Wasserschildkröten

 

 

Buchtipps

Wapelhorst: Wasserschildkröten-Fibel

Wapelhorst: Schmuckschildkröten, 6,95 Euro

Hieroglyphen-Schmuckschildkröte, Pseudemys concinna concinna

Abgesehen von ihrer enormen Größe sind Hieroglyphen-Schmuckschildkröten eigentlich ganz tolle Haustiere. Sie sind überhaupt nicht scheu und gewöhnen sich schnell an die Nähe des Menschen. Eingewöhnte Schildkröten lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen, selbst wenn man hektisch am Aquarium vorbeiläuft springen sie nicht vom Sonnenplatz.

Namenswirrwarr

Von der Hieroglyphen-Schmuckschildkröte wurden vor einiger Zeit noch viele Unterarten unterschieden, im Handel ist sie daher häufig unter dem alten Namen Pseudemys concinna hieroglyphica erhältlich. Auch die Unterarten mobilensis, hoyi und metteri gibt es nicht mehr, sie gehören nun alle zur sogenannten Nominatform Pseudemys concinna concinna. Hinzu kommt noch, dass es auch mehrere deutsche Namen für diese Wasserschildkröte gibt, gelegentlich verwendet werden Fluss-Schmuckschildkröte und Gewöhnliche Schmuckschildkröte.

Erwerb

Als US-Farmnachzuchten werden Hieroglyphen-Schmuckschildkröten regelmäßig im Zoohandel angeboten. Da die Tierheime und Auffangstationen jedoch voll mit ihnen sind, empfiehlt es sich im Sinne des Tierschutzes ein Tier dort zu übernehmen. Auch in Kleinanzeigen werden sie regelmäßig angeboten, wenn Zubehör dabei ist, kann man davon ausgehen, dass das Aquarium zu klein und die Beleuchtung unzureichend ist.

Kasper

Größe & Aquariengröße

Diese Wasserschildkröten werden groß, sehr groß. Vor der Anschaffung sollte man sich gut überlegen ob man später einmal Platz für ein riesiges Aquarium hat, denn Panzerlängen von 30cm sind auch im Aquarium keine Seltenheit. Oft werden die Tiere sogar noch größer, bis zu 40cm Panzerlänge sind möglich! Das ist etwa so groß wie ein Toilettendeckel!

Für solch große Schildkröten benötigt man ein Aquarium mit mindestens 2m Länge und 1m Breite. Das entspricht bei einem Wasserstand von 80cm etwa 1600 Liter! Zum Vergleich: in eine Badewanne passen 150-200 Liter Wasser. Macht man mit einem 10l-Eimer dann einen Teilwasserwechsel von 50%, muss man 80 Eimer schleppen! Fazit: Zur Haltung in einem normalen Aquarium sind Hieroglyphen-Schmuckschildkröten eigentlich nicht geeignet. Zur Teichhaltung sind sie aber auch nicht gut geeignet, dazu später mehr.

Verbreitung

Die Hieroglyphen-Schmuckschildkröte ist im Südosten der Vereinigten Staaten von Amerika verbreitet, in Teilen überschneidet sich das Verbreitungsgebiet mit Rotwangen- und Gelbwangen-Schmuckschildkröten. Pseudemys concinna concinna kommt jedoch nicht ganz so weit nördlich vor wie Rotwangen-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta elegans). Das genaue Verbreitungsgebiet kann bei Fritz & Havas nachgelesen werden, siehe Literatur am Ende.

Aquarium

Für kleinere Hieroglyphen-Schmuckschildkröten kann man noch ausreichend große Aquarien auftreiben. Bei großen Schmuckschildkröten kann man alternativ auch eine Koi-Wanne verwenden, diese gibt es wesentlich größer. Der Wasserstand für diese schwimmfreudigen Wasserschildkröten muss so hoch wie möglich gewählt werden.

Der Sonnenplatz muss so gestaltet werden dass die Schildkröten darauf komplett abtrocknen können. Vor allem muss er auch sehr stabil sein, ausgewachsene Hieroglyphen-Schmuckschildkröten bringen mehrere Kilogramm auf die Waage. Für Jungtiere können die käuflichen Schildkröteninseln und Korkröhren noch ausreichen, später muss es deutlich stabiler sein. Gut geeignet sind zum Beispiel Birgits Aquarienaufsätze. Viele weitere Ideen gibt es in der Landteile-Rubrik.

Hieroglyphen-Schmuckschildkröte

Beleuchtung

Wie bei allen Schmuckschildkröten ist eine gute, lichtstarke Beleuchtung notwendig. Am besten wird dies mit Halogenmetalldampflampen (hqi) realisiert. Verwendet man eine hqi mit UV-Anteil (wie die Solar Raptor oder die Bright Sun) reicht eine einzige Lampe aus. Der Abstand wird so gewählt dass auf dem Sonnenplatz mindestens 40°C erreicht werden. Da Hieroglyphen-Schmuckschildkröten sehr groß werden, ist eine 150W-Lampe zu empfehlen. Bei sehr großen Tieren eventuell drei 70W-Lampen.

Als Alternative, jedoch die schlechtere, kann man eine Kombination aus Leuchtstoffröhren, Wärme-Spotlampe und Ultra-Vitalux verwenden. Nur eine Leuchtstoffröhre ist keinesfalls ausreichend.

