Falsche Landkarten- und Mississippi-Höckerschildkröten, Graptemys p. pseudogeographica und Graptemys p. kohnii

Die Falsche Landkartenschildkröte und die Mississippi-Höckerschildkröten gehören zur gleichen Art, sind aber verschiedene Unterarten.

  • Gattung: Graptemys (Höckerschildkröten)
    • Art: Graptemys pseudogeographica (Falsche Landkarten-Höckerschildkröten)
      • Unterart: Graptemys pseudogeographica pseudogeographica (Falsche Landkarten-Höckerschildkröte)
      • Unterart: Graptemys pseudogeographica kohnii (Mississippi-Höckerschildkröte)

Die Unterart, nach der die Art ursprünglich beschrieben wurde heißt Nominatform. Bei der Nominatform wird der Art-Name doppelt verwendet. In diesem Fall ist es Graptemys pseudogeographica pseudogeographica, die Falsche Landkarten-Höckerschildkröten. Die zweite Unterart ist Graptemys pseudogeographica kohnii, die Mississippi-Höckerschildkröte.

Höckerschildkröten sind Sonnenanbeter

Unterscheidung der Höckerschildkröten

Im Zoohandel werden Höckerschildkröten leider nicht sauber nach Arten getrennt angeboten. Meistens ist es eine Mischung aus Graptemys p. pseudogeographicaGraptemys p. kohnii und Graptemys ouachitensis. Diese Höckerschildkröten kann man anhand ihrer Kopfzeichnung unterscheiden. Bei allen dreien besteht die Kopfzeichnung aus gelblichen bis elfenbeinfarbenen Linien vor dunkelgrauem Hintergrund.

Typische Zooladen-Mischung verschiedener Höckerschildkröten

Bei der Falschen Landkarten-Höckerschildkröte (Graptemys pseudogeographica pseudogeographica) befinden sich hinter den Augen auf dem Kopf zwei etwas dickere Streifen, die vom Nacken kommen und hinter dem Auge zur Seite abknicken. Unter den Augen und um den Mund herum befinden sich viele Punkte, die aber kaum dicker sind als die Streifen. Vom Hals bzw. Nacken kommen ein paar Streifen die bis zum Auge reichen. Die Iris des Auges hat eine hellbraune bis beige Farbe und wird von einer schwarzen Linie horizontal geschnitten. Der Schnabel ist hell- bis dunkelgelb. Die Linien an Beinen und Hals sind bei dieser Unterart etwas feiner als bei den anderen beiden.

Typische Kopfzeichnung der Falschen Landkarten-Höckerschildkröte (Graptemys p. pseudogeographica)

Bei der Mississippi-Höckerschildkröte (Graptemys pseudogeographica kohnii) kommen ebenfalls zwei prominente Linien vom Hals Richtung Auge und knicken dort ab, gehen dann aber viel weiter und umschließen das Auge halbmondförmig bzw. sichelförmig. Die kreisförmigen Zeichnungselemente am Kopf sind relativ klein, sie kommen fast nur am Kinn vor. Die Streifen vom Hals berühren das Auge nicht, weil dort ja schon die sichelförmige Zeichnung herum ist. Die Iris ist weiß und hat nur selten eine dunkle Linie. Der Schnabel ist farblos bis weißlich. Die Linien an den Beinen und am Hals sind gleichmäßig dick, mit helleren und dunklen Linien.

Typische Kopfzeichnung einer Mississippi-Höckerschildkröte (Graptemys p. kohnii)

Bei der Ouachita-Höckerschildkröte (Graptemys ouachitensis) befinden sich auf dem Kopf, hinter den Augen, zwei gelbe bis orange Flecken, die oval bis viereckig sind. Diese Flecken sind dunkel umrandet. Von diesen Flecken gehen keine Linien Richtung Hals ab. Unter den Augen, unter den Mundwinkeln und am Kinn unter der Schnabelspitze gibt es kreisförmige Zeichnungen, die deutlich größer sind als bei den ersten beiden Höckerschildkröten. Der Durchmesser ist deutlich größer als die Liniendicke der Halslinien. Vom Hals kommend erreichen ein bis drei Linien das Auge. Die Iris ist weiß und hat normalerweise eine dünne schwarze Linie, die die Iris horizontal schneidet. Der Schnabel ist farblos bis weißlich. Bei ausgewachsenen Ouachita-Höckerschildkröten sind die Linien häufig rötlich, statt gelblich, aber nicht immer. Bei den Linien an den Beinen und am Hals sind die hellen und dunklen Linien unterschiedlich dick. Mehr zur Haltung erfährst du auf einer eigenen Seite zu dieser Art: Ouachita-Höckerschildkröten.

