Artbestimmung von Wasserschildkröten

Gelbwangen-Schmuckschildkröten haben irgendwelche gelben Streifen im Gesicht. Praktisch. Leider haben fast alle üblichen Wasserschildkröten gelbe Streifen im Gesicht. Die Unterscheidung der verschiedenen Arten von Wasserschildkröten ist nicht so einfach. Deswegen will ich dir hier ein paar Tipps geben, woran man die häufigsten Wasserschildkröten erkennen kann.

Wenn du Probleme mit der Artbestimmung hast, kannst du mir ein Foto vom Bauch- und Rückenpanzer und vom Kopf zusenden: Kontakt

Schmuckschildkröten

Gelbwangen-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta scripta)

Typische Kopfzeichnung der Gelbwangen-Schmuckschildkröte

Die Gelbwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta scripta) hat hinter dem Auge einen breiten senkrechten Streifen. Der Bauchpanzer von Gelbwangen-Schmuckschildkröten hat als Jungtier gelegentlich noch eine Fleckenzeichnung, diese verschwindet aber mit dem Wachstum. In der Regel haben ausgewachsene Gelbwangen-Schmuckschildkröte nur vorne am Hals noch zwei Punkte auf dem Bauchpanzer. Daher wird diese Art im deutschen gelegentlich auch als Gelbbauch-Schmuckschildkröte bezeichnet.

Ansicht des Bauchpanzers einer Gelbwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta scripta)

Rotwangen-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta elegans)

Bei der Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) findet sich hinter dem Auge ein länglicher waagerechter kräftig roter Streifen.

Typische Kopfzeichnung der Rotwangen-Schmuckschildkröte

Cumberland-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta troostii)

Typische Kopfzeichnung der Cumberland-Schmuckschildkröte

Die Cumberland-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta troostii) kann leicht mit der Rotwange verwechselt werden, bei der Cumberland-Schmuckschildkröte findet sich hinter dem Auge ebenfalls ein waagerechter Streifen, doch ist dieser nicht rot, sondern ehr organge, im Alter wird er meistens bräunlich.

Ansicht des Bauchpanzers einer Cumberland-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta troostii). Der Bauchpanzer einer Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) unterscheidet sich davon nicht.

Hieroglyphen-Schmuckschildkröten (Pseudemys concinna concinna)

Auf dem ersten Rippenschild findet sich meistens eine C-förmige Zeichnung. Am Mundwinkel zum Hals ziehend gibt es eine Zeichnung die einem liegendem Y ähnelt.

Florida-Rotbauch-Schmuckschildkröten (Pseudemys nelsoni)

Deutsche Namen können manchmal verwirren. So richtig rot ist der Bauchpanzer einer Florida-Rotbauch-Schmuckschildkröte (Pseudemys nelsoni) nämlich nicht. Als Schlüpfling ist er maximal orange, meistens aber eher gelb. Bei ausgewachsenen Florida-Rotbauch-Schmuckschildkröten ist der Bauch dunkel-gelb. Wirklich rot ist der Bauchpanzer der Nördlichen Rotbauch-Schmuckschildkröte (Pseudemys rubriventris).

Auf den Rippenschildern gibt es breite Streifen die von der Panzermitte nach außen laufen.

Peninsula-Schmuckschildkröten (Pseudemys peninsularis)

Du kannst ganz leicht eine Peninsula-Schmuckschildkröte an ihrer Haarnadelzeichnung auf dem Kopf erkennen. So abgerundet kommt dieses Zeichnungelement bei keiner anderen Schmuckschildkröte vor.

Höckerschildkröten

Typische Zeichnung des Bauch- und Rückenpanzers eines Höckerschildkröten-Schlüpflings

Im Zoohandel werden Höckerschildkröten leider nicht sauber nach Arten getrennt angeboten. Meistens ist es eine Mischung aus Graptemys p. pseudogeographicaGraptemys p. kohnii und Graptemys ouachitensis. Diese Höckerschildkröten kann man anhand ihrer Kopfzeichnung unterscheiden. Bei allen dreien besteht die Kopfzeichnung aus gelblichen bis elfenbeinfarbenen Linien vor dunkelgrauem Hintergrund.

