Aufzucht von Wasserschildkröten-Babys

Nur weil man es geschafft hat, dass Mini-Wasserschildkröten aus den Eiern geschlüpft sind, ist man noch nicht fertig mit der Sache. Jetzt steht die Aufzucht der kleinen Wasserschildkröten-Babys an.

Wasserschildkröten-Babys sind anfälliger für Krankheiten als ausgewachsene Schildkröten. Das ist bei jeder Tierart inklusive dem Menschen so: Babys sind empfindlicher! Daher sollte man da ein genaues Auge drauf haben.

Japanische Sumpfschildkröte, Mauremys japonica

Der nie ganz vermeidbare Stress während eines Transports kann schlummernde Infektionen wecken und Krankheiten ausbrechen lassen, die ansonsten unentdeckt geblieben wären bzw. gar nicht erst aufgetreten sind. Daher ist nach dem Transport einer Baby-Wasserschildkröten in den nächsten Wochen auf die Gesundheit einer Wasserschildkröte ganz besonderes Augenmerk zu legen.

Messen & wiegen

Natürlich ist man als Beginner nicht unbedingt schon ein Experte was Schildkrötenkrankheiten und deren Erkennung angeht. Was also tun? Ganz einfach: bei vielen Krankheiten stagniert das Wachstum oder die Schildkröten nehmen sogar ab. Aber auch wenn die Gruppenzusammensetzung nicht passt, dann nehmen Schildkröten weniger oder gar nicht mehr zu. Daher rate ich dazu seine kleinen Wasserschildkröten alle zwei bis vier Wochen zu wiegen und diese Daten dann auch zu notieren. Zielsetzung ist, dass die Schildkröte zunimmt und keinesfalls an Gewicht verliert. Zusätzlich kann man mit einem Messschieber die Panzerlänge ermitteln.

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Wasserschildkröten-Babys sind ganz schön leicht, da benötigt man zum wiegen eine Feinwaage

Das Gewicht wird mit einer Waage ermittelt. Bei kleinen Schlüpflingen sollte man dafür eine Feinwaage verwenden. Klar geht das auch mit einer Küchenwaage, aber die ist bei unter 50 g doch sehr ungenau. Auch bei einer Feinwaage würde ich nicht auf die dritte Stelle nach dem Komma gucken, sondern nur auf eine Stelle hinter dem Komma. Es sei denn man hat eine wirklich teure Waage aus dem Laborbedarf. Aber dann müsste man auch bedenken wie viel Feuchtigkeit auf dem Panzer ist. Wenn die Schildkröte mehr als 50 g wiegt kann man auf eine andere Waage wechseln. Aber aufgrund der Möglichkeit, dass Schildkröten Salmonellen übertragen können sollte man nicht die Küchenwaage verwenden, sondern eine eigene Waage für die Wasserschildkröte anschaffen.

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Unterbringung von Wasserschildkröten-Babys

Grundsätzlich sind die Haltungsbedingungen für Wasserschildkröten-Babys die gleichen wie für ihre ausgewachsenen Artgenossen. Aber ein paar Dinge gibt es zu beachten.

Aquariengröße

Klar, eine ausgewachsene Wasserschildkröte benötigt eine gewisse Beckengröße, aber für Schlüpflinge und Jungtiere kann das Aquarium ruhig kleiner ausfallen. Das Aquarium sollte sogar kleiner sein. Viele junge Wasserschildkröten kommen nicht viel größer als ein Lutschbonbon aus dem Ei. In einem Aquarium mit 100 cm Länge findet man so ein Tier nicht wieder. Außerdem hat die Schildkröte da auch fast keine Chance das Futter zu finden. Sicherlich, die hat den ganzen Tag Zeit zu suchen. Aber es ist doch einfacher in einem kleinen Aquarium eine ausreichende Futteraufnahme sicherzustellen.

Es ist der Schildkröte letztendlich egal ob ihr „Behälter“ aus Glas oder Kunststoff ist. Viele Züchter ziehen ihre Baby-Wasserschildkröten in Kunststoffboxen auf. Das geht auch. Hübscher anzusehen ist aber sicherlich ein Glas-Aquarium.

Folgende Behälter-Größe empfehle ich für das erste Lebensjahr einer Wasserschildkröte:

Moschusschildkröten, Klappschildkröten: 30 x 20 x 20 cm oder 40 x 25 x 25 cm

Zierschildkröten: 60 x 30 x 30 cm

Schmuckschildkröten, Höckerschildkröten: 80 x 40 x 40 cm

Chinesische Dreikielschildkröten: 60 x 30 x 30 cm

Chinesische Streifenschildkröten: 80 x 40 x 40 cm

Tropfenschildkröten: 40 x 25 x 25 cm

Nach dem ersten Lebensjahr sind die Wasserschildkröten größer und kräftiger, dann können und sollten sie in ein größeres Aquarium umziehen.