Typische Kopfzeichnung der Ouachita-Höckerschildkröte (Graptemys ouachitensis)

Größe & Gewicht von Höckerschildkröten

Die Weibchen können bis zu 27 cm Panzerlänge erreichen. Männchen bleiben mit maximal 15 cm angenehm klein (GIBBONS & LOVICH 1990). Ausgewachsene Weibchen sind in der Regel zwischen 21 und 25 cm groß und wiegen 1,1 bis 1,8 kg. Ausgewachsene männliche Graptemys pseudogeographica sind mit 11-15 cm kleiner und wiegen auch nur 140-370 g.

Männchen (links) bleiben viel kleiner als Weibchen (rechts)

Mississippi-Höckerschildkröten (Graptemys pseudogeographica kohnii) sollen minimal kleiner bleiben als Falsche Landkarten-Höckerschildkröten (Graptemys pseudogeographica pseudogeographica)

Verbreitung

Die Art Graptemys pseudogeographica bewohnt den Misssissippi-Fluss mit seinen Zuflüssen. Die Nominatform Falsche Landkartenschildkröte (Graptemys p. pseudogeographica) den nördlichen Teil (von Ohio, Indiana, Illinois, Wisconsin, Minnesota, North Dakota, South Dakota südlich bis Tennessee, West-Mississippi, Louisiana und östliches Texas). Die Mississippi-Höckerschildkröte (Graptemys p. kohnii) den südlicheren Teil (im Mississippi-Delta von West-Tennessee, Zentral-Missouri, Südost-Nebraska bis Ost-Texas, Louisiana und West-Mississippi) (ERNST & LOVICH 2009).

Verbreitungsgebiet der beiden Unterarten von Graptemys pseudogeographica. Im Norden kommt die Falsche Landkartenschildkröte (Graptemys p. pseudogeographica) und im Süden die Mississippi-Höckerschildkröte (Graptemys p. kohnii) vor. [Karte: Cougar Hunta, Quelle]

Höckerschildkröten sind typischerweise Bewohner großer Flüsse, aber leben auch in Seen und Teichen. Sie bevorzugen Gewässer mit reichlich Unterwasser-Pflanzen, reichlich Sonnenplätzen und seichter Strömung.

Anhand des Bauchpanzers kann man die Höckerschildkröten nicht unterscheiden, hier ein Männchen

Aquarium-Größe

Höckerschildkröten stammen aus riesigen Flüssen und bewohnen dort langsam fließende Bereiche. Dementsprechend brauchen sie ein Aquarium mit viel Schwimmraum. Für ein bis drei ausgewachsene Weibchen sollte es 160 x 60 x 60 cm groß sein und einen Wasserstand von 40-50 cm aufweisen. Natürlich darf es auch größer sein. Männliche Höckerschildkröten bleiben deutlich kleiner, sie kann man schon sehr gut in einem Aquarium mit den Maßen 100 x 40 x 50 cm halten, also ein 200 Liter-Standard-Aquarium. Für Schlüpflinge kann das Aquarium zunächst kleiner sein. Kauft man im Zoohandel oder bei einem Züchter Jungtiere, würde ich aber mindestens mit einem 80 cm-Aquarium anfangen, damit man nicht ständig neue Aquarien kaufen muss.

Höckerschildkröten-Männchen brauchen nicht so große Aquarien wie Weibchen

Einrichtung

Die Einrichtung kann einfach gehalten werden, weil Höckerschildkröten vor allem Schwimmraum brauchen. Auf den Boden kann man eine dünne Schicht Sand oder anderen Bodengrund geben. Mit ein paar schönen Wurzeln oder Steinen kann man etwas Struktur schaffen. Auch eine Höhle wird von Höckerschildkröten gerne angenommen, dazu eignen sich beispielsweise halbierte Ton-Blumentöpfe oder ein Terrakotta-Topf für die Wandmontage*.