Falsche Landkarten-Höckerschildkröten (Graptemys p. pseudogeographica)

Bei der Falschen Landkarten-Höckerschildkröte (Graptemys pseudogeographica pseudogeographica) befinden sich hinter den Augen auf dem Kopf zwei etwas dickere Streifen, die vom Nacken kommen und hinter dem Auge zur Seite abknicken. Unter den Augen und um den Mund herum befinden sich viele Punkte, die aber kaum dicker sind als die Streifen. Vom Hals bzw. Nacken kommen ein paar Streifen die bis zum Auge reichen. Die Iris des Auges hat eine hellbraune bis beige Farbe und wird von einer schwarzen Linie horizontal geschnitten. Der Schnabel ist hell- bis dunkelgelb. Die Linien an Beinen und Hals sind bei dieser Unterart etwas feiner als bei den anderen beiden.

Mississippi-Höckerschildkröten (Graptemys p. kohnii)

Bei der Mississippi-Höckerschildkröte (Graptemys pseudogeographica kohnii) kommen ebenfalls zwei prominente Linien vom Hals Richtung Auge und knicken dort ab, gehen dann aber viel weiter und umschließen das Auge halbmondförmig bzw. sichelförmig. Die kreisförmigen Zeichnungselemente am Kopf sind relativ klein, sie kommen fast nur am Kinn vor. Die Streifen vom Hals berühren das Auge nicht, weil dort ja schon die sichelförmige Zeichnung herum ist. Die Iris ist weiß und hat nur selten eine dunkle Linie. Der Schnabel ist farblos bis weißlich. Die Linien an den Beinen und am Hals sind gleichmäßig dick, mit helleren und dunklen Linien.

Ouachita-Höckerschildkröten (Graptemys ouachitensis)

Bei der Ouachita-Höckerschildkröte (Graptemys ouachitensis) befinden sich auf dem Kopf, hinter den Augen, zwei gelbe bis orange Flecken, die oval bis viereckig sind. Diese Flecken sind dunkel umrandet. Von diesen Flecken gehen keine Linien Richtung Hals ab. Unter den Augen, unter den Mundwinkeln und am Kinn unter der Schnabelspitze gibt es kreisförmige Zeichnungen, die deutlich größer sind als bei den ersten beiden Höckerschildkröten. Der Durchmesser ist deutlich größer als die Liniendicke der Halslinien. Vom Hals kommend erreichen ein bis drei Linien das Auge. Die Iris ist weiß und hat normalerweise eine dünne schwarze Linie, die die Iris horizontal schneidet. Der Schnabel ist farblos bis weißlich. Bei ausgewachsenen Ouachita-Höckerschildkröten sind die Linien häufig rötlich, statt gelblich, aber nicht immer. Bei den Linien an den Beinen und am Hals sind die hellen und dunklen Linien unterschiedlich dick.

Moschusschildkröten

Moschusschildkröten werden im Zoohandel meistens in der Größe eines Lutschbonbons angeboten. Daher zeige ich dir zunächst die drei häufigsten Moschusschildkröten-Arten als Baby.

Die drei häufigsten Moschusschildkröten-Arten als Schlüpfling, wie sie gewöhnlich verkauft werden

Rechts die schwarze Schildkröte ist die Gewöhnliche Moschusschildkröte (Sternotherus odoratus), das ist die häufigste Moschusschildkröte.

Ansicht des Rückenpanzers
Am deutlichsten sind die Unterschiede zwischen den Arten, wenn man den Bauchpanzer vergleicht

Gewöhnliche Moschusschildkröten (Sternotherus odoratus)

Dach-Moschusschildkröten (Sternotherus carinatus)

Zwerg-Moschusschildkröten (Sternotherus minor minor)

Nackenstreifen-Moschusschildkröten (Sternotherus minor peltifer)

Kopfportrait einer männlichen Sternotherus minor peltifer
Eine ausgewachsene männliche Nackenstreifen-Moschusschildkröte

Chinesische Dreikielschildkröten (Mauremys reevesii)

Bauchpanzer einer Chinesischen Dreikielschildkröte
Rückenpanzer mit den drei Kielen der Chinesischen Dreikielschildkröte
Bei ausgewachsenen Dreikielschildkröten sind die Kiele nicht mehr zu erkennen

Chinesische Streifenschildkröten (Mauremys sinensis)

