Wie erkennt man den Tod bei Wasserschildkröten und anderen Reptilien?

Wie jedes andere Haustier auch, können Wasserschildkröten sterben. Schildkröten leben zwar recht lange, aber halt auch nicht ewig. Doch an welchen Merkmalen erkennt man, dass die Wasserschildkröte tot ist? Insbesondere während er Überwinterung ist diese Frage natürlich bedeutend, da die Schildkröten während der Winterstarre sich sowieso wenig bewegen.

Die Feststellung des Todes bei Reptilien ist ein schwieriges Puzzle mit vielen Teilen

Schläft die Schildkröte oder ist sie tot?

Eine Schildkröte die tief und fest schläft, ob nun an Land oder im Wasser, kann wie tot aussehen. Aber wenn man sie an den Füßen berührt oder sie hochhebt kommt meistens schnell etwas Leben in die Schildkröte. Wenn sie sich zuckend erschrickt kann man sich sicher sein, dass sie noch lebt.

Todeszeichen

Fehlende Atmung

An wichtiges Anzeichen für tote Wasserschildkröten ist natürlich, dass sie nicht mehr atmen. Aber Wasserschildkröten können extrem lange die Luft anhalten, für ihre Tauchgänge benötigen sie diese Fähigkeit ja schließlich. Es ist also kein sicheres Merkmal für tote Schildkröten.

Lebende Schildkröten können lange die Luft anhalten. Die Schildkröte auf dem Bild lebt.

Fehlender Lidschlussreflex

Der Lidschlussreflex (auch Kornealreflex genannt) ist bei Säugetieren ein guter Test auf Hirnfunktionen, fehlt er, so deutet es auf den Tod (oder eine sehr tiefe Narkose) hin. Die Testung des Lidschlussreflexes ist einfach: Wenn man die Hornhaut des Auges berührt und sich daraufhin die Augenlieder schließen, so ist der Reflex erhalten und das Tier nicht tot. Bei Reptilien steht man allerdings vor ein paar Schwierigkeiten, so haben Schlangen keine beweglichen Augenlieder und somit auch keine Blinzelreaktion.

Ein Problem bei allen Reptilien ist jedoch, dass Reaktionen auf Reize auch noch nach dem Hirntod festgestellt werden können, da bei Reptilien das Rückenmark eine große Rolle bei der Steuerung der Körperfunktionen spielt.

Für den Schildkrötenhalter nicht gut festzustellen, aber ein relativ guter Indikator für den Tod (oder eine sehr tiefe Narkose) ist der vollständige Verlust von Kehlkopfbewegungen. Um ganz sicher zu sein kann man den Kehlkopf (mit einer Pinzette oder Sonde) berühren um zu gucken ob noch ein Reflex vorhanden ist.

Eingesunkene Augen

Nach dem Tod trocknen die Augen von Schildkröten relativ schnell aus. Bei Wasserschildkröten natürlich nur wenn sie sich nach dem Tode nicht unter Wasser befinden. Wenn Schildkröten zu wenig Flüssigkeit zu sich nehmen, dann sinken ihre Augen auch etwas ein. Sind die Augen jedoch so extrem eingesunken und ausgetrocknet wie auf dem folgenden Foto, dann ist es ein Hinweis auf den Tod der Wasserschildkröte.

Extrem eingetrocknete Augen sind ein Zeichen dafür, dass die Schildkröte gestorben ist. Bei Austrocknung können die Augen ebenfalls eintrocknen, aber nicht so heftig. Die Schildkröte auf dem Bild ist tot.

Graue Schleimhaut

Die Schleimhäute (im Mund oder der Kloake) sind bei einem lebenden Reptil rosa. Das liegt an dem durchschimmernden Blut. Nach dem Tod sind die Schleimhäute (in der Regel) gräulich. Aber auch bei einer Blutarmut (Anämie) können die Schleimhäute weniger rosa sein. Daher sind graue Schleimhäute kein absolut sicheres Zeichen für den Tod bei Schildkröten.

Rosa Maulschleimhäute bei einer lebenden Herreras Klappschildkröte (Kinosternon herrerai). Die Schildkröte auf dem Bild lebt.

