouri ist am Apalachicola-River-System im Norden von Florida sowie am Flint-River und Chattahoochee-River Systems im Südwesten des Staates Georgia zu Hause.

Verhalten

Wie läuft das Jahr oder ein Tag im Leben einer Graptemys barbouri ab? Im Frühling, die Tage werden länger und wärmer, die Graptemys kommen aus der Winterstarre und nehmen die ersten Sonnenbäder. Im noch kalten Wasser (12 bis 14°C)finden die Paarungen statt.

Die Weibchen speichern das Sperma und die Eier werden so Befruchtet wie sie ausgebildet werden, für die zwei bis drei Gelege. Es findet nur eine bis maximal zwei Paarungen im Jahr statt. Die Tage werden länger und bei einer Temperatur ab zwanzig Grad funktioniert auch die Verdauung bei den wechselwarmen Schildkröten wieder. Es wird gefressen, wobei bei einer Körpertemperatur von 30/31°C der Organismus die volle Leistung abrufen kann.

Der Tag schaut dann in etwa so aus: Am frühen Morgen mit den ersten Sonnenstrahlen kommen die Wasserschildkröten zum Sonnenbaden aus dem Wasser. Hierzu klettern sie auf einen ins Wasser gefallenen Baumstamm. Ist die volle Betriebstemperatur erreicht, springen sie ins Wasser um Futter zu suchen und zu fressen. So wie genug gefressen wurde geht es wieder auf den Baumstamm zum Sonnenbaden, denn nur mit warmen Körper funktioniert die Verdauung richtig. Dieses Vorgehen kann sich mehrmals am Tag wiederholen.

Im Frühsommer, wenn sich der Boden gut erwärmt hat, setzen die Weibchen ihre ersten Gelege ab. So können dies zwei bis drei Gelege mit drei bis sechs Eiern je Gelege werden, bis zum Juni hin. Die Eigruben werden an sonnigen und warmen Plätzen angelegt, die einige hundert Meter vom Wasser entfernt sein können. Meist sind diese Plätze von mehreren Weibchen begehrt, so dass es zu vielen Eigruben kommt. Nach fünfzig bis etwa einhundert Tagen schlüpfen die Hatchlinge und sind vom ersten Tag an auf sich selbst angewiesen.

Im Spätherbst gehen die Höckerschildkröten dann wieder in die Winterstarre.

Barbours Höckerschildkröte

Ernährung

Die Barbour-Höckerschildkröte ist ein Allesfresser. So werden Wasserpflanzen und auch gerne Algen gefressen, diese können mit der dafür geschaffenen, oberständigen Hornscheide gut abgeweidet werden.

Die von uns gepflegten Tiere können auch Obst, Salate, Kräuter und Gemüse bekommen. Gern gefressen wird Banane, Spitzwegerich, Salat, Löwenzahn, Spinat und vieles andere; man muss es einfach mal Ausprobieren. Nur eins gilt beim Fressen immer: Was heute gern gefressen wird, kann morgen schon verschmäht werden. Einfach immer wieder mal Füttern. Auch kann man vegetarische Kost gut in Schildkrötenpudding geben, der wird immer gierig gefressen.

Schlüpflinge fressen meist nur tierische Nahrung und auch der größte Anteil am Futter bei adulten Tieren ist tierische Kost. Wichtig ist das Graptemys sehr abwechslungsreich gefüttert werden. Tierische Nahrung besteht aus Käfern, Würmern, Garnelen, Heuschrecken, Asseln, Schaben usw. Auch alles was als Anfluginsekten sonnst noch in einen Fluss fällt. Fisch, Fleisch und auch Aas wird auch gefressen. Mageres Fleisch, Muskelfleisch vom Rind, Geflügel, Wild kann auch gefüttert werden. Schweinefleisch sollte nicht gefüttert werden.

Wie schon gesagt Schildkrötenpudding, egal nach welchem Rezept, ist auch ein gern genommenes Futter. Weiter sollte Sepiaschale oder Eierschale immer zur Verfügung stehen, so dass die Panzerschilder gut ausgebildet und gewechselt werden können.

Ein Reptilienmagen ist nicht mit dem Magen eines Warmblütlers zu vergleichen. Reptilien können viel unregelmässiger Futter zu sich nehmen, auch kann ein Reptil mal für Tage oder Wochen ohne Futter auskommen. Graptemys Weibchen werden täglich gefüttert, genau so Schlüpflinge und Semi-Adulte Tiere. Bei Männchen reicht es, wenn sie alle zwei bis drei Tage Futter bekommen. Wichtig ist, dass das Futter auch gleich gefressen wird, damit wir kein schlechtes Terrarienwasser bekommen.

