Kalzium für Wasserschildkröten

Schildkröten brauchen Kalzium für ihre Knochen und ihren Panzer. Das im Futter enthaltene Kalzium reicht meist nicht aus, daher muss eine Kalzium-Quelle zugefüttert werden. Da aber eine Überversorgung mit Kalzium genauso schadet wie eine Unterversorgung sollte man Kalk nicht übers Futter streuen (würde im Wasser ja ohnehin abgewaschen), sondern separat anbieten. Um Kalzium in Knochen und Panzer einzulagern brauchen Schildkröten Vitamin D3, dieses können sie mit Hilfe von UV-B-Strahlen selbst bilden, zur UV-Versorgung sind Halogen-Metalldampf-Lampen mit UV-Anteil am besten geeignet.

Sepiaschulp

Ich habe in meinen Schildkrötenbecken immer ein Stück Sepia schwimmen, so können die Schildkröten ganz nach Bedarf sich etwas abbeißen. Anfangs schwimmen die Schulps an der Wasseroberfläche, manche sinken nach einiger Zeit, andere nicht, wieso hab ich noch nicht raus gefunden. Auf dem Foto seht ihr zwei frische Sepia-Schale und daneben eine die schon einige Zeit im Schildkrötenaquarium geschwommen ist.

Links die “weiche” Seite einer frischen Sepia, in der Mitte liegt die härtere Seite oben und rechts eine Sepia die schon einige Zeit im Aquarium schwamm (mit Biss-Spuren)

Sepia hat ein Kalzium-Phosphor-Verhältnis von 253! Damit ist es ein ideales Futtermittel zur Kalzium-Ergänzung.

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Der Sepiaschulp ist eigentlich ein Knochen von Tintenfischen. An Mittelmeerstränden findet man auch oft Sepia, diese kann man mit nach Hause nehmen und auch seinen Schildkröten anbieten. Übrigens muss Sepia nicht aufwändig gewässert werden. Sicherlich kann da etwas Meersalz enthalten sein, aber durch Wässern sinkt der Salzgehalt nicht. Wenn man sich Sepia im Zoohandel kauft, bitte nicht die rosa schimmernden Schulps kaufen, diese haben einen Vitaminüberzug für Vögel, welcher für Schildkröten ungeeignet ist.

Sepia sollte immer im Aquarium schwimmen

Wasserschildkröten benötigen keine Vitaminpülverchen oder -tröpfchen, sondern als Ergänzung nur Sepia und UV-B-Licht!

Eierschalen

Auch Stücke von Eierschalen werden gelegentlich zur Kalkversorgung eingesetzt, aber es gibt Hinweise darauf, dass Eischalen schlecht verdaulich sind. Den Schildkröten steht das Kalzium aus Eischalen also nicht zur Verfügung. Daher würde ich Eischalen nicht einsetzen. Wenn Eischalen eingesetzt werden, dann sollten sie abgekocht werden damit eine Salmonellen-Übertragung ausgeschlossen werden kann.

Eierschalen sind kein ideales Futtermittel zur Kalzium-Versorgung

Knochen

Knochen, in Form von Knochenschrot oder ausgekochten Suppenknochen, wird gelegentlich zur Kalzium-Ergänzung angeboten. Knochen enthält jedoch auch viel Phosphor. Ein ungünstiges Kalzium-Phosphor-Verhältnis in der Diät von Wasserschildkröten kann Knochen daher nicht ausgleichen.

Knochenstücke und Knochenschrot enthalten nicht nur viel Kalzium, sondern auch viel Phosphor. Daher ist Knochen nicht zum Ausgleich eines ungünstigen Ca-P-Verhältnisses geeignet.

Kalzium-Bedarf

Gelegentlich wird postuliert, dass Schildkröten einen höheres Calcium-Phosphor-Verhältnis als andere Wirbeltiere bräuchten. Dies wird auf den Panzer zurückgeführt. Jedoch ist der Panzer auch nur aus Knochen und Knochen hat ein Calcium-Phosphor-Verhältnis von 2:1. In der Regel sollte für alle Wirbeltiere im Futter doppelt so viel Calcium wie Phosphor vorhanden sein, das Calcium-Phosphor-Verhältnis also 2:1 betragen. Bei den Untersuchungen zum Mineralstoffbedarf der Chinesischen Weichschildkröte ist dann auch festgestellt worden, dass das Calcium-Phosphor-Verhältnis 2:1 sein sollte. Bei Chinesischen Weichschildkröten liegt der Ca-Bedarf bei 5,7 % im Futter (HUANG et al. 2003). Der Calcium-Bedarf wird zwischen verschiedenen Arten unterschiedlich sein, insbesondere wenn man hartschalige und weichschalige Wasserschildkröten vergleicht. So ist der Anteil des Panzers relativ zur Gesamt-Körpermasse bei Dornrand-Weichschildkröten (Apalone spinifera) und Indianer-Zierschildkröten (Chrysemys picta bellii) zwar gleich, aber bei der Weichschildkröte besteht der Panzer nur zu 20-25 % aus Calcium und Phosphor, bei der Zierschildkröte hingegen zu 45 % (JACKSON et al. 2000).

Analyse

Was ist nun drin, in diesen Kalzium-Quellen? Natürlich bestehen diese Mineralfuttermittel nicht nur aus Kalzium, sondern es sind auch andere Mineralstoffe enthalten. Hier Analyse-Daten (in der Trockensubstanz, WAPELHORST 2014):

SepiaEi-SchaleKnochen
Ca
g/kg
339358242
P
g/kg
1,341,03112
Ca/P2533482,16
Na
g/kg
10,71,125,10
K
g/kg
0,9060,4240,819
Mg
g/kg
0,9343,423,85
Cl
g/kg
10,20,2010,875
Cu
mg/kg
65,52,826,82
Zn
mg/kg
30,110,577,3
Fe
mg/kg
2,048,795,82
Mn
mg/kg
4,711,330,860

Literatur

Huang, C. H., Lin, W. Y., & Wu, S. M. (2003): Effect of dietary calcium and phosphorus supplementation in fish meal‐based diets on the growth of soft‐shelled turtle Pelodiscus sinensis (Wiegmann). – Aquaculture research, 34 (10), 843-848.

Jackson, D. C., Ramsey, A. L., Paulson, J. M., Crocker, C. E., & Ultsch, G. R. (2000): Lactic acid buffering by bone and shell in anoxic softshell and painted turtles. – Physiological and Biochemical Zoology, 73 (3), 290-297.

Wapelhorst, X. (2014): Untersuchungen zur Aufnahme und Bedeutung von Beifutter für die Nährstoffversorgung granivorer Ziervogelspezies (Kanarienvögel, Wellensittiche, Rosenköpfchen). – Dr. Hut-Verlag (München), 165 S.