Wasserschildkröten

 

 

Buchtipp

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Gelbflecken-Höckerschildkröte, Graptemys flavimaculata

Die "Flavis" - sagt der Schildkrötenfreund liebevoll, wenn er von Graptemys flavimaculata, der Gelbflecken-Höckerschildkröte spricht, ist für fast alle die schönste von all den Graptemys-Arten, ein Juwel halt.

Graptemys flavimaculata

Nur ist sie in Europa kaum zu bekommen und es gibt viele die sie gerne haben möchten. Aus Nordamerika und Mississippi kommen keine Tiere mehr und die, die nach Europa gekommen sind vor Jahren, kamen auch nur mit viel Glück.

Die Amerikaner haben recht, dass sie die "Flavis" unter strengen Schutz gestellt haben, denn das Verbreitungsgebiet ist nur ein Stück Flusslauf und sehr klein. Auch ist der gesamte Bestand nur sehr gering. So haben amerikanische Herpetologen einen Biologie-Studenten aus Wien beauftragt die Tiere in Europa zu zählen.

Die Art ist eine der kleinsten Höckerschildkröten-Arten und so gut im Aquaterrarium zu halten. Auch ist sie sehr friedlich und somit gut in Gruppen zu pflegen. Aber auch hier ist der Größenunterschied von Männchen zu Weibchen sehr groß. Männchen bleiben acht bis neun Zentimeter klein und Weibchen werden 14 bis 16 cm groß. Bei artgerechter Pflege werden die Tiere dreißig und mehr Jahre alt.

Eine schöne Gruppe Graptemys flavimaculata gibt es in der Stuttgarter Wilhelma zu beobachten.

Anfäger sollten nicht gleich mit Graptemys flavimaculata beginnen, dafür sind die Tiere viel zu wertvoll. Hier eignet sich dann doch besser eine Graptemys nigrinoda nigrinoda oder auch eine Graptemys barbouri.

Verbreitung

Graptemys flavimaculata sind am Pascagoula River in Mississippi zu Hause und nur hier in einem recht kleinen Verbreitungsgebiet kommen sie vor. Auch ist ihr Bestand recht klein. Sie lieben wie alle Graptemys die Strömung, gegen die sie auch gern mal anschwimmen. Als gute Schwimmer bekannt, ist dies für sie auch keine Mühe.

Meist halten sie sich aber im Schutz von Wasserpflanzen, hinter Steinen, Wurzeln oder ins Wasser gefallenen Bäumen auf, worauf sie auch gerne sonnen.

Verhalten

Wie schaut nun der Tagesablauf einer Graptemys aus? Mit den ersten Sonnenstrahlen in der Frühe, steigt sie zum Sonnen aus dem Wasser. Hierfür werden am liebsten Baumstämme die ins Wasser gefallen sind genutzt. Immer so das sie sich bei Gefahr gleich zum Schutz ins Wasser fallen lassen kann. Ist sie, der Körper dann aufgewärmt, dann geht sie auf Futtersuche ins Wasser. Hat sie genug gefressen, dann wird wieder der Sonnenplatz aufgesucht, um mit der Wärme richtig zu verdauen. Auch wird hier das wichtige Vitamin D3 gebildet, welches ganz wichtig für die Gesundheit der Tiere ist. So kann sich das am Tag mehrmals wiederholen.

Gelbflecken-Höckerschildkröte

Der Jahresablauf wird in etwa so ausschauen: Nach der Winterstarre noch im kalten Wasser wird sich gepaart. Meist nur einmal im Jahr, denn das Sperma kann vom Weibchen gespeichert werden. Nachdem nun im warmen Wasser wieder nach fressen gesucht wurde und die Eier sich nun auch gebildet haben wird mit der Bestandserhaltung begonnen.
Meist nach einem Regentag wird am nächsten Morgen die Eigrube im warmen Sand ausgehoben.
Hier werden meist zwei bis vier Eier abgesetzt und die Grube wird verschlossen. Nun ist für das Weibchen alles getan, da die Schlüpflinge von Anfang an auf sich selbst gestellt sind. Bis Ende Juni können so bis zu drei Gelege abgesetzt werden. Der Rest des Jahres wird genutzt um zu fressen und sich auf die Winterstarre vorzubereiten. Ab dem Spätherbst beginnt die Winterstarre und damit dann die inaktive Jahreszeit.

Ernährung

Immer wieder gibt es Reptilienfreunde die sich dafür aussprechen nur solches Futter zu verwenden, welches den Tieren in ihrer freien Natur zur Verfügung steht. Dieser Gedanke ist nicht verkehrt, aber wie soll er bei einer Graptemys flavimaculata die nur am Pascagoula-Fusssystem in Mississippi zu Hause ist Verwirklicht werden? Auch dürfte dieses wie für fast alle Wildtiere in menschlicher Pflege nicht möglich sein.

Stellen wir uns einmal vor welche unterschiedlichen Arten an Anfluginsekten, Fischen, Käfern, Würmern, Larven, Schnecken und anderen Getier es in so einem Flusssystem gibt und dann noch die vielen verschiedenen Wasserpflanzen.
Ja das sind hunderte vielleicht auch tausende von Möglichkeiten an Futter. Wie wollen wir das unseren Pfleglingen bieten? Doch nur in dem wir alles Ausschöpfen was uns an guten Futter zur Verfügung steht. Natürlich immer nur in einem ausgewogenen artgerechten Verhältnis.