Wasserschildkröten sind immer Futterneidisch, füttern Sie eine Hand voll Regenwürmer, dann wird sich die Gruppe immer um einen Wurm streiten, wobei die anderen keine Beachtung finden. So wird aber auch ihre Fresslust gefördert.

Haltung

Eine Pflege der Graptemys barbouri in Deutschland und Mitteleuropa im Gartenteich halte ich für ausgeschlossen. Es sei denn, man überbaut einen Teil des Teiches mit einem Glasdach. Weiter braucht man eine Möglichkeit das Teichwasser aufzuwärmen und es werden UV-Strahler gebraucht um in den Übergangszeiten (Frühjahr/Herbst) den Tieren zusätzlich künstliche Sonne zu geben. Alles in allen ein sehr großer Aufwand. Die beste Möglichkeit Graptemys barbouri zu halten und artgerecht zu pflegen wäre ein Gewächshaus mit einer entsprechenden Anlage.

Nun aber zur Haltung und Pflege im Aquaterrarium: Man muss Männchen und Weibchen getrennt halten wenn man züchten möchte. Für ein Weibchen benötigt man ein Aquarium von 150x70x70cm, also von etwa 700 Liter Wasserinhalt. Für zwei Weibchen braucht man ein Becken von 180x80x80cm mit etwa 1100 Liter Wasser. Für jedes Weitere Weibchen sollte das Becken um ca. 350 Liter Wasser mehr fassen.

Barbours Höckerschildkröte zählt zu den friedlichen Höckerschildkröten-Arten. Sie zählt zu den Arten mit den großen Köpfen. Der Kopf eines großen Weibchens kann fast die Größe einer normalen Frauenfaust erreichen. Bei Gefahr beisst sie auch zu und da kann es dann zu größeren Bisswunden kommen. Aber die Tiere vertragen sich miteinander gut, so kann man sie in einer Gruppe halten.

Genau so ist es bei den Männchen, nur kann das Aquaterrarium hier wesentlich kleiner sein. Für ein Männchen 100x50x50cm, für zwei Männchen 120x50x50cm und für jedes weitere Männchen ca. 50 Liter mehr. Für Schildkrötenfreunde, die selbst nicht züchten möchten, ist eine Männchen WG sehr interessant. Nun ein Vorschlag für verschiedene verträgliche Arten die genommen werden können: Graptemys n. nigrinoda, Graptemys ouachitensis sabinensis und Graptemys barbouri. Ein zweiter Vorschlag wäre Graptemys flavimaculata und Graptemys oculifera zu einer Gruppe zusammen zu tun. All diese Männchen bleiben um die acht bis 11 cm klein.

Es gibt Wasserschildkrötenfreunde die angeben, dass es nicht praktikabel ist, Graptemys-Männchen in der Gruppe zu halten, sie würden sich nur stressen und so würden die Tiere krank. Es gibt aber auch viele, und das ist die Überzahl die es praktizieren und das mit Erfolg. Es ist aber auch so, dass es mit einer aggressiveren Art wie Graptemys versa nicht geht.

Barbours Höckerschildkröte

Jede Schildkröte kann einzeln gehalten werden, ohne das es dem Tier schadet.

Das Aquarium muss nach oben verlängert werden, damit die Tiere nicht ausreißen können. Dies kann mit Holz, Glas, Kunststoff usw. geschehen, hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Das Aquarium wird für die guten Schwimmer randvoll mit Wasser gefüllt, so muss der Aufsatzkasten nach oben hin offen sein, damit sich kein Schwitzwasser bilden kann. Eine gute Beleuchtung muss angebracht werden und über der Sonneninsel brauchen wir einen 160 Watt UV-Strahler.

Der Filter soll eine Leistung haben, dass der Wasserinhalt des Beckens innerhalb einer Stunde komplett gefiltert werden kann. Ein großes Stück Korkrinde oder eine Kunststoffinsel aus der Zoohandlung wird als freischwimmende Sonneninsel genommen. Bei den Weibchen wird ein Landteil zur Eiablage gebraucht, von etwa 60x50x50cm Größe. Für den Boden wird Sand oder feiner Kies genommen. Wurzeln und Steine werden zur Dekoration gebraucht. So groß, dass die Tiere sie nicht zum Spielen hernehmen können und so die Scheiben kaputt gehen. Alles muss so Eingerichtet werde, dass die Graptemys sich auch einmal aus dem Weg gehen können.