Als Bodengrund eignet sich Kies oder Sand

Bepflanzung

Eine Bepflanzung des Aquariums ist schwierig. Weibchen fressen Pflanzen auf. Männchen fressen weniger Wasserpflanzen, da kann man es versuchen. Aber auch Männchen wühlen im Bodengrund, deswegen lohnt sich das einpflanzen nicht. Mit Pflanzen die frei im Wasser treiben, wie Hornkraut und Wasserpest, kann man es aber versuchen. Grundsätzlich sind zur Bepflanzung alle als Futterpflanzen vorgestellten Wasserpflanzen geeignet.

Filterung

Sauberes Wasser ist für Höckerschildkröten immens wichtig. Daher sind gute Filter zu empfehlen. Ich verwende Außenfilter. Außerdem sollte regelmäßig ein Wasserwechsel durchgeführt werden.

Höckerschildkröten brauchen sauberes Wasser

Beleuchtung

Höckerschildkröten sind lichthungrig. Sie benötigen eine hochwertige Beleuchtung. Mit billigen Spots und einer Leuchtstoffröhre wird eine Höckerschildkröte nicht glücklich. Die einzig sinnvolle Beleuchtung für Höckerschildkröten ist eine Halogen-Metalldampf-Lampe mit UV-Anteil (auch als hqi abgekürzt). Diese Lampen sind nicht nur sehr hell, sie liefern auch das lebensnotwendige UV-B-Licht, welches zur Vitamin D-Bildung nötig ist. Außerdem werden sie sehr warm, so dass bei passendem Abstand die nötigen 40-45 °C auf dem Landteil erreicht werden.

In der Beleuchtungs-Rubrik erfährst du noch viel mehr zum Thema Licht!

Für Jungtiere und männliche Höckerschildkröten genügt eine hqi mit 35 Watt, beispielsweise das SolarRaptor HID-Lamp Set inkl. EVG + ClampLamp* oder das Exo Terra Sun Ray Beleuchtungskomplettset*. Für Weibchen sollte es eine 70 Watt-Lampe sein, ich empfehle folgendes Komplett-Set: Lucky Reptile Bright Sun Set Turtle*.

Landteil

Höckerschildkröten haben empfindliche Panzer. Deswegen sollte das Landteil nicht aus Steinen gestaltet werden. Viel besser ist Holz in irgend einer Form geeignet. Für Jungtiere und Männchen genügt schon ein Landteil aus einer Weidenholzbrücke oder aus Kork.

Männliche Höckerschildkröte beim Sonnenbad

Geschlechtsreife Weibchen benötigen die Möglichkeit Eier abzulegen. Auch Weibchen die noch nie Kontakt zu einem Männchen hatten können Eier anbilden und müssen dann die Möglichkeit haben sie an Land abzulegen. Es droht sonst eine Legenot. Wasserschildkröten legen ihre Eier nicht ins Wasser, sondern verbuddeln sie an Land. Der Eiablageplatz für Höckerschildkröten sollte mindestens eine Grundfläche von 50 x 30 cm haben und eine Substrathöhe von 30 cm. Als Substrat verwende ich feuchten Sand. Es eignen sich beispielsweise AS-Sonneninseln.

Ernährung in der Natur

Nahrungsbestandteile von weiblichen Falsche Landkartenschildkröten in der Natur (nach LINDEMAN 2013):

Weichtiere22 %
Fisch6 %
Köcherfliegen-Larven2 %
Eintagsfliegen11 %
Libellen0,4 %
Pflanzen55 %
sonstiges4 %

Nach VOGT (1981) besteht die Nahrung ausgewachsener Weibchen von Graptemys pseudogeographica zu 42 % aus Pflanzen (Wasserschrauben Vallisneria, Laichkräuter Potamogeton, Wasserlinsen Lemna und Algen), gefolgt von Weichtieren und Eintagsfliegen. Wohingegen Männchen sich vornehmlich von Insekten ernähren und keine Pflanzen fressen.