Wasserstand

Baby-Wasserschildkröten sind noch keine so guten und ausdauernden Schwimmer wie größere Wasserschildkröten. Daher sollte der Wasserstand nicht zu hoch gewählt werden. Insbesondere Moschusschildkröten, Klappschildkröten, Chinesische Dreikielschildkröten und Tropfenschildkröten kommen als Baby mit einem sehr hohen Wasserstand nicht gut zurecht.

Faustregel: Wasserstand = dreifache Panzerlänge

Die Höckerschildkröten, Schmuckschildkröten und Chinesische Streifenschildkröten sind auch als Baby schon bessere Schwimmer und auch größer. Da kann man auch schon einen Wasserstand von 30 cm anbieten. Die Babys von Zierschildkröten sind hingegen deutlich kleiner und schwimmen auch schlechter, da würde ich nicht über 20 cm Wasserstand für frisch geschlüpfte Babys anbieten und erst mit der Zeit etwas den Wasserstand erhöhen.

Einrichtung

Wasserschildkröten-Babys leben versteckter als ihre ausgewachsenen Artgenossen. Der Grund ist einfach: der Panzer ist noch weicher als bei großen Schildkröten und sie sind kleiner, dadurch sind sie für Fressfeinde eine leichtere Beute.

Für alle Wasserschildkröten-Babys empfiehlt sich eine reichhaltige Bepflanzung. In den Wasserpflanzen verstecken sich die Schlüpflinge gerne. Bei Schmuckschildkröten, Zierschildkröten und Chinesischen Streifenschildkröten werden die Pflanzen aber zeitnah auch gefressen.

Der Bodengrund kann, wie für größere Wasserschildkröten, aus Sand oder Kies bestehen. Zur einfacheren Reinigung kann man den Boden jedoch auch mit Silikon bestreichen, welcher besseren Gripp bietet als ein purer Glasboden.

Wichtig ist, dass die Baby-Schildkröten die Wasseroberfläche kletternd erreichen können, durch entsprechende Gestaltung mit Wurzeln oder Steinen. Sonst besteht potentiell die Gefahr, dass sie ertrinken.

Als Landteil sind Weidenholzbrücken ganz besonders gut geeignet. Die kann man zum Halbkreis biegen und in das Aquarium stellen. Dann können die Schildkrötenbabys dort vom Bodengrund aus hinaufklettern. Damit erreichen sie die Wasseroberfläche dann auch einfacher. Außerdem können sie sich unter der Weidenholzbrücke verstecken.

Junge Moschusschildkröte beim Sonnenbad auf einer Weidenholzbrücke

Manche Wasserschildkröten, zum Beispiel Tropfenschildkröten oder alle Arten der Gattung Mauremys nehmen auch gerne ein zusätzliches Landteil an, welches die Möglichkeit bietet sich in feuchtem Moos zu verstecken.

Technik

Schon Baby-Schildkröten nehmen ein Sonnenbad. Wobei das bei Moschusschildkröten und Klappschildkröten etwas seltener ist und es auch Exemplare gibt die es gar nicht machen. Aber bereits als Baby muss den Wasserschildkröten eine gute Beleuchtung geboten werden. Dafür eignen sich insbesondere Halogen-Metalldampflampen mit UV-Anteil mit 35 W, wie beispielsweise Solar Raptor HID* oder Exo Terra Sun Ray*. Diese werden in einem solchen Abstand zum Sonnenplatz angebracht, dass auf dem Sonnenplatz 40-45 °C erreicht werden, in der Regel ist das ungefähr bei 20-25 cm der Fall.

So eine 35 W-Lampe leuchtet das ganze Aquarium für Schlüpflinge problemlos aus. Eine zusätzliche Lampe benötigt man nicht. Die Abwärme sorgt sogar für eine gewisse Erwärmung des Wassers. Bei ganz kleinen Behältern muss man sogar aufpassen, dass das Wasser nicht zu warm wird. Deutlich über 30 °C sollte es nicht werden. Damit das Wasser nachts nicht zu stark auskühlt und in Behältern über 30 cm Länge ist ein Heizstab nötig.

Einen Filter benötigt man für Baby-Wasserschildkröten nicht unbedingt. Man kann auch zweimal pro Woche einen Wasserwechsel durchführen. Aber mit Filter ist natürlich weniger Arbeit und praktischer, dann genügt es alle zwei Wochen einen Wasserwechsel zu machen. Bei den notwendigen niedrigen Wasserständen ist es aber oft schwierig einen Außenfilter anzubringen. Praktischer ist daher ein Innenfilter.

