Parasiten bei Wasserschildkröten

Parasiten kommen bei Wasserschildkröten seltener vor, als bei anderen Reptilien. Insbesondere Landschildkröten haben deutlich häufiger Parasiten. Aber: wenn Wasserschildkröten Parasiten haben, dann oft so schwerwiegend, dass sie daran sterben.

Endoparasiten – Innere Parasiten

Eipaket des Bandwurms Kapsulotaenia sp. von einem Grünen Baumpython (Morelia viridis)

Welche Parasiten kommen bei Wasserschildkröten vor?

Anteil der Parasiten bei Wasserschildkröten im Sektionsgut (nach SINN 2004):

  • Einzeller (Protozoen): 6,1 %
    • Geißeltierchen (Flagellaten): 4 %
    • Amöben: 0,3 %
    • Kokzidien: 0,6 %
    • undifferenzierten Protozoen: 0,9 %
    • Wimperntierchen (Ciliaten): 10,3 %
  • Rundwürmer (Nemathoden): 4,6 %
    • Pfriemenschwänze (Oxyuren): 1,8 %
    • undifferenzierte Nematoden: 1,5 %
    • Spulwümer (Askariden): 0,6 %
    • Kratzwürmer (Acanthocephala): 0,3 %
    • Palisadenwürmer (Strongyliden): 0,3 %)
  • Plattwürmer (Plathelminthen): 0,6 %
    • Bandwürmer (Zestoden): 0,3 %
    • Saugwürmer (Trematoden): 0,3 %

Hexamiten (Hexamita spp. & Spironucleus spp.)

Hexamiten gehören zu den Flagellaten und kommen bei Wasserschildkröten häufig vor. Werden bei Schildkröten Hexamiten nachgewiesen, so handelt es sich meistens um die Art Hexamita parva. Sie bewohnen den Enddarm und können auch die Harnwege aufsteigen und so schwerwiegende Nierenerkrankungen hervorrufen. Zu den Symptomen zählen Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Veränderungen von Urin und Kot fallen bei Wasserschildkröten oft nicht auf.

Hexamiten können zu einer Panzererweichung führen!

Subchronische Hexamitose (HE-Färbung): Nierenentzündung ausgelöst durch Hexamita sp. bei einer Spinnenschildkröte (Pyxis arachnoides). Die Flagellaten-Trophozoiten können in den Nierentubuli gefunden werden (Pfeil).

Hexamiten verursachen insbesondere bei Jungtieren und bei Überhandnehmen nach vorangegangenen anderen Krankheiten schwere Schädigungen, nicht selten mit Todesfolge. Hexamiten können aber auch in Kot von gesunden Schildkröten ohne klinische Symptome vorkommen. Werden bei klinisch gesunden Schildkröten Hexamiten nachgewiesen, sollten diese trotzdem behandelt werden, damit sie später (bei eventueller Schwächung durch eine andere Krankheit) nicht ausbrechen.

Auch ein Flagellat: Monocercomonas sp. von einer Kornnatter (Pantherophis guttatus)

Neben dem Nachweis im Kot ist auch der Nachweis in frischem Urin möglich. Wenn es zu einer Hexamiten-Infektion in der Niere gekommen ist, kann es sogar sein, dass im Darm und Kot keine Parasiten mehr nachweisbar sind.

Amöben (Entamoeba invadens)

Amöben verursachen bei Schildkröten selten ein Krankheitsbild, können jedoch durch diese auf andere Reptilien übertragen werden. Aus diesem Grund ist eine strickte Trennung von Schildkröten und anderen Reptilien empfehlenswert. Gerätschaften dürfen nicht für andere Reptilien verwendet werden. Nachdem man Kontakt zu Schildkröten hatte ist eine Desinfektion empfehlenswert bevor man andere Reptilien versorgt.

Amöben-Zyste (Entamoeba sp.) von einer Bartagame (Pogona vitticeps)

Folgende Symptome zeigen Schildkröten falls sie erkranken: Erbrechen, Snabelsperren, Apatie, Veränderungen des Kotes. Neben dem Enddarm können auch die Leber und andere Organe von Entamoeba invadens befallen sein. Schildkröten können (Über-)Träger von Amöben sein, ohne selbst zu erkranken. Aber auch in Schildkrötenbeständen können schwere Verluste durch Amöben verursacht werden. Amöben können nur in frischem Kot nachgewiesen werden.

Vierkerniger Trophozoit von Entamoeba invadens aus dem Kot einer Großen Anakonda (Eunects murinus)

Bei rechtzeitiger Behandlung durch einen schildkrötenerfahrenen Tierarzt sind die Chancen gut.

Entamoeba coli ist bei Schildkröten nicht pathogen.

Amöben-Zyste (Entamoeba sp.) von einer Abgottschlange (Boa constrictor)

Kokzidien

Kokzidien spielen bei als Heimtier gehaltenen Wasserschildkröten eine untergeordnete Rolle. Wenn, dann meistens Eimeria spp. Bei Meeresschildkröten sind jedoch Infektionen mit Caryospora cheloniae eine oft tödlich verlaufende Krankheit. Bei Echsen spielen Kokzidien eine größere Rolle.

