Beleuchtung für Wasserschildkröten von Sarina Wunderlich
Auf dem Sonnenplatz einer sonnenhungrigen Wasserschildkröte (z.B. Schmuck-, Zier-, Höckerschildkröten) muss man mit Lampen drei Dinge erreichen
Licht
Schildkröten brauchen sehr viel Helligkeit. In der Natur leben sie vor allem da, wo viel Sonne ist. Schildkröten suchen aktiv helle Stellen auf, da ihr Instinkt ihnen sagt, dass es dort warm ist, und dass sie dort ausreichend UV-Strahlung erhalten.
Wenn es im Herbst dunkler wird, wird die Schildkröte inaktiver. Ihre Aktivität ist stark durch die Helligkeit gesteuert.
Die Lichtintensität wirkt auch über die Zirbeldrüse auf das Immunsystem und das Hormonsystem. Genau wie wir im Winter eine Winterdepression bekommen können, und im Frühjahr wenn endlich wieder die Sonne richtig scheint, regelrecht aufblühen so brauchen auch Schildkröten helles Licht.
UVB-Strahlung
Zur VitaminD3-Synthese, d.h. um das Kalzium über die Nahrung aufnehmen zu können, und in die Knochen einbauen zu können brauchen Wasserschildkröten UVB-Strahlung, UVA ist hierfür wertlos! Weitere Infos zum Vitamin D gibt es auf auf der Ernährungs-Seite
Wärme
Schildkröten sind wechselwarme Tiere. Um ihre Stoffwechseltemperatur von vermutlich um die 33 °C zu erreichen sind sie auf äußere Wärmequellen angewiesen.
Am besten sind dafür folgende Lampen geeignet:
Halogenmetalldampfstrahler, auch als "HQI" abgekürzt sind die billigsten und besten Lichtquellen die wir momentan haben.
Aus nur ca. 80 W Stromverbrauch schafft ein 70 W HQI-Strahler ganze 6.500 Lumen Helligkeit. Eine Glühbirne mit 80 W erreicht nur etwa 1.000 Lumen. Gleichzeitig muss eine Glühbirne nach etwa 1.000 Stunden ausgetauscht werden, während ein hqi-Leuchtmittel bis zu 16.000 Stunden hält! Da hat man die etwas höheren Kosten (HQI-Strahler bei ebay etwa 30 bis 50 €, neues Leuchtmittel ca. 20 bis 40 € - Kaufhinweise) schnell wieder hereingespart. Diese Lampen sind super um den Sonnenplatz schön hell wie in der Natur zu beleuchten! Bei Wasserschildkröten empfehlen sich runde Reflektoren, so kann man die auf dem Sonnenplatz benötigten Temperaturen meist erreichen. Es empfiehlt sich eine HQI mit einer digitalen Zeitschaltuhr zu steuern.
Wie lange dieser Strahler brennen sollte hängt von der Jahreszeit ab, Richtwerte findet ihr hier.
Da ein HQI-Strahler einen großen Teil seiner Energie als sichtbare Strahlung abgibt, und nur wenig Infrarotstrahlung (die etwas besser wärmt als sichtbare Strahlung), erreicht er bei ungünstigem Reflektor die erforderlichen 40 °C, die am Sonnenplatz durch Strahlung von oben erreicht werden sollen nicht immer. Als zusätzlichen Wärmestrahler kann man dann billige Glühbirnen aus dem Supermarkt verwenden, und damit in den Kegel der HQI Strahlen. Die Lampe hängt man so nah an den Boden dass darunter 40°C erreicht werden. Für Schlüpflinge reichen 40 W, für größere Tiere 60 W. PAR oder Halogenbaustrahler für ausgewachsene Tiere. Die Glühbirnen am besten als Spotstrahler = Reflektorglühbirne mit einem Winkel von 30°.
Der Wärmestrahler sollte etwa genauso lange brennen wie der HQI-Strahler.
Als UV-Lampe ist die Osram Ultravitalux unschlagbar! Diese Lampe wird täglich für 20 Minuten aus etwa 80cm Entfernung zur Schildkröte eingesetzt. Weil die Lampe 300 W hat braucht man für sie eine Keramikfassung. So etwas gibt es im Baumarkt oder für etwa 12 € im Zoogeschäft. Die Lampe selbst gibt es bei ebay für 30 bis 40 € oder bei www.zooplus.de für 49,90 € inklusive Versand.