Bei mehr als 10 cm Wasserhöhe kann man gut den Eheim Aquaball* verwenden, natürlich nicht hochkant, sondern liegend. Der macht allerdings schon ordentlich Strömung und ist daher nur für gute Schwimmer in Aquarien ab mindestens 60 cm geeignet.

Bei einem niedrigeren Wasserstand und in kleineren Aquarien fährt man mit dem Eheim MiniFlat* oder Eheim MiniUp* besser.

Gruppenhaltung von Wasserschildkröten-Babys

Als Baby sind die meisten Wasserschildkröten noch relativ verträglich und die Gruppenhaltung ist nicht grundsätzlich ein Problem. Aber natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Einige Arten von Moschusschildkröten und Klappschildkröten sind bereits als Jungtier absolut unverträglich, darauf wird dann in den Artbeschreibungen hingewiesen. Im Zweifel ist es immer sinnvoller bereits Jungtiere einzeln oder zumindest in kleineren Gruppen zu pflegen. Stressempfindliche Wasserschildkröten wie beispielsweise die Tropfenschildkröte (Clemmys guttata) oder die Nackenstreifen-Moschusschildkröte (Sternotherus minor peltifer) sollten einzeln aufgezogen werden.

Insbesondere bei Schildkröten-Arten die als Babys lange Schwanze haben (zum Beispiel alles aus der Gattung Mauremys), aber auch bei anderen Wasserschildkröten kann es zu Beginn zu Schwanzbeißen kommen. Dabei kann die Schwanzspitze abgebissen werden, im schlimmsten Fall entzündet sie sich anschließend. Das passiert insbesondere wenn man zu viele Schildkröten in einem zu kleinen Behälter pflegt und wenn man sehr sparsam füttert.

WOLFF (2015)* dokumentierte die Gewichts-Entwicklung von Jungtieren bei verschiedenen Gruppengrößen. Er machte dies bei der Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis), die als relativ verträglich gilt und für die oftmals die Gruppenhaltung sogar empfohlen wird. Doch auch hier zeigte sich, dass sich Wasserschildkröten in kleineren Gruppen besser entwickeln.

Fische und andere Mitbewohner

Kleine Wasserschildkröten sind stressanfälliger und können sich sogar von Fischen einschüchtern lassen. Daher sollten die Fische zum einen nicht zu zahlreich sein und zum anderen keinesfalls größer als die Schildkröten.

Fütterung von Wasserschildkröten-Babys

Frisch geschlüpfte Wasserschildkröten fressen nicht immer sofort. Sie können noch ein paar Tage von den Reserven aus ihrem Dottersack zehren. Aber nach spätestens einer Woche sollten sie fressen. Die Baby-Wasserschildkröten haben mit ihren paar Gramm Gewicht ja nichts gegenzusetzen. Als erstes Futter wird oft Lebendfutter in Form von kleinen Mückenlarven und ähnlichem empfohlen. Aber auch Frostfutter in Form von Artemia, Tubifex, Krill oder Mückenlarven in allen Farben ist ein gutes Futter für den Beginn. Manche Baby-Schildkröten fressen aber auch als erstes bereits Pellets, wie Sera Raffy baby-gran*. Als pflanzliche Nahrung werden zu Beginn vor allem gerne Wasserlinsen gefressen. Aber auch bei Jungtieren ist der Schlüssel zum Erfolg die Abwechslung. Man sollte von Anfang an eine möglichst große Auswahl unterschiedlicher Futtermittel bieten, damit die Schildkröten auch später bereitwillig neue Futter ausprobieren.

Im ersten halben Jahr können und sollten die Baby-Schildkröten ruhig täglich gefüttert werden. Später kann man dann anfangen Fastentage einzuführen.

Wasserschildkröten die später einen hohen Anteil pflanzlicher Nahrung benötigen, fressen als Jungtier oftmals noch mehr tierische Nahrung. Dies liegt schlicht daran, dass Schlüpflinge auf ein schnelles Wachstum bedacht sind. Je größer sie sind, desto weniger Fressfreinde haben sie. Aber selbst Schlüpflinge fressen zu einem gewissen Anteil auch schon Pflanzen. Setzt man Schlüpflinge nach dem Schlupf erstmals in ein Aquarium mit Wasserlinsen, so fressen sie meistens instinktiv schon als erstes davon. Dennoch sollte der Anteil tierischen Futters bei Jungtieren (insbesondere im ersten Jahr) etwas höher sein, als bei ausgewachsenen Wasserschildkröten.

Literatur

Wolff, B. (2015): Europäische Sumpfschildkröten, Lebensweise – Haltung – Nachzucht. – Natur- und Tier-Verlag, Münster, 143 S.*