Sporulierte (links) und unsporulierte (rechts) Kokzidien-Oozyste (Isospora amphiboluri) von einer Zwerg-Bartagame (Pogona henrylawsoni)

Wimperntierchen (Ciliaten)

Ein Befall mit Ziliaten ist bei Wasserschildkröten oft nicht so dramatisch. Meistens sind es die fakultativ pathogenen Balantidien (Balantidium spp.). Sie können auch in die Darmschleimhaut eindringen und zu Durchfall führen. Im Extremfall sogar die Leber befallen. Meistens aber nur in Folge einer anderen Grunderkrankung.

Trophozoit von Balantidium sp. von einer Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni)

Nyctotherus spp. kommen eher bei Landschildkröten vor und gelten als nicht krankmachend (apathogen).

Nyctotherus-Zyste von einer Streifenköpfigen Bartagame (Pogona vitticeps)

Pfriemenschwänze (Oxyuren)

Bei Befall zeigen die Schildkröten keine spezifischen Symptome, die Schadwirkung ist gering, bei starkem Befall sind jedoch Probleme bei der Winterruhe zu erwarten. Oxyuren kommen sowohl bei Landschildkröten, als auch bei Wasserschildkröten vor. Die Behandlung mit Wurmkuren ist unproblematisch.

Oxyuren-Ei von einer Breitrandschildkröte (Testudo marginata)

Kratzwürmer (Acantocephala)

Kratzer benötigen einen Zwischenwirt, daher kommen sie in der Regel nur bei Wildfängen oder Farmnachzuchten vor. Sie führen zu blutigen Darmentzündungen und können so Appetitlosigkeit verursachen. Bei Wasserschildkröten kommen beispielsweise Kratzwürmer der Gattungen Neoechinorhynchus, Acanthocephalus, Leptorhynchoides und Polymorphus vor

Saugwürmer (Trematoden)

Saugwürmer benötigen einen Zwischenwirt, meistens eine Schneckenart. Bei Wasserschildkröten kommen sie daher vor allem bei Wildfängen vor oder bei Farmnachzuchten. Es gibt nicht nur Trematoden die den Magen-Darm-Trakt bewohnen, sondern auch welche die in Luftröhre und Lunge leben. Daher ist bei lungenkranken importierten Wasserschildkröten immer auch an eine Entwurmung zu denken. Eine Übertragung ist im Aquarium nicht möglich, da in der Regel der Zwischenwirt fehlt. Es gibt jedoch bei Wasserschildkröten auch einzelne Saugwurm-Gattungen, die keinen Zwischenwirt benötigen, also einen direkten Lebenszyklus haben.

Trematoden-Ei mit enthaltener Wimpernlarve (Miracidium) von einer Afrikanischen Warzenschlange (Limaformosa crossi)

Haarwürmer (Capillaria)

Weil sie dünn und lang sind, werden Capillaria auf deutsch Haarwürmer genannt. Haarwürmer sind nicht so häufig, bei Wasserschildkröten aber häufiger als bei Landschildkröten. Die Art Capillaria serpentina wurde in Schnappschildkröten (Chelydra serpentina), Zierschildkröten (Chrysemys picta) und Moschusschildkröten (Sternotherus odoratus) nachgewiesen.

Capillaria-Ei von einer Grünen Buschviper (Atheris squamigera)

Pallisadenwürmer (Strongyliden)

Strongyliden spielen vor allem bei Schlangen eine Rolle. Bei Schildkröten liegen nur vereinzelnd Berichte vor, sie können aber im Darm von Wasserschildkröten vorkommen.

Strongyloides sp. von einer Gefleckten Buschschlange (Philothamnus semivariegatus)

Wie komme ich an eine Kotprobe bei einer Wasserschildkröte?

Um Parasiten festzustellen ist eine Kotprobe das Mittel der Wahl. Bei Wasserschildkröten ist es nicht ganz so einfach an den Kot zu kommen, wie bei landlebenden Tierarten. Ich mache es so: Zunächst bekommt die entsprechende Schildkröte richtig viel Futter, mehr als sie schaffen kann. Wenn sie dann aufgehört hat zu fressen setze ich sie in eine große Schüssel mit sauberem, warmen (28°C) Wasser. Und dann braucht man etwas Geduld… Wenn der Kot abgesetzt wurde, dann muss er schnell aus dem Wasser, sonst zerfällt er. Ein feinmaschiges Fischnetz ist dazu geeignet. Um den Kot zu verschicken muss er in ein dicht schließendes Plastikgefäß verpackt werden (z.B. in ein Filmdöschen oder das gelbe Plastikgefäß aus einem Überraschungsei).

Wer kann die Proben untersuchen?

Die Verfütterung von Futtertieren, sei es lebend oder tot, erschwert die parasitologische Untersuchung. Werden Parasiten im Kot gefunden, so können es nämlich auch Parasiten der Futtertiere sein. Der Parasitologe spricht dann von Darmpassanten oder Pseudoparasiten. Auch Heimchen und andere Insekten können zum Beispiel Parasiten haben. Daher ist die Reptilienparasitologie hohe Kunst!