In ERNST & LOVICH (2009) gibt es eine Zusammenfassung, welche Futtermittel Graptemys pseudogeographica in der Natur nutzen. Die List ist sehr lang: Schwämme (Spongilidae), Moostierchen (Plumatella repens), Schnecken (Campeloma decisum), Muscheln (Carunculina parva, Corbicula flaminea, C. maniliensis, Lampsilis hydiana, Obovaria castenea, Quadrula pustulosa, Sphaerium transversum), Regenwürmer (Lumbricidae), Flusskrebse (Cambaridae), Süßwassermilben (Hydracarina), Spinnen (Araneae), Insekten (inklusive Hautflügler und Ameisen [Hymenoptera, Formicidae], Käfer [Coleoptera], Köcherfliegen [Hydropsyche sp.], Libellen (Odonata), Zuckmücken [Chironomidae], Schmetterlinge [Lepidoptera], Eintagsfliegen [Ephemeroptera], Steinfliegen [Plecoptera]), Fisch (als Aas), Echsen (Emeces sp.), Jungvögel (als Aas). Außerdem Grünalgen (Chlorophyta) und folgende Pflanzen: Haarnixen (Cabomba sp.), Hornkraut (Ceratophyllum sp.), Zyperngräser (Cyperus sp.), Schwadengräser (Glyceria sp.), Wasserlinsen (Lemna sp.), Laichkraut (Potamogeton sp.), Pfeilkraut (Sagitaria sp.), Wasserschrauben (Vallisneria sp.) und Weinreben (Vitis rotundifolia).

Männliche Mississippi-Höckerschildkröten nehmen fast keine Pflanzen zu sich, Weibchen hingegen schon

Fütterung

Wenn man die Ernährung in der Natur kennt, ist die Fütterung eigentlich ganz einfach. Das alles können Höckerschildkröten auch im Aquarium fressen. Als Grundfutter verwende ich Bachflohkrebse und andere getrocknete Futtertiere, wie Wasserflöhe und Mückenlarven. Des weiteren freuen sich Höckerschildkröten über Frostfutter, wie Rote Mückenlarven und Muscheln. Muscheln gehören zu den Weichtieren und werden auch in der Natur viel gefressen. Auch Lebendfutter, beispielsweise Regenwürmer und Asseln, sollte regelmäßig auf dem Speiseplan stehen.

Höckerschildkröten fressen im Wasser, das Futter wird einfach ins Wasser geworfen!

Der Anteil pflanzlicher Nahrung sollte bei weiblichen Höckerschildkröten mindestens bei 40 % liegen. Dazu sind insbesondere Algen und Wasserpflanzen (z. B. Wasserpest und Entengrütze) gut geeignet. Hat man nicht genügend Wasserpflanzen, so sind Löwenzahn und andere Wildkräuter eine gute Alternative. Ansonsten ist es auch möglich Salat zu füttern. Bei Männchen und Jungtieren sollten auch regelmäßig Pflanzen angeboten werden. Jungtiere fressen durchaus auch Pflanzen! Männliche Höckerschildkröten oft kaum.

Höckerschildkröten neigen extrem zu Vitamin A-Mangel. Um diesem vorzubeugen sollten sie einmal pro Woche mit geriebener Möhre gefüttert werden.

Während Jungtiere im ersten Lebensjahr ruhig einmal täglich gefüttert werden können, sollten ältere Höckerschildkröten nur drei bis vier mal pro Woche tierisches Futter oder Pellets erhalten. Ansonsten wachsen die Wasserschildkröten zu schnell. Die Futtermenge sollte so bemessen sein, dass nach 10 Minuten alles weg ist. Pflanzen sollten immer zur Verfügung stehen, davon kann eine Schildkröte so viel fressen wie sie möchte.

Zur Kalzium-Versorgung muss immer ein Stück Sepia im Wasser schwimmen.

Höckerschildkröten-Schlüpflinge können auch schon überwintern, in der Natur täten sie es ja auch

Temperatur und Überwinterung

Die beiden Unterarten von Graptemys pseudogeographica haben ein großes Verbreitungsgebiet. Die Falsche Landkarten-Höckerschildkröte (Graptemys p. pseudogeographica) kommt weiter im Norden vor, daher sollte sie für fünf Monate bei 4-8 °C überwintert werden. Die Mississippi-Höckerschildkröte (Graptemys p. kohnii) bewohnt den südlichen Teil des Verbreitungsgebietes. Daher wird sie nur für drei Monate bei 10-15 °C überwintert.

Falsche Landkarten-Höckerschildkröten

MonatLicht-
Länge
Wasser-
Temp.
Januar0 h4-8 °C
Februar0h4-8 °C
März0 h4-8 °C
April6 h15-20 °C
Mai10 h20 °C
Juni13 h23 °C
Juli14 h26 °C
Aug.12 h25 °C
September8 h20 °C
Oktober4/0 h17-20 / 10-15 °C
November0 h4-8 °C
Dezember0 h4-8 °C
Falsche Landkarten-Höckerschildkröte (Graptemys pseudogeographica pseudogeographica)

Wie man die Höckerschildkröten richtig einwintert und weitere Informationen findest du auf der Seite mit den Temperatur-Tabellen und den anderen Seiten der Überwinterungs-Rubrik.

