Tuberkulose, Mykobakterien bei Wasserschildkröten

Schildkröten-Tuberkulose

Eine nicht sehr häufige, aber wichtige Erkankung von Wasserschildkröten ist die Tuberkulose. Dabei kommt es zu knötchenartigen Veränderungen der Haut (den sogenannten Tuberkeln). Später magern betroffene Schildkröten ab.

Bei Schildkröten wurden schon diverse Mykobakterien gefunden, zum Beispiel: Mycobacterium chelonae, M. haemophilum, M. kansasii, M. marinum, M. szulgai, M. terrae und M. ulcerans. Wenn man sich intensiv in die Literatur einarbeitet findet man vermutlich auch noch mehr.

Die Übertragung von Tuberkulose-Bakterien auf die Schildkröten kann über andere Schildkröten (Wildfänge!), Mückenlarven oder Fische geschehen.

Bei Verdacht auf eine Infektion mit Mycobakterien ist eine Probennahme der betroffenen Hautstellen nötig, die Probe wird mit einer Ziehl-Neelsen-Färbung auf “säurefeste Stäbchen” untersucht. Aufgrund von Sekundärinfektionen kann die sichere Diagnose erschwert sein, im Zweifel ist eine histologische Untersuchung zu empfehlen.

Die Therapie von an Tuberkulose erkrankten Schildkröten (und anderen Reptilien) ist mit Antibiotika nicht sehr erfolgversprechend. Aufgrund der Zoonosegefahr, also der Übertragung der Bakterien auf den Menschen, ist daher frühzeitig die Euthanasie erkrankter Wasserschildkröten anzuraten.

Beim Händling von Schildkröten mit Tuberkulose-Verdacht sind Handschuhe zu tragen. Die Einrichtung und das Aquarium kann man mit tuberkuloziden Desinfektionsmitteln (von der Desinfektionsmittelliste der DVG) dekontaminieren.

Fisch-Tuberkulose

Bei Zierfischen wird die sogenannte Fischtuberkulose meistens durch Mycobacterium fortuitum oder M. marinum ausgelöst. Fische stecken sich oft durch die Aufname von Mückenlarven an, die oft Mykobakterien-Träger sind, aber auch die Ansteckung über andere Fische ist möglich, sogar durch Außenparasiten.

Tuberkulose kann nicht nur über lebende Mückenlarven, sondern auch über gefrorene Mückenlarven übertragen werden!

Die Symptome für Tuberkulose bei Fischen sind nicht sehr eindeutig. Erkrankte Fische werden träge, fressen schlecht, magern ab und können ausgefranste Flossen haben. Später erkennt man die Tuberkel (Knötchen) in der Haut, als weiße eitrige offene Hautveränderungen oder Vorstülpungen.

Fische und Mückenlarven können Tuberkulose auch an Wasserschildkröten übertragen!

Bei Fischen bilden sich die Tuberkel in Leber, Darm, Magen und Haut. Die Behandlung bei Fischen ist schwierig und nicht sinnvoll. Das Mittel der Wahl ist die Tötung erkrankter Fische.

Die Fischtuberkulose ist auf den Menschen übertragbar und hat sogar einen eigenen Namen: Schwimmbadgranulom oder Aquariengranulom. Bei Aquarianern befinden sich die roten Papeln und Knoten in der Regel an den Händen und Armen.

Menschen-Tuberkulose

Beim Menschen verläuft die Tuberkulose in der Regel chronisch. Ursächlich sind es meistens sogenannte Säugertuberkulosebakterien (Mycobacterium tuberculosis und M. bovis). Für die Geflügel-Tuberkulose (M. avium) ist der Mensch und andere Säugetiere nicht sehr empfänglich, aber auch eine Ansteckung mit der Vogeltuberkulose ist möglich.

Alle Tuberkulose-Bakterien sind potentiell eine Zoonose, können also vom Tier auf den Menschen übertragen werden.

Man kann sich als Mensch nicht nur an Fischen und Schildkröten mit Tuberkulose-Bakterien anstecken, sondern auch an Rindern, Schafen, Ziegen, Hunden, Katzen und natürlich anderen Menschen.

Die Übertragung vom Tier auf den Menschen kann durch Tröpfcheninfektionen, einatmen von kontaminiertem Staub, Verzehr von tuberkulosekranker Tiere (Fleisch, Milch) und über kleinste Wunden/Verletzungen der (Schleim-)Haut als Schmierinfektion erfolgen. Also immer gut die Hände waschen, auch wegen der Salmonellen.

Die Tuberkulose kann sich beim Menschen als sogenannte Schwindsucht äußern, dabei ist die Lunge infiziert und es kommt zu einer Bronchopneumonie, also Lungenentzündung. Im weiteren Verlauf kann eine Brustfellentzündung hinzukommen. Hat man noch mehr Pech, streuen die Tuberkulosebakterien über das Blut und zahlreiche Organe werden befallen. Bei der Hauttuberkulose bilden sich erbsengroße Tuberkel (also Knötchen) in der Haut. Die Therapie einer Tuberkulose beim Menschen ist aufwändig und langwierig.

Hat man eine Schildkröte mit Mykobakterien, so empfehle ich eine Probe an das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien am Forschungszentrum Borstel zu schicken, bzw. vom Reptilien-Tierarzt dort einschicken zu lassen. Dort kann die genaue Art bestimmt werden und es kann abgeschätzt werden wie groß die Gefahr für die menschlichen Mitglieder des Haushaltes ist.

Diese Seiten sollen Ihnen nur als ersten Anhaltspunkt dienen wenn ihre Schildkröte krank sein sollte. Bitte versuchen Sie keinesfalls ihre Schildkröte selbst zu behandeln, dies kann sich nur zum Nachteil ihrer Schildkröte auswirken. Gehen Sie lieber einmal zu viel als zu wenig zu einem schildkrötenerfahrenen Tierarzt

Literatur

Bassleer, G. (2011): Der Praktische Bildatlas der Fischkrankheiten. – Bassleer Biofisch/Aquarium Münster, 104 S.*

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