Im Frühjahr, nach der Winterstarre, beginnt man mit acht Stunden Licht und einer Wassertemperatur von 20 Grad. Bis August steigert man auf 14 Stunden Licht und 30 Grad Wassertemperatur und dann alles zurück bis zum Beginn der Winterstarre im Oktober. Als Anhaltspunkt kann man eine Klimakarte von Mississippi nehmen.

Ein abgelagerter Buchenast im Wasser und zwei Gramm jodfreies Kochsalz auf 10 Liter Wasser dient der Gesundheit der Graptemys. Alle drei Wochen muss ein Wasserwechsel vorgenommen werden.

Zucht

Im Frühjahr nach der Winterstarre setzt man zur Paarung die Männchen zu den Weibchen (noch im kalten Wasser). In der Regel lassen die Weibchen ein Männchen nur einmal Aufreiten. Das Sperma wird gespeichert und so hergenommen wie Eier ausgebildet werden. So kann es bis zu drei Jahren genutzt werden. Eine Schildkrötenpaarung ist eine ganz haarige Sache und nichts für sanfte Gemüter.

Von April bis Juni werden bis zu fünf Gelege mit bis zu sechs Eiern je Gelege abgesetzt. Bei einer guten artgerechten Haltung werden mehr Gelege als in freier Wildbahn abgesetzt. Hierfür muss der Sand im Landteil griffig feucht sein und ca. 29/30 Grad warm. Die Eier werden geborgen und dürfen wie bei allen Reptilien nicht gedreht werden. So kommen sie in eine Schale, die wiederum mit einem Torf-Sandgemisch gefüllt ist. Die Eier werden halb oder ganz in das Brutsubstrat eingebettet.

Diese Schale kommt nun in einen Brutapparat. Bei einer Bruttemperatur von 26 Grad gibt es nach etwa 80 Tagen männliche Schlüpflinge. Bei 30 Grad nach etwa 55 Tagen gibt es Weibchen. Ein erfolgreiches Ausbrüten und die ganze Zucht hängt vor allem von der guten Ernährung der Elterntiere ab.

Nachdem sich der Dottersack ganz zurück gebildet hat, fangen die Schlüpflinge das Fressen an. Als erstes werden Mückenlarven, Bachflohkrebse, Wasserflöhe, kleine Regenwürmer usw gefressen. Nach nur einer Woche fressen sie alles was auch die Elterntiere fressen, nur Mundgerecht zerkleinert. Wichtig ist das sie eine Darmflora zur richtigen Verdauung bilden können.

Als gute Schwimmer kommen die kleinen Graptemys von Anfang an mit einem Wasserstand von fünfzig Zentimetern zurecht. Nach vier bis fünf Wochen sind sie so Futterfest und Stabil, dass man sie weiter geben kann, an ausgewählte Schildkrötenfreunde. Männchen werden nach drei bis vier Jahren geschlechtsreif und Weibchen nach zehn bis vierzehn Jahren.

Gefährdung

Alle Graptems stehen seit 2008 unter Anhang III des Washingtoner Artenschutzabkommens, was bedeutet, dass der internationale Handel kontrolliert wird. Ausserdem haben die Bundesstaaten Nordamerikas die Tiere unter Schutz gestellt, aber hier gibt es keine einheitliche Gesetzgebung.

Sollten Sie nach Nordamerika kommen, so kommen Sie nicht auf den Gedanken Tiere der freien Natur zu entnehmen, sie könnten sofort für einige Jahre ins Gefängnis gehen.

Durch Urbarmachung der Wildnis wird der Lebensraum für die Tiere immer kleiner, so wird unser Hobby oft zur Bestandserhaltung oder auch Arterhaltung.

Barbours Höckerschildkröte

Sonstiges

Leider gibt es viel zu wenige Graptemys barbouri Freunde unter uns. Mir sind in Europa nicht mal ein Dutzend Züchter bekannt. Es wäre sehr schön,wenn einige hinzu kommen würden.

Auch da die natürlichen Vorkommen immer weniger werden, durch den Raubau den wir Menschen unserer Welt antun. Hier wird unser Hobby und unsere Tierliebe dann schon zu einer Bestandserhaltung oder gar Arterhaltung von Wildtieren. Wichtig ist aber, dass wir uns Sachkundig machen und die Tiere artgerecht pflegen. Hierzu können wir uns immer an den natürlichen Gegebenheiten orientieren.

Auch ist eine Höckerschildkröte kein Kinderspielzeug, man sollte schon 14 Jahre und älter sein, wenn man sich solche Tiere als Pfleglinge zulegt; man beachte die doch recht lange Lebenszeit von 40 und mehr Jahren.

 

Autor & Copyright: Ewald Roddewig

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