Ernährung

Bereits Jungtiere fressen gerne pflanzliche Nahrung, mit dem Wachstum steigert sich die Menge kontinuierlich bis auf über 90%. Größere Hieroglyphen-Schmuckschildkröten fressen teilweise sogar so gut wie keine tierischen Futtermittel mehr. Als Futterpflanzen sind besonders alle Wasserpflanzen geeignet. Bei der riesigen Menge die benötigt wird, ist das jedoch sehr teuer. Eine gute Alternative stellen Wildkräuter wie Löwenzahn und Vogelmiere da. Auch Salate, insbesonders Romanasalat, sind geeignet. Ein ganzer Salatkopf ist von einer großen Hieroglyphen-Schmuckschildkröte innerhalb nicht einmal einer Woche ruck-zuck aufgefressen. An tierischer Nahrung sind vor allem Bachflohkrebse und Wasserinsekten geeignet. Viele weitere Futtermittel die ebenfalls gerne gefressen werden gibt es auf den Ernährungs-Seiten. Zur Kalkversorgung muss sich immer etwas Sepia oder Eierschalen im Aquarium befinden.

Temperatur und Überwinterung

Durch das relativ große Verbreitungsgebiet gibt es unterschiedliche Ansichten zur richtigen Überwinterung von Hieroglyphen-Schmuckschildkröten. Da ich nicht weiß woher meine Exemplare ursprüchlich kommen, bzw. deren Eltern oder Ur-Eltern, überwintere ich sie so als würden sie aus dem Süden ihres Verbreitungsgebietes kommen. Dies bedeutet dass sie drei bis vier Monate im Keller bei 10-12°C ihre Winterruhe halten. Bei Teichhaltung etwas kürzer, als Ausgleich für die ohnehin kalten Temperaturen im Garten.

Teichhaltung

Zur Haltung im Gartenteich von Wasserschildkröten allgemein gibt es auf der Extra-Seite Teichhaltung einige Informationen. Wichtig für Hieroglyphen-Schmuckschildkröten ist, dass der Teich zumindest zur Hälfte von einem Gewächshaus überdacht wird, sonst ist es einfach zu kalt. Die Teichhaltung ist etwa von Mitte-Ende Mai bis Ende Oktober möglich. Ende Oktober, spätestens Anfang November, werden die Schildkröten aus dem Teich herausgeholt und in ihr Überwinterungsquartier (kühler Keller) gebracht. Hier lasse ich sie jedoch nur zwei Monate, da der Oktober im Teich meist schon so kalt ist, dass die Wasserschildkröten sich zur Winterruhe begeben. Im Januar werden sie also bereits langsam ausgewintert. Im Gartenteich ist es dann natürlich noch viel zu kalt. Also benötigt man auch bei der Teichhaltung eine Unterbingungsmöglichkeit im Haus (siehe oben). Wenn es im Mai eine Schönwetterperiode gibt ziehen die Schildkröten wieder in den Gartenteich um, meist ist es aber dann schon Juni. Mit meinen Gelbwangen-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta scripta), die in der Natur ein ganz ähnliche Verbreitungsgebiet wie Pseudemys concinna concinna haben, verfahre ich übrigens genauso.

Ist der Gartenteich nicht in einem Gewächshaus, so können Hieroglyphen-Schmuckschildkröten nur im wirklichen Hochsommer draußen gehalten werden.

Buchtipp

Schmuckschildkröten: halten & pflegen, beobachten & verstehen von Xaver Wapelhorst, aus dem Kosmos-Verlag, 6,95 Euro. Das Buch bietet viele praxisnahe Tipps zur Haltung, Pflege und Zucht von Schmuckschildkröten. Außerdem eine sehr gute Überwinterungs-Anleitung.

 

 

Links

www.pseudemys.de

www.wasserschildkroeten.eu/Wissensdatenbank/Pseudemysconcinnaconcinna.pdf

www.dght.de/ag_schildkroeten/pdf/akschmuck03.pdf

Verwendte und weiterführende Literatur

Fritz, U. & P. Havas (2006): Checklist of Chelonians of the World, at the request of the CITES Nomenclature Committee and the German Agency for Nature Conservation. Dresden: German Federal Ministry of Environment, Nature Conservation and Nuclear Safety and Museum of Zoology, 230 S. [Download]

Müller, M. (1996): Handbuch ausgewählter Klimastationen der Erde. - Trier (Forschungsstelle Bodenerosion der Universität Trier Mertesdorf [Ruwertal] 5) 400S.

Ward, J.P. and Jackson, D.R. 2008. Pseudemys concinna (Le Conte 1830) – river cooter. In: Rhodin, A.G.J., Pritchard, P.C.H., van Dijk, P.P., Saumure, R.A., Buhlmann, K.A., and Iverson, J.B. (Eds.). Conservation Biology of Freshwater Turtles and Tortoises: A Compilation Project of the IUCN/SSC Tortoise and Freshwater Turtle Specialist Group. Chelonian Research Monographs No. 5, pp. 006.1-006.7, doi:10.3854/crm.5.006.concinna.v1.2008 [Download]

Wapelhorst, X. (2008): Schmuckschildkröten: die Pseudemys-Arten. - Terralognews, Rodgau, 13 (83): 7-9 [Download]

Weitere Literatur gibt es auf literatur.testudolinks.de

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