Zoonosen: von Wasserschildkröten und anderen Reptilien auf Menschen übertragbare Krankheiten

Seit der Corona-Virus-Pandemie bekomme ich vermehrt Anfragen, wie gefährlich die Wasserschildkröten-Haltung für den Menschen ist. Neuerdings haben die Menschen wieder Angst, dass ihr Haustier eine tödliche Krankheit übertragen könnte. Dabei sind Zoonosen nichts neues. 60 % aller Infektionen des Menschen sind Zoonosen. Ein paar ganz prominente Krankheiten gehören zu den Zoonosen: Ebola, HIV, Influenza, Tuberkulose, Tollwut, Milzbrand und natürlich COVID-19.

Vorweg eine Entwarnung: bei artgerechter Haltung ist die Wahrscheinlichkeit gering. Aber ausgeschlossen ist es dennoch nicht. Besonders anfällig sind die sogenannten YOPI (young, old, pregnant, immunosuppressed), also junge, alte, schwangere und immunsuppremierte Personen.

Grundsätzlich gilt: Wasserschildkröten gehören in ein Aquarium. Sie gehören nicht auf den Fußboden, nicht in das Bett und nicht in das Sofa. Reptilien sind keine Streicheltiere. Nach einem Kontakt mit einer Wasserschildkröte muss man sich die Hände waschen. Auch nach dem Kontakt mit dem Wasser muss man sich die Hände waschen. Vor dem Händewaschen keinesfalls ins Gesicht fassen! Beim Wasserwechsel darf man nicht das Wasser mit dem Mund ansaugen. Für die Überwinterung muss ein separater Kühlschrank zur Verfügung stehen, keinesfalls dürfen Wasserschildkröten gemeinsam mit Lebensmitteln in einem Kühlschrank überwintern!

Was ist eine Zoonose?

Von einer Zoonose spricht man, wenn eine Krankheit vom Menschen auf Tiere oder von Tieren auf Menschen übertragen werden kann. Dabei gibt es ein paar Untergruppen. Eine Zooanthroponose wird vom Tier auf den Menschen übertragen. eine Anthropozoonose wird vom Menschen auf Tiere übertragen. Bei einer Amphixenose geht die Übertragung in beide Richtungen.

Die Übertragungswege für Zoonosen sind vielfältig. Natürlich gibt es die Möglichkeit der Übertragung durch direkten Kontakt. Aber es können beispielsweise Zecken, Fliegen, Mücken oder Nagetiere als Vektor fungieren. Häufig spielen Verletzungen (Kratzer, Schnitte, Bisse) eine Rolle. Manchmal reicht schon der Kontakt zu Kot oder Urin von infizierten Tieren für die Übertragung. Die häufigsten Zoonosen werden über Lebensmittel übertragen. Besonders gefährdet sind natürlich Personen mit engem Tierkontakt, beispielsweise als Landwirt:in, Tierärzt:in und Tierhalter:innen.

Bakterielle Zoonosen

Jedes Lebewesen (Mensch, Hund, Wellensittich, Reptilien) hat auf seiner Haut, in seinem Mund und in seinem Darm eine große Palette verschiedener Bakterien. Diese sind für das Lebewesen selbst kein Problem, sie sind Teil des sogenannten Mikrobioms. Aber wenn diese Bakterien eine andere Spezies besiedeln kann es gefährlich werden.

Salmonellen

Salmonellen sind sicherlich die häufigste durch Wasserschildkröten ausgelöste Zoonose. Mit einfachen Hygieneregeln (Hände waschen!) kann man die Gefahr extrem minimieren. Weitere Infos auf der Seite Salmonellen bei Wasserschildkröten und als Zoonose.

Tuberkulose

Die Kaltblüter-Tuberkulose ist nicht zu verwechseln mit der Tuberkulose des Menschen (Mycobacterium tuberculosis) oder Lepra (Mycobacterium leprae). Aber Reptilien können Mykobakterien tragen, welche beim Menschen jedoch selten krankmachend sind. Lungenentzündungen und Hautveränderungen des Menschen können aber daher rühren, auch wenn die Reptilien keine Krankheitsanzeichen zeigen.

Campylobacter

Wenn sich Menschen mit Campylobacter anstecken, dann in der Regel über den Verzehr von Geflügelfleisch, insbesondere wenn es roh oder nicht ausreichend erhitzt war. Außerdem ist die Ansteckung über Rohmilch(-produkte), Hackfleisch, Rohwürste (z. B. Mettwurst) und verunreinigtes Trinkwasser möglich. Auch über den Kot infizierter Tiere ist eine Ansteckung möglich und Campylobacter wurde auch bei Wasserschildkröten schon gefunden. Die Symptome beim Menschen sind unter anderem Fieber, Schmerzen und Durchfall.