Mississippi-Höckerschildkröten

MonatLicht-
Länge
Wasser-
Temp.
Januar0 h10-15 °C
Februar0h10-15 °C
März6 h17-20 °C
April8 h21 °C
Mai10 h24 °C
Juni13 h27 °C
Juli13 h28 °C
Aug.11 h28 °C
September10 h25 °C
Oktober8 h22 °C
November5/3/1/0 h17-20 °C
Dezember0 h10-15 °C
Männliche Mississippi-Höckerschildkröte (Graptemys pseudogeographica kohnii)

Gruppenhaltung

Höckerschildkröten sind wie alle Wasserschildkröten eigentlich Einzelgänger. Daher ist die Haltung einer einzelnen Höckerschildkröte artgerecht und zu empfehlen. Möchtest du trotzdem mehrere Höckerschildkröten gemeinsam pflegen, dann sollten sie alle weiblich sein. Weibchen vertragen sich besser. Richtig gut funktionieren Gruppen ab drei Tieren.

Bei der Gruppenhaltung muss immer die Möglichkeit bestehen eine Schildkröte aus der Gruppe zu nehmen, falls es zu Stress oder Beißereien kommt

Höckerschildkröten-Männchen müssen getrennt von den Weibchen gehalten werden. Ihre ständigen Paarungsversuche gehen den Weibchen sonst zu sehr auf die Nerven. Untereinander sind Höckerschildkröten-Männchen oft erstaunlich verträglich, oft gelingt es mehrere Männchen gemeinsam zu halten.

Höckerschildkröten-Männchen sollte man alleine halten

Teichhaltung von Höckerschildkröten

Höckerschildkröten eignen sich generell nicht gut zur Haltung im Gartenteich. Es ist ihnen einfach zu kalt und die Sonnenscheindauer ist zu kurz. Dies führt zunächst zu Panzernekrosen und später auch zu Leber- und Nierenproblemen. Wenn man Höckerschildkröten im Teich halten möchte, dann sind da insbesondere die beiden nördlichsten Formen einigermaßen möglich. Das sind die Falsche Landkarten-Höckerschildkröte (Graptemys p. pseudogeographica) und die Echte Landkarten-Höckerschildkröte (Graptemys geographica).

Geschlechtsbestimmung

Bei Höckerschildkröten sind die Krallen an den Vorderbeinen kein sicheres Merkmal zur Unterscheidung der Geschlechter. Damit du Männchen und Weibchen unterscheiden kannst, müssen Höckerschildkröten mindestens 10 cm Panzerlänge haben. Vorher sehen alle aus wie Weibchen.

Bei den Männchen der Höckerschildkröten ist der Schwanz deutlich länger und auch etwas dicker. Man sagt, die Tiere haben ein „fünftes Bein“. Die Kloake befindet sich bei ausgestrecktem Schwanz weit außerhalb des Panzers. Bei weiblichen Höckerschildkröten ist der Schwanz relativ kurz. Die Kloake befindet sich bei ausgestrecktem Schwanz etwa in Höhe des Panzerrandes.

Zucht

Männchen erreichen mit 7-9 cm Panzerlänge die Geschlechtsreife. Weibchen werden deutlich später geschlechtsreif, nämlich erst mit 18 cm Panzerlänge. Die Paarung kann im Herbst oder Frühjahr stattfinden. Pro Saison legen die Weibchen dann, nach nur einer Paarung, ein bis vier Gelege ab. Jedes Gelege besteht aus 2 bis 22 Eiern. Die Anzahl Eier pro Gelege von Graptemys p. pseudogeographica ist gewöhnlich größer als bei Graptemys p. kohnii.

Ausgewachsenes Männchen und Weibchen der Falschen Landkarten-Höckerschildkröte

Je höher die Inkubationstemperatur ist, desto mehr Schlüpflinge haben Panzeranomalien.

Die Bruttemperatur kann zwischen 25 und 32 °C liegen. Möchte man mehr männliche Jungtiere, so empfiehlt sich eine Bruttemperatur von 25 °C. Bei 30 °C schlüpfen hingegen mehr Weibchen. Je wärmer inkubiert wird, desto schneller schlüpfen die Baby-Schildkröten. Gewöhnlich dauert es zwischen 50 und 80 Tagen.