Eines haben uns die Schildkröten sowieso vorraus. In über zwei Millionen Jahren haben sie gelernt was für sie gut und richtig ist und so fressen sie nur das wozu ihr Instinkt Ja sagt.
So fressen die Graptemys auch gerne Meeresfrüchte, weil es für sie halt ein gutes wertvolles Futter ist.
Hier gibt es in Asia-Läden meisst eine gute tiefgefrorene Auswahl, wie z.B. Tintenfisch, Muscheln, Garnelen und anderes gutes Futter. Man muss alles mal ausprobieren die Tiere sagen uns schon was ihnen gut tut.
Auch in Schildkrötenpudding kann man viel gutes an Futter mit hinein tun.
Zusammenfassend sei gesagt alles was sich als gutes wertvolles Futter erwiesen hat kann auch gefüttert werden. Was dieses im Einzelnen ist muss man aus Büchern, aus Reptilien-Zeitschriften und von Schildkrötenfreunden erlernen und erfragen.

Graptemys flavimaculata

Hier nun noch einmal: Wasserschildkröten sind Allesfresser, so auch die Graptemys.
Pflanzliche Kost ist aber das was am wenigsten genommen wird. Es dürfte höchstens 30 Prozent der gesamten Nahrung ausmachen. Wichtig ist es einen abgelagerten Buchenast mit Rinde im Aquaterrarium zu haben auf dem sich Algen bilden, die von den Graptemys mit ihrer dafür geschaffenen oberständigen Hornscheide abgeweidet werden, samt Rinde und Holz. Algen sind auch ein Bestandteil von enigen Schildkröten-Pellets.
Weiteres gutes Pflanzenfutter wäre: alle Wasserpflanzen, Spinat, Salat, Spitzwegerich, Löwenzahn und noch vieles mehr.
Weiteres gutes tierisches Futter wäre: Mückenlarven, Wasserflöhe, Raupen, Schnecken, Grillen, Fisch, Heuschrecken, Gehäuseschnecken, Regenwürmer, Mehlwürmer, Zophobas, Heimchen, Waldschaben, Muskelfleisch vom Rind, mageres Geflügelfleisch usw.
Wichtig ist außerdem auch das immer Sepia-Schulben oder Eierschalen zur Verfügung stehen, damit der Kalkhaushalt geregelt werden kann.

Haltung

Von einer Pflege im Gartenteich ist abzuraten. Diese ist bei den wertvollen "Flavis" auf keinen Fall zu empfehlen.
Eine Haltung im gut eingerichteten Aquaterrarium ist da deutlich besser.
Die beste Pflege für die Tiere wäre im Wintergarten oder dem Gewächshaus.
Hier kann man sich nun einen Teich bauen, wobei es wichtig ist darauf zu achten,
dass die Tiere nicht ausreißen können.
Für eine Gruppe von drei bis zu fünf Graptemys flavimaculata werden 1000 bis 3000 Liter Wasserinhalt gebraucht. Es wird am Besten für den Wasserwechsl gleich ein Ablauf mit installiert. Es sollten verschiedene Wassertiefen geschaffen werden ohne das Steilwände entstehen.
Immer flachauslaufende Uferzonen im Teich schaffen, damit kalte, klamme Tiere vor oder nach der Winterstarre auch ans Ufer krabbeln können. So werden sie niemals ertrinken.

Am tiefsten Punkt darf der Teich ruhig bis zu 150 cm tief werden.
Damit die Tiere richtig Sonnen können, muss man einen Baumstamm ins Wasser geben. Weiter gehört ein Landteil mit Eiablageplatz zum Teich.
Dieser Eiablageplatz sollte nicht zu groß ausfallen, da man sich sonst damit schwer tut die Eier zu finden.
Eine Teichheizung wird gebraucht um das Wasser bis auf 32 Grad im Sommer zu erwärmen. Weiterhin wird ein UV-Strahler für die Übergangszeit gebraucht.
Auch braucht man einen starken Filter, der auch eine starke Stömmung schafft. Wie gesagt, Graptemys lieben die Strömmung.
Auch wird eine Gewächshausheizung, mit der man im Winter alles auf 5 Grad erwärmen kann gebraucht. Auch eine Schattierung ist nötig, damait uns im Winter bei Sonnenschein das Gewächshaus nicht zu warm wird. Wir wollen ja im Dez. /Jan. die Tiere nicht aus der Winterstarre holen.
Je nach Grösse der Anlage kann man Pflanzen, Wurzeln und Steine verarbeiten, so dass man möglichtst ein natürliches Umfeld schafft.

Graptemys flavimaculata

Zucht

Männchen werden in der Regel nach drei Jahren geschlechtsreif, Weibchen dagegen erst nach fünf bis sieben Jahren.
Bei Graptemys flavimaculata spielt die Ernährung eine ganz ganz wichtige Rolle für die erfolgreiche Zucht. Bei falsch ernährten Tieren sterben die Schlüpflinge während des Erbrütens ab.
Dies kommt leider nur zu oft vor und ist auch ein Grund für die nicht gerade preiswerten Tiere. Also wichtig ist eine artgerechte, gut ausgewogene, abwechslungsreiche Fütterung.

Die Paarung findet gleich nach der Winterstarre, noch im kalten Wasser statt. Hierfür werden die Männchen für einige Tage zu den Weibchen gesetzt. Bei Graptemys flavimaculata braucht man keine Angst zu haben, dass es zu Beissereien kommt. Die Tiere sind ganz friedlich, fast schon erschreckend friedlich.
Meist im April werden die ersten Gelege abgesetzt und so können es bis zum Juli fünf Gelege werden. In Ausnahmefällen sogar noch mehr. Die Eier kommen in den Brutapperat und werden bei 26 oder 30 Grad erbrütet. Bei 30 Grad werden es nach ca. 55 Tagen Weibchen und bei 26 Grad werden es nach ca. 80 bis 85 Tagen Männchen.

 

Autor & Copyright: Ewald Roddewig

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