Wasserschildkröten

 

 

Buchtipps

Wapelhorst: Wasserschildkröten-Fibel

Wapelhorst: Schmuckschildkröten, 6,95 Euro

Zierschildkröten, Chrysemys picta

Als Zierschildkröte wird die Art Chrysemys picta bezeichnet, dieser Text behandelt drei der vier Unterarten:

  • Chrysemys picta picta, die Östliche Zierschildkröte
  • Chrysemys picta bellii, die Westliche oder Indianer-Zierschildkröte
  • Chrysemys picta marginata, die Mittelländische Zierschildkröte

Die vierte Unterart Chrysmys picta dorsalis, die Rückenstreifen-Zierschildkröte, wird hier beschrieben.

Farmnachzuchten aus dem Süden der USA und Wildfänge von Zierschildkröten waren bis zur Unterschutzstellung häufig im Zoohandel. Nun sind alle Zierschildkröten (Chrysemys picta) im Anhang B der EU-Artenschutzverordnung aufgeführt und somit meldepflichtig, mit Importen in die EU ist daher nicht mehr zu rechnen. Nachzuchten und Tiere die sich schon in der EU befinden dürfen jedoch mit Herkunftsnachweis gehandelt werden.

Verbreitung

Zierschildkröten (Chrysemys picta) kommen von der Ostküste quer durch Nordamerika bis zur Westküste vor.
Chrysemys picta picta kommt vom südöstlichen Kanada über New-England und die atlantischen Küstenabscnitte bis nach Georgia vor, in westlicher Richtiung bis nach Ost-Alabama.
Das Verbreitungsgebiet von Chrysemys picta marginata erstreckt sich in Kanada über Süd-Quebec und Ontario, in den USA kommt die Mittelländische Zierschildkröte in Alabama, Georgia, Illinois, Indiana, Kentucky, Michigan, New Jersey, New York, Ohio, Pennsylvania, Tennessee, Vermont West Virginia und Wisconsin vor.
Chrysemys picta bellii hat von allen Unterarten das größte Verbreitungsgebiet, es reicht von West-Ontario über Südkanada bis nach Britisch-Kolumbien und im Süden bis nach Missouri, Nord-Oklahoma, Ost-Kolorado, Wyoming, Idaho und Nord-Oregon

Größe

Von den drei hier behandelten Unterarten wird Chrysemys picta bellii mit 25cm am größten, Chrysemys picta picta und Chrysemys picta marginata bleiben mit ca.18cm deutlich kleiner. Die Angaben sind Maximal-Werte für Weibchen, in der Regel bleiben die Tiere etwas kleiner. Männchen bleiben kleiner als Weibchen.

Lebensraum

Obwohl Chrysemys picta spp. sehr anpassungsfähig ist, bevorzugt sie ruhige Gewässer welche einen schlammigen, weichen Bodengrund und reichlich Unter- sowie Überwasservegetation haben. Wichtig sind auch geeignete Sonnenplätze, bevorzugt solche von denen sie sich ins Wasser fallen lassen kann wenn ein Feind in Sicht ist. Außer zum Sonnen und zur Eiablage verlassen die Zierschildkröten das Wasser i.d.R. nicht.

Aquarienhaltung

Zur Zimmerhaltung ist ein geräumiges Aquarium von mindestens 200 Litern für eine Zierschildkröte zu empfehlen. Der Wasserstand im Aquarium muss mindestens der Panzerlänge des größten Tieres entsprechen, besser mehr. Auch Baby-Zierschildkröten kommen mit einem hohen Wasserstand gut zurecht. Für die Wasserreinigung sorgt ein großzügig dimensionierter Wasserfilter, Innenfilter müssen öfter gereinigt werden als größere Außenfilter. So ein Filter macht einen regelmäßigen Teilwasserwechsel nicht überflüssig.
Zur Beheizung des Wassers sind Aquarienheizstäbe geeignet, nachts kann das Wasser etwas kühler sein. Die Wassertemperatur schwangt im Jahresrhythmus, am wärmsten ist es im Juli/August mit bis zu 27°C, dann wird es jeden Monat ein paar Grad kälter, im Winter (wärend der Winterstarre) sind es nur 4-8°C, nach der Winterstarre erhöht man Monat für Monat das Wasser um einige Grad, bis man wieder den Hochpunkt im Sommer erreicht hat.
Beleuchtung: Auf das Landteil muss ein Wärmespot (kein Infrarot) gerichtet sein der für eine punktuelle Erwärmung auf 40°C sorgt. Zur Versorgung der Zierschildkröten mit UV-B-Licht ist die Osram UltraVitalux, täglich 20 Minuten, ein Meter Abstand zur Schildkröte, am geeignetsten.
Für den Landteil gibt es verschiedene Möglichkeiten, am einfachsten ist ein frei schwimmendes Stück Kork. Besser ist eine Zierkorkröhre, welche man zwischen der Front- und Rückscheibe einklemmen kann. Diese Landteile nehmen keinen Schwimmraum weg, unter dem Landteil können die Schildkröten hindurchschwimmen. Auch ein Steinaufbau ist als Landteil geeignet nimmt aber viel Schwimmraum weg. Der Sonnenplatz muss unbedingt trocken sein, so dass beim Sonnen auch der Bauchpanzer der Schildkröte abtrocknen kann. Wenn geschlechtsreife Weibchen gepflegt werden ist auch ein Eiablageplatz erforderlich, dieser kann aus einer Wanne, gefüllt mit einem Sand-Erde-Gemisch, bestehen. Die Wanne wird in das Aquarium eingehängt oder auf einen Steinaufbau im Aquarium gestellt, die Wanne muss über eine Lauframpe erreichbar sein.
Auf den Aquarien-Boden kann man eine Schicht Kies, Sand oder Lava verteilen, zur einfacheren Reinigung kann man jedoch auch darauf verzichten, dann streiche ich den Aquarienboden von außen dunkel an, so kommt es nicht zu Spiegelungen.