Rotlauf

Rotlauf ist eine Schweinekrankheit, die durch den Erreger Erysipelothrix rusiopathiae hervorgerufen wird. Der Erreger überlebt lange im Erdboden und ist daher bei Schweinen in Mastställen selten geworden. Bei Hinterhofhaltungen aber durchaus noch verbreitet. Man kann Schweine gegen Rotlauf impfen. Rotlauf kann aber auch andere Tiere (Geflügel, Pferde, Rinder, Nager etc.) befallen. Bei engem Kontakt (Landwirte, Schlachtpersonal, Tierärzte etc.) kann Rotlauf den Menschen befallen. Die Übertragung erfolgt meist über kleine Verletzungen, nur selten über die Nahrung. An der Eintrittspforte des Erregers, meistens an der Hand, entstehen scharf begrenzte Hautrötungen mit Juckreiz. In schwereren Fällen kann es zu einer Blutvergiftung kommen. Es gibt Berichte, dass sich Personal von Alligator- und Krokodilfarmen (USA, Asien) mit Rotlauf angesteckt hat. In Europa sind mir bisher keine durch Reptilien ausgelösten Fälle bekannt. Aber man sollte sicherlich ein Auge darauf haben.

Q-Fieber, Coxiella brunetti

Q-Fieber befällt Kühe. Das Q steht allerdings für Query, also Frage, weil bei der Entdeckung der Erkrankung der Erreger noch nicht bekannt war. Neben Rindern werden alle anderen Haustiere, Nagetiere, Vögel und natürlich auch der Mensch befallen. Die Übertragung geschieht über Zecken. Der Mensch kann sich aber auch über eingeatmeten Staub (getrockneter Kot) anstecken. Beim Verzehr von Rohmilch kann es auch zu einer Übertragung kommen. Beim Menschen äußert sich Q-Fieber mit Fieber (Name!), Kopfschmerzen und Husten. Beim Rind werden Fruchtbarkeitsstörungen ausgelöst. Weil der Erreger des Q-Fiebers schon in Zecken gefunden wurde, die auf importierten Reptilien in den USA gesessen hatten, ist es hier mit aufgeführt.

Viren

Herpes

Reptilien können allerlei Viren haben. Bei den Landschildkröten ist beispielsweise der Herpes-Virus eine wichtige Krankheit. Natürlich gibt es auch beim Menschen Herpesviren, aber das sind völlig andere als die Herpesviren der Schildkröten. An der Schildkröte kann man sich also nicht mit Herpes anstecken.

West Nile Virus

Das West Nile Virus wird in der Regel von Vögeln über Stechmücken an Pferde übertragen, kann aber auch andere Säugetiere und den Menschen befallen. Es wird diskutiert, ob Reptilien (neben den Vögeln) ebenfalls als Erregerreservoir in Frage kommen (ohne selbst daran zu erkranken). Bei wildlebenden südeuropäischen Europäischen Sumpfschildkröten wurde das West Nile Virus gefunden. Reptilien zeigen keine Symptome, beim Menschen sind grippeähnliche Symptome mit Fieber möglich. In schweren Fällen kommt es zu einer Hirnhautentzündung.

Parasiten

Eine regelmäßige Kotuntersuchung auf Parasiten ist für Wasserschildkröten zu empfehlen. Die Gefahr sich mit Parasiten an Wasserschildkröten anzustecken ist aber gering. Von Schlangen sind Zungenwürmer bekannt, die auch den Menschen infizieren können, hört man aber vor allem aus Afrika und Asien. Über Wildfänge kann man sich mit einem Bandwurm (Spirometra erinaceieuropaei) anstecken, er kommt am Mittelmeer und in Ostasien vor.

Sind das viele Zoonosen?

Hier sind jetzt schon ein paar Krankheiten aufgeführt, die vom Reptil potenziell auf den Menschen übertragen werden können. Aber zum Vergleich: beim Rind kennt man 45 Zoonosen die auf den Menschen übertragen werden können. Und auf milchviehhaltenden Betrieben werden Kinder auch groß.

Literatur

Kraus, H. & A. Weber (1986): Zoonosen, von Tier zu Mensch übertragbare Infektionskrankheiten, Leitfaden für die Praxis. – Deuscher Ärzteverlag, Köln, 374 S.

Öfner, S. (2020): Zoonosen durch Reptilien – wie riskant ist unser Hobby? – Wissen schützt Tiere, Vereinsmagazin der Auffangstation für Reptilien München, Sonderausgabe 2020, S. 22-24.