Wasserschildkröten

 

 

Buchtipp

Wapelhorst: Schmuckschildkröten, 6,95 Euro

 

 

Gesetzliche Regelungen bei der Wasserschildkrötenhaltung

Artenschutz

In der gesamten Europäischen Union gilt die EU-Artenschutzverordnung, betroffen sind auch einige Schildkröten. Die EU-Artenschutzverordnung dient dem Artenschutz durch Überwachung des Handels, sie ist die europaweit einheitliche Umsetzung des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES).
Im Anhang A befinden sich beispielsweise viele Landschildkröten. Schildkröten die sich im Anhang A befinden sind meldepflichtig und müssen offizielle Papiere (gelbe EG-Bescheinigung) haben, es gibt eine Kennzeichnungspflicht (Mikrochip oder Fotodokumentation). Es gibt ein Vermarktungsverbot welches jedoch für Nachzuchttiere von der Behörde aufgehoben werden kann.

Im Anhang B sind beispielsweise die Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) und alle vier Zierschildkröten-Unterarten (Chrysemys picta ssp.). Für diese Arten benötigt man keine offizielle gelbe EG-Bescheinigung (oder die ältere blaue CITES-Bescheinigung), sie sind jedoch dennoch meldepflichtig und man benötigt einen Herkunftsnachweis für die Tiere.

Die deutsche Bundesartenschutzverordnung verbietet beispielsweise den Besitz von Schnapp- und Geierschildkröten. Außerdem stellt sie die Rotwangen-Schmuckschildkröte unter Schutz, befreit sie aber von der Meldepflicht.

Tipp: Den aktuellen Schutzstatus von Tier- und Pflanzenarten kann man auf wisia.de abfragen.

Wo muss ich meine Schildkröte anmelden?
Mit der Druchführung des Artenschutzes sind in Deutschland je nach Bundesland andere Behörden zuständig, in Nordrhein-Westfalen ist es die Untere Landschaftsbehörde des Kreises (bzw der kreisfreien Stadt) in der man wohnt. In Baden-Würtemberg, Hessen und Sachsen sind die Regierungspräsidien zuständig. In Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein die Naturschutzbehörden der Kreise. In Berlin die jeweiligen Bezirksämter. In Thüringen die Oberen Naturschutzbehörden. In Bremen der Senator für Bau, Verkehr und Umwelt. Und in Niedersachsen der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.



Zur Gesetzeslage in Österreich sei auf www.turtles.at/html/gesetze.html sowie http://meldepflicht.at/ verwiesen.



Mindestanforderungen Deutschland laut Gutachten

Das "Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien" aus dem Jahr 1997 darf als sehr dürftig bezeichnet werden, ich würde meinen Tieren deutlich mehr Platz bieten. Für die gängigen Zier-, Schmuck- und Höckerschildkröten wird ein Aquarium vorgeschlagen welches fünf mal so lang und zweieinhalb mal so breit wie die Panzerlänge der größten Schildkröte ist. Als Wasserstand wird doppelte Panzerlänge empfohlen. Ab dem dritten Tier vergrößert sich die Fläche um 10% pro Tier, ab dem fünften kommen pro Tier 20% hinzu. Außerdem wird ein Sonnenplatz mit einer Strahlungswärme von 30°C sowie eine Winterruhe empfohlen. Für Moschusschildkröten wird gar ein Aquarium empfohlen welches nur drei mal so lang wie der Panzer ist. Haltung in derart engen Behältnissen hat in meinen Augen nix mit artgerechter Tierhaltung zu tun. Das ganze Gutachten gibt es hier!

Mindestanforderungen Österreich laut Tierhaltungsverordnung

Ganz anders sieht es in Österreich aus, die dort vorgeschriebenen Behältergrößen sind deutlich geräumiger, auch sind die sonstigen Haltungsparameter deutlich genauer angegeben. Als Beispiel sei hier die Rotwangen-Schmuckschildkröte aufgeführt:

Mindesthaltungsanforderungen für Rotwangen-Schmuckschildkröte Trachemys scripta elegans
nach Anlage 3 der 2. Tierhaltungsverordnung
Terrarium Mindestmaße
Größe der Tiere bis 10cm 10-15cm 15-20cm ab 20cm
1-2 Tiere 300 l 500 l 750 l 1000 l
Landteil 0,05 qm 0,1 qm 0,2 qm 0,3 qm
jedes weitere Tier + 100 l + 150 l + 250 l + 350 l
Landteil + 0,02 qm + 0,06 qm + 0,1 qm + 0,15 qm
Zimmerterrarium
Wasserteil: Einrichtung: Versteckplätze aus Pflanzen und Wurzeln
  Bodengrund: Sand, Kies
Landteil: Einrichtung: Sonnenplatz mit Wärmestrahler; Versteckplätze aus Pflanzen und Wurzeln
  Bodengrund: Sand-Erde-Gemisch
  Temperatur: Sommer: 22-30°C; unter dem Wärmestrahler 35-40°C
Winter: 2-3 Monate Ruheperiode bei 10-14°C
  Beleuchtungsdauer: je nach Jahreszeit 8-14 Stunden täglich; HQI-Strahler für hohe Beleuchtungsintensität verwenden; UV-Bestrahlung täglich
Freilandterrarium
Lage: sonnige windgeschützte Lage  
Wasserteil: Einrichtung: Versteckplätze aus Pflanzen, Wurzeln und Ästen; Flachwasserbereiche
  Bodengrund: Sand, Kies
Landteil: Einrichtung: Versteckplätze aus Pflanzen, Wurzeln und Ästen
  Bodengrund: Lehmerde, Sand
Besondere Hinweise: für den Aufenthalt im Gartenteich den Sommer über geeignet; die Winterruhe sollte nur unter kontrollierten Bedingungen erfolgen.

Die Vorschriften für andere Schmuckschildkröten, sowie Zier- und Höckerschildkröten sehen ähnlich aus. Des weiteren sind in Österreich alle Wildtiere (also auch alle Schildkröten) meldepflichtig. Der genaue Gesetzestext findest sich hier!

Mindestanforderungen Schweiz laut Tierschutzverordnung

  Gruppen bis 2 Tiere     für jedes weitere Tier   Besondere Anforderungen
  Landteil Fläche KL Bassin Fläche KL Bassin Tiefe KL Landteil Fläche KL Bassin Fläche KL  
Schnapp-, Geierschildkröten
Chelydra, Macroclemys
2x2 3x3 1   2x2 3), 5), 9), 12), 28), HB)
Wasserschildkröten,
Pelomedusidae
2x2 4x2 1   1x1 3), 5), 9), 18), 26)
Schlammschildkröten,
Kinosternidae
2x2 4x3 1   2x2 3), 5), 9), 28)
Weichschildkröten
Trionychidae
2x2 5x3 2   2x2 3), 5), 7), 9), 28)
Schmuckschildkröten
Pseudemys, Trachemys, Graptemys, Chrysemys, Deirochelys
2x2 5x3 2   2x2 3), 5), 9), 29)
Schlangenhalschildkröten
Chelodina, Hydromedusa, Phrynops, Emydura
2x2 5x3 2   2x2 3), 5), 9), 28), HB)
Grosse Pelomedusenschildkröte,
Podocnemys expansa
2x1 4x2 1   1x1 3), 5), 9), 18), 26), HB)

3) Die Temperatur muss den Bedürfnissen der Tiere entsprechen. Ein kleinerer Teil des Geheges muss allenfalls eine höhere Temperatur aufweisen und je nach Art muss für jedes Tier eine Wärmelampe vorhanden sein, damit es sich individuell aufwärmen kann.
4) Soziale Struktur beachten. Unter Umständen müssen die Tiere einzeln gehalten werden
7) Der Boden muss teilweise mit begrabbarem Substrat versehen sein, so dass die Tiere darin graben und, je nach Art, sich zurückziehen können.
9) Versteckmöglichkeiten müssen vorhanden sein.
26) Bei gewissen tagaktiven Arten sind helle Lampen (z.B. Halogen, HQL oder HQI) zur Bestrahlung lokaler Aufwärmplätze zu verwenden, ausser die Tiere werden im Freiland oder in Gehegen mit direkter Sonneneinstrahlung gehalten. Die ausschliessliche Verwendung von Bodenheizungen oder Infrarotstrahlern ist nicht zulässig.
28) Die Nahrung muss vor allem aus Fleisch (möglichst ganze Futtertiere einschliesslich Darm) oder Insekten zusammengesetzt sein.
29) Die Nahrung muss aus Fleisch oder Insekten und aus pflanzlichen Bestandteilen zusammengesetzt sein.
HB) Für die private Haltung ist eine Bewilligung nach notwendig.

Die gesammte Tierschutzverordnung findet sich im Internet unter: http://www.bvet.admin.ch/themen/tierschutz/02443/index.html?lang=de

Die Haltung von Rotwangen-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta elegans) ist in der Schweiz verboten, weitere Infos auf http://www.bafu.admin.ch/biotechnologie/02618/07320/07331/index.html?lang=de

 

Hinweis: Gesetze können sich ändern, daher wird keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Gesetzeshinweise übernommen.

 

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