Die Chinesische Streifenschildkröte hat namensgebende Streifen am Kopf
Rückenpanzer der Chinesischen Streifenschildkröte
Typische Zeichnung auf dem Bauchpanzer der Chinesischen Streifenschildkröte

Rotbauch-Spitzkopf-Schildkröten (Emydura subglobosa)

Typische Kopf-Zeichnung der Rotbauch-Spitzkopf-Schildkröte
Bauchpanzer einer Rotbauch-Spitzkopfschildkröte (Emydura subglobosa)
Rückenpanzer einer Rotbauch-Spitzkopfschildkröte (Emydura subglobosa)

Zierschildkröten

Im Unterschied zu Schmuckschildkröten und Höckerschildkröten ist der hintere Panzerrand bei Zierschildkröten in der Regel glatt rund, bei ersteren aber leicht zackig.

Der Bestimmungsschlüssel von OBST (1985) trifft nach wie vor zu, er beginnt mit der Zeichnung des Bauchpanzers (Plastron):

  1. Plastron (Bauchpanzer) einfarbig gelblich ohne Zeichnung
    1. Markierung der Nähte zwischen den vorderen Diskusschildern (das sind die Rippen- und Wirbelschilde) durch auffällig helle breite Streifen, Naht zwischen dem 2. und 3. Wirbelschild läuft fast gerade in die Naht zwischen den 2. und 3. Rippenschildern über: Chrysemys picta picta
    2. Markierung der Nährte zwischen den Diskusschildern gleichmäßig und normal durch durch schmale Streifen, Naht zwischen 2. und 3. Wirbelschild deutlich gegen die Naht zwischen den 2. und 3. Rippenschildern versetzt, markanter gelber oder rötlicher Dorsalstreifen (besonders bei jüngeren Exemplaren): Chrysemys picta dorsalis
  2. Plastron mit dunkler Zeichnung entlang der Symmetrieachse
    1. Plastronzeichnung lediglich entlang der Längsnähte der Plastronschilder; Diskusfeld (die Rippen- und Wirbelschilder) des Carapax (Rückenpanzer) im Alter völlig einfarbig und zeichnungslos: Chrysemys picta marginata
    2. Plastronzeichnung mit Ausläufern entlang der Quernähte der Plastronschilder, Carapax mit charakteristierscher Netzwerkzeichnung: Chrysemys picta bellii

Chrysemys picta picta, Östliche Zierschildkröten

Bauchpanzer einer Östlichen Zierschildkröte (Chrysemys picta picta). Der Schwarze Fleck ist auch bei Jungtieren von Rückenstreifen-Zierschildkröten (Chrysemys picta dorsalis) in mehr oder weniger ausgeprägter Form oft vorhanden, verschwindet aber meistens mit dem Wachstum.
Typische Vier-Punkt-Kopfzeichnung der Östlichen Zierschildkröte (Chrysemys picta picta)

Chrysemys picta dorsalis, Rückenstreifen-Zierschildkröten (oder Südlichen Zierschildkröte)

Rückenpanzer einer Rückenstreifen-Zierschildkröte (Chrysemys picta dorsalis). Der Rote Strich vom Kopf zum Schwanz ist charakteristisch. Die roten Zeichnungselemente entlang der Panzernähte sind nicht immer vorhanden.
Bauchpanzer der Rückenstreifen-Zierschildkröte (Chrysemys picta dorsalis)

Chrysemys picta marginata, Mittelländische Zierschildkröten

Rückenpanzer von Chrysemys picta marginata, der Mittelländischen Zierschildkröte
Bauchpanzer einer jungen Mittelländischen Zierschildkröte (Chrysemys picta marginata)

Chrysemys picta bellii, Indianer-Zierschildkröten (oder Westliche Zierschildkröte)

Bauchpanzer der Indianer-Zierschildkröte (Chrysemys picta bellii)
Typische Zeichnung des Kopfes und des Rückenpanzers von Indianer-Zierschildkröten (Chrysemys picta bellii)

Literatur

Ernst, C. H. & J. E. LOVICH (2009): Turtles of the United States and Canada – Second Edition. – The John Hopkins University Press (Baltimore): 827 S. 

Obst, F. J. (1985): Schmuckschildkröten. – Wittenberg Lutherstadt: Ziemsen, 127 S.