Es gibt auch UV-Lampen mit 160 W, aber die sind unterm Strich teurer und schlechter!
Wenn das Aquarium sehr dunkel steht, kann man zusätzlich eine oder mehrere Leuchtstoffröhren zur Grundbeleuchtung anbringen, da der HQI-Strahler ja nur den Sonnenplatz beleuchtet, und der Rest relativ dunkel bleibt. Leuchtstoffröhren sind im Baumarkt billiger als im Zoogeschäft ;-) Es sollte der Farbcode "850" oder "860" drauf stehen.
Wenn eine Leuchtstoffröhre zusätzlich zum hqi-Strahler verwendet wird, kann man diese früher anschalten und später wieder ausschalten (sie brennt also länger als die beiden anderen Lampen) um so einen natürlicheren Lichtverlauf zu erreichen.
digitale Zeitschaltuhr für den Halogenmetalldampfstrahler
eventuell Spotstrahler, z.B. Osram Concentra, 60W, 30° mit Fassung, Kabel, Stecker …
Osram Ultravitalux 300W
Keramikfassung für den UV-Strahler
Zeitschaltuhr für den UV-Strahler
eventuell Leuchtstoffröhre mit „allem drum und dran“ (Fassungen, Kabel, Stecker …)
DREI LAMPEN??? Geht das nicht einfacher?
Ich verstehe nicht was an drei Lampen so schlimm ist. Wir wollen ja auch drei verschiedene Dinge erreichen. In meiner Dusche stehen auch ein Duschgel, ein Haarshampoo und eine Haarspülung ;-) Ja es geht auch mit einer Lampe, z.B. mit der Powersun UV. Aber diese Lampe kostet unterm Strich mehr als die drei Lampen oben zusammen, und liefert Licht mit sehr viel schlechterer Qualität, liefert nur 1/3 der UV-Stärke und Helligkeit. Ist es das wirklich wert???
Die Kombination aus Ultravitalux, HQI und Glühbirne empfehle ich weil es eine billige und sehr gute Lösung ist!
Die Kosten belaufen sich inklusive Strom, inklusive Kaufpreis, inklusive Lebenszeit der Lampen nach der man wieder eine Neue zum vollen Kaufpreis kaufen muss auf 9 € bis 10 € im Monat. Für die PowersunUV wären es 12€ im Monat.
folgende Lampen sind NICHT geeignet
Glühbirnen reichen als Beleuchtung nicht aus. Im Zoogeschäft werden ganz normale oder etwas speziellere Glühbirnen oft mit den Werbebezeichnungen
Tageslichtlampe mit Vierfarbspektrum
mit UVA- und UVB-Anteilen
Basking-Lampe
angeboten. Diese Lampen sind für Wasserschildkröten NUR zum Erwärmen des Sonnenplatzes geeignet - aber dafür sind Supermarkt-Glühbirnen genauso gut und billiger (1,50 € statt 7 €)
Leuchtstoffröhren sind als UV-Lampen ungeeignet! Auch wenn 10.0 draufsteht. Und auch wenn das der Verkäufer das aber gesagt hat.
100 W und 160 W UV-Strahler, wie z.B. die PowersunUV oder die Active UV Heat oder ..... sind zwar nicht generell ungeeignet aber schlechter und auf dauer teurer als die Lampen zusammen die ich oben empfohlen habe!
Quecksilberdampfhochdruck-Lampen (HQL) haben bei Schildkröten nichts zu suchen, weil die Lichtqualität sehr schlecht ist. Das Licht ist nur aus den wenig verbreiterten Linien des Quecksilberspektrums zusammengesetzt und hat auch mit Leuchtstoffschicht einen sehr schlechten Farbwiedergabewert (ca 50). Zur Arbeitsplatzbeleuchtung sind diese Lampen nicht zugelassen, warum wollen wir sie dann unseren Reptilien zumuten? Zudem ist das flimmern der Lampe bereits mit blosem Auge wahrnehmbar. Wenn der Verdacht stimmt, dass Reptilien eine sehr viel höhere Schwelle haben, muss das Flimmern für sie extrem störend sein.