Teichhaltung

Wenn die Zierschildkröten größer als 10 cm sind können sie auch von Mai bis Oktober im Teich gehalten werden. Wenn die Tiere hinausgesetzt werden muss das Wasser im Teich bereits eine Temperatur von 20°C aufweisen und die Luft muss etwas wärmer sein. Bei Kälteeinbrüchen müssen die Schildkröten wieder ins Haus geholt und ins Aquarium gesetzt werden. Der Teich sollte nach Süden ausgerichtet sein, damit er viel Sonne bekommt. Pro Tier sollten sich 300 Liter Wasser im Teich befinden, wichtig sind viele Flachwasserzonen die sich schnell in der Sonne erwärmen. Damit die Tiere den Teich nicht verlassen muss eine Gehegeumgrenzung aus Holz oder Stein vorhanden sein, mindestens doppelt so hoch wie die Panzerlänge der Schildkröten damit sie nicht ausbrechen können. Bepflanzt werden kann mit kräftigen Teichpflanzen, denen die Zierschildkröten nichts anhaben können, wie z.B. Rohrkolben, Schilf oder die Sumpfdotterblume. Optimal ist es wenn ein Baumstamm vom Land in das Wasser reicht damit sich die Zierschildkröten auf dem Sonnen können. An Land muss für geschlechtsreife Weibchen ein Eiablageplatz mit einem Sand-Erde-Gemisch vorhanden sein.

Immer wieder hört man von Zierschildkröten die erfolgreich im Gartenteich überwintern, solchen Berichten stehe ich etwas skeptisch gegenüber. Das Verbreitungsgebiet von Chrysemys picta ist sehr groß, Tiere aus dem nördlichen Verbreitungsgebiet können durchaus im Teich überwintern, jedoch weiß man leider sehr selten etwas über die genaue Herkunft der Zierschildkröten. Lässt man dann Zierschildkröten im Teich überwintern so kann man Glück haben, oder halt auch Pech. Wenn die Schildkröten nicht schon im ersten Winter sterben, so kann es auch noch im dritten oder fünften sein, ein gewisses Risiko besteht immer. Das Problem ist nicht vorrangig der lange Winter, sondern die feucht-kalten Übergangszeiten bereiten den Schildkröten Probleme.

Gruppenhaltung

Eine gemeinsame Haltung von mehreren Schildkröten ist leider meist nicht ohne weiteres möglich.
Männchen und Weibchen: Bei einer Haltung von einem Männchen mit einem Weibchen wird das Weibchen durch die ständigen Paarungsversuche des Männchens sehr gestresst, will man also Männchen und Weibchen gemeinsam halten so sollten auf ein Männchen min. 3-4 Weibchen kommen, dann verteilt sich das besser.
Weibchengruppen: Zwei Weibchen sind problematisch, eine wird die Unterlegene sein, daher sind größere Gruppen mit min. 3-4 Tieren besser. Aber auch in größeren Gruppen kann es nötig sein Tiere zu separieren, wenn diese durch Dominanzverhalten der anderen gestresst werden.
Männchengruppen: Bei Männchen empfiehlt sich Einzelhaltung, mehrere Männchen stressen sich gegenseitig sehr.
Verschiedene Arten: Eine gemeinsame Haltung von verschiedenen Schildkrötenarten ist grundsätzlich abzulehnen. Verschiedene Arten haben verschiedene Haltungsansprüche die sich nicht in einem Becken vereinen lassen. Wärend die eine Art als Flussbewohner Strömung braucht, so kommt eine andere Art vielleicht aus einem strömungsarmen See. Auch ist das Klima je nach Herkunft unterschiedlich, wärend Schildkröten aus dem Norden der USA eine kalte Überwinterung brauchen, vertragen Tiere aus Florida diese überhaupt nicht. Auch muss auf die Ernährung geachtet werden, einige Arten brauchen um gesund zu bleiben viel pflanzliche Nahrung, andere müssen überwiegend mit tierischen Futtermitteln ernährt werden. Nicht zu letzt unterscheidet sich das Verhalten, so dass es unter den Schildkröten zu Missverständnissen kommt welche in Stress, Kämpfen oder Tod enden.

Ernährung

Im Zoofachhandel ist Wasserschildkrötenfutter erhältlich, dies sollte jedoch so selten wie möglich verfüttert werden. Es können die verschiedensten Würmer, Bachflohkrebse (Gammarus), Ameisenpuppen, Larven, Regenwürmer, Heuschrecken, kleine Süßwasserfische, Fischstückchen etc. verfüttert werden. Mehlwürmer und Zophobas sollten nur sehr selten verfüttert werden. Sehr wichtig ist auch die Fütterung von Grünfutter, z.B. Löwenzahn, Wasserpflanzen etc. Bereits Jungtiere nehmen pflanzliche Nahrung zu sich, bei Tieren ab 10cm Panzerlänge sollte die Fütterung bereits zu 30% aus Pflanzen bestehen.
Mehr zur Ernährung hier!

Winterstarre

Die Winterstarre sollten die Schildkröten niemals im Teich verbringen! Das Ozeanisch geprägte Klima in Deutschland ist nicht mit dem kontinentalen Klima der USA zu vergleichen. Zierschildkröten sollten fünf Monate überwintert werden. Überwintert wird in einem Raum der Temperaturen von 4°C bis 8°C aufweist, sollte so ein Raum nicht zur Verfügung stehen kann man die Schildkröten auch in einem Kühlschrank überwintern. Vor dem Einwintern müssen die Schildkröten eine bis zwei