Totenstarre, Rigor mortis

Die Totenstarre ist ein sicheres Zeichen für den Tod. Nach dem Tod entspannen sich die Muskeln zunächst völlig, dann passieren in der Muskulatur mit einem Zusammenspiel von ATP, Myosin und Aktin ein paar Dinge die dazu führen, dass die Muskeln sich verhärten. Nach sechs bis acht Stunden ist die Totenstarre (beim Säugetier) vollständig ausgebildet. Nach zwei bis vier Tagen löst sich die Totenstarre wieder auf, weil die Muskeln mit der Autolyse beginnen (sprich: die verrotten).

Der Beginn der Totenstarre bei Wasserschildkröten und anderen Reptilien hängt von der Größe des Tieres und der Umgebungstemperatur ab. Aber so ungefähr passen die für Säugetiere angegebenen Zeiträume. Ich empfehle bei Wasserschildkröten unbedingt zu warten bis die Totenstarre einsetzt um sicher zu sagen, dass die Schildkröte tot ist.

Wärmelampen-Test

Eine gute Möglichkeit festzustellen ob der Kreislauf einer Schildkröte noch funktioniert und sie somit noch als lebend anzusehen ist, ist der Wärmelampen-Test. Dazu wird die Schildkröte mit einer Wärmelampe beschienen, aber nicht mittig, sondern an einer Ecke, beziehungsweise einem Bein. Bei lebenden Schildkröten sorgt der Kreislauf dann dafür, dass sich die Wärme im ganzen Körper verteilt. Ist die Schildkröte tot wird hingegen nur die Stelle warm wo die Lampe hinscheint. Die Zeit des Wärmelampen-Tests kann man zudem dafür nutzen um zu schauen ob die Totenstarre einsetzt.

Fehlender Herzschlag

Wenn man sich absolut nicht sicher ist, ob eine Schildkröte tot ist, dann kann man sie einpacken und zu einem reptilienerfahrenen Tierarzt fahren. Beim Tierarzt kann mit Hilfe eines Ultraschallgerätes geschaut werden ob noch ein Herzschlag bei der Wasserschildkröte feststellbar ist. Alternativ kann auch mit einem Pulsoxymeter oder Doppler untersucht werden ob das Herz noch schlägt. Bei einem Temperatur zwischen 20 und 30 °C sind 20 bis 75 Herzschläge pro Minute normal. Kleines Problem an der Sache: Noch mehrere Stunden nach dem Hirntod kann das Herz von Reptilien weiterschlagen.

Können Wasserschildkröten ertrinken?

Es klingt völlig verrückt, aber Wasserschildkröten können tatsächlich ertrinken. Schildkröten sind wie alle Reptilien Lungenatmer, sie holen sich den benötigten Sauerstoff mit den Lungen aus der Luft. Fische hingegen holen mit ihren Kiemen den Sauerstoff aus dem Wasser. Wenn eine Schildkröte im Wasser auf dem Rücken liegt, dann ist der Tod durch ertrinken eine mögliche Ursache dafür.

Schildkröte liegt im Wasser auf dem Rücken

Wenn man seine Wasserschildkröte so vorfindet sollte man hektisch werden, denn tatsächlich können Wasserschildkröten ziemlich lange ohne Sauerstoff auskommen. Nimmt man so eine Schildkröte aus dem Wasser und hält sie eine Zeit lang mit dem Kopf nach unten kann das Wasser aus den Lungen fließen. Dann wird die Schildkröte an einen trockenen Platz gelegt. Wenn man ein paar Stunden später wieder kommt, ist es durchaus möglich, dass die Schildkröte wieder lebhaft ist, obwohl sie vorher keinerlei Regung gezeigt hat. Das klappt selbstverständlich nicht immer, aber doch öfter als man erwarten würde. Schildkröten können über Stunden (angeblich sogar Tage) ohne Atmung überleben, selbst ein kurzfristiger Herzstillstand bedeutet nicht automatisch den Tod.

Wenn man wissen möchte warum eine Schildkröte gestorben ist, ist eine Sektion zu empfehlen

Diese Seiten sollen Ihnen nur als ersten Anhaltspunkt dienen wenn ihre Schildkröte krank sein sollte. Bitte versuchen Sie keinesfalls ihre Schildkröte selbst zu behandeln, dies kann sich nur zum Nachteil ihrer Schildkröte auswirken. Gehen Sie lieber einmal zu viel als zu wenig zu einem schildkrötenerfahrenen Tierarzt