Unsporulierte Kokzidien-Oozyste, die von einer Chinesischen Grasnatter (Ptyas major) ausgeschieden wurde. Differenzierung von Pseudoparasiten (Nager-Kokzidien) ist eine Herausforderung.

Wenn man ohnehin einen Tierarztbesuch plant, dann kann man seine Kotprobe dort hin mitnehmen. Die meisten Tierärzte untersuchen jedoch selten den Kot von Reptilien auf Parasiten. Daher ist es empfehlenswert den Kot zur Untersuchung einzuschicken. Dafür hat fast jeder Tierarzt ein Partnerlabor, zum Beispiel Laboklin, Idexx oder Synlab. An diese Labore kann man seine Proben als Tierhalter aber nicht direkt einschicken.

Proben selbst einschicken

Man kann seine Proben jedoch selber zum Labor Exomed in Berlin schicken. Dieses Labor wurde von einer Koryphäe auf dem Gebiet der Reptilien gegründet: Frank Mutschmann. Zu diesem Labor schicke ich meine Kotproben von Reptilien ebenfalls zur parasitologischen Untersuchung. Auf dem Einsendungsformular sollest du “Parasitologische Untersuchung” ankreuzen, eventuell zusätzlich “Ämobennachweis”. Weitere Informationen und das Einsendungsformular zum Download gibt es auf der Homepage: www.exomed.de

Exomed GmbH – Veterinärlabor
Geschäftsführung: Tierarzt Malek Hallinger (Zusatzbezeichnung Reptilienkrankheiten) & Dr. Caren Mutschmannn
Labor: Schönhauser Strasse 62, 13127 Berlin (Germany)
Telefon: ++49 30 5106 7701
Fax: ++49 30 51067702
labor@exomed.de
www.exomed.de

Parasitenbehandlung

Zur adäquaten Behandlung muss unbedingt ein Tierarzt aufgesucht werden. Wird bei Exomed (siehe oben) ein Parasitenbefall festgestellt, so geben diese schon Empfehlungen zu einer möglichen Behandlung ab. Daher den Befund unbedingt mit zum Tierarzt nehmen.

Eine prophylaktische, regelmäßige Wurmkur ist bei Schildkröten nicht nötig.

In der Regel wird bei einem Befall mit Nematoden eine Behandlung mit Fenbendazol durchgeführt. Treten Flagellaten (z. B. Hexamiten), Ciliaten oder Amöben auf, so ist eine Behandlung zum Beispiel mit Metronidazol möglich. Kokzidien können mit Toltrazuril behandelt werden. Cestoden und Trematoden können mit Praziquantel behandelt werden.

Der bei vielen Tieren als Antiparasitikum eingesetzte Wirkstoff Ivermectin ist für Schildkröten giftig und darf daher nicht eingesetzt werden.

Schlüpfender Zungenwurm (Pentastomid) von einer Afrikanischen Warzenschlange (Limaformosa crossi). Diese Parasiten sind extrem selten, können bei Schildkröten-Wildfängen aber vorkommen. Sie bewohnen die Lunge oder die Maulhöhle.

Ektoparasiten – Äußere Parasiten

Blutegel
Ein seltender Befund sind Blutegel welche sich an der Wasserschildkröte festgesaugt haben, bei Freilandhaltung kann dies passieren. Wenn man die Schildkröte einige Minuten in kohlensäurehaltiges Wasser setzt, lassen die Egel sich leicht enfernen oder lassen von alleine los.

Andere Ektoparasiten, wie Zecken, Milben und Fliegenmaden, kommen selten bei Wasserschildkröten vor.

Diese Seiten sollen Ihnen nur als ersten Anhaltspunkt dienen wenn ihre Schildkröte krank sein sollte. Bitte versuchen Sie keinesfalls ihre Schildkröte selbst zu behandeln, dies kann sich nur zum Nachteil ihrer Schildkröte auswirken. Gehen Sie lieber einmal zu viel als zu wenig zu einem schildkrötenerfahrenen Tierarzt

Bildnachweis

Die Parasiten-Bilder wurden von Dr. Malek Hallinger und Dr. Frank Mutschmann zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!

Literatur

Frank, W. (1976): Parasitologie. – Ulmer-Verlag (Stuttgart), 510 S.*

Hallinger, M. J., A. Taubert, C. Hermosilla & F. Mutschmann (2018): Occurrence of health-compromising protozoan and helminth infections in tortoises kept as pet animals in Germany. – Parasites & vectors, 11(1), 352.

Hnízdo, J. & N. Pantchev (2011): Tierarztpraxis Schildkröten. – Chimaira-Verlag (Frankfurt am Main), 559 S.*

Sinn, A. D. (2004): Pathologie der Reptilien-eine retrospektive Studie. -Diss. med. vet., LMU (München), 160 S.

Zwart, P. & E. H. A. Truyens (1975): Hexamitiasis in tortoises. – Veterinary Parasitology, 1(2), S. 175-183.