Der Lohn für all die Mühe: gesunde Schlüpflinge von Falschen Landkarten-Höckerschildkröten (Graptemys p. pseudogeographica)

Panzerprobleme

Höckerschildkröten haben oft ein Problem mit der Häutung des Panzers. Die Hornplatten lösen sich dann nicht ganz, sondern gar nicht oder nur in Stücken. Dies kann zur Weißfleckenkrankheit und zu Panzernekrosen fürhen. Neben der Beleuchtung ist Vitamin A-Mangel eine weitere Ursache für das Problem.

Höckerschildkröten sollten einmal pro Woche mit geriebener Möhre gefüttert werden. Diese enthält viel Beta-Carotin, welches die Höckerschildkröte in Vitamin A umwandeln kann. Vitamin A ist nicht nur zur Häutung wichtig, es wird auch für gesunde Augen gebraucht, sorgt für ein gutes Lungen-Epithel (deswegen begünstigt Vitamin A-Mangel auch Lungenentzündungen), wird für die Eianbildung benötigt und kann bei Mangel auch zu Ohrabszessen führen.

Typische Panzerprobleme von Höckerschildkröten: stockende Häutung, Algen und kleine Nekrosen

Bei der Beleuchtung ist nicht nur viel sichtbares Licht, sondern auch Wärme und UV-Licht nötig. Auf dem Sonnenplatz müssen Höckerschildkröten vollständig abtrocknen können. Außerdem muss die Lampe so angebracht werden, dass darunter 40-45 °C erreicht werden. Ich empfehle für Höckerschildkröten das Bright Sun UV Turtle Set*.

Schutzstatus

Alle Höckerschildkröten sind im CITES-Anhang III und im Anhang C der EU-Artenschutzverordnung geführt. Sie benötigen beim Handel innerhalb der EU jedoch keinerlei Papiere und ist auch nicht meldepflichtig.

Ansicht des Bauchpanzers und des Rückenpanzers eines Schlüpflinges einer Höckerschildkröte

Buchtipps

In der Wasserschildkröten-Fibel aus dem Dähne-Verlag findest du alles wissenswerte zur Wasserschildkröten-Haltung. Von den Höckerschildkröten wird auf die Mississippi-Höckerschildkröte und die Schwarzknopf-Höckerschildkröte (Graptemys nigrinoda) eingegangen.

Wasserschildkröten-Fibel bei Amazon: https://amzn.to/2RzjRZk*

Im Kosmos-Buch Schmuckschildkröten: halten & pflegen, beobachten & verstehen geht es auch um Höckerschildkröten, auch wenn es der Titel anders vermuten lässt. Aber Höckerschildkröten gehören zur Unterfamilie der Schmuckschildkröten. Es ist ein gutes Einsteiger-Buch.

Schmuckschildkröten-Buch bei Amazon: https://amzn.to/2rTJWrL*

In der Art für Art-Reihe des Natur und Tier-Verlags ist auch ein Höckerschildkröten-Buch erschienen. Es geht um Falsche Landkartenschildkröten und Mississippi-Höckerschildkröten.

Höckerschildkröten-Buch bei Amazon: https://amzn.to/35cuzrK*

Im englischssprachigen Buch The Map Turtle and Sawback Atlas geht es auf fast 500 Seiten nur um Höckerschildkröten. Beballtes Wissen, das man sonst nirgendwo so findet.

The Map Turtle and Sawback Atlas bei Amazon: https://amzn.to/2POoVrF*

Links

Auf den beiden Homepages www.graptemys.de und www.sawbacks.at geht es ausschließlich um Höckerschildkröten

Literatur

Ernst, C. H. & J. E. Lovich (2009): Turtles of the United States and Canada – Second Edition. – The John Hopkins University Press (Baltimore): 827 S. *

Gibbons, J. W. & J. E. Lovich (1990): Sexual dimorphism in turtles with emphasis on the slider turtle (Trachemys scripta). – Herpetol. Monogr. (4): S. 1-29.

Lindeman, P. V. (2013): The Map Turtle and Sawback Atlas – Ecology, Evolution, Distribution, and Conservation. – University of Oklahoma Press (Norman), 460 S.*

Vogt, R. C. (1981): Food partitioning in three sympatric species of map turtles, genus Graptemys (Testudinata, Emydidae). – American Midland Naturalist (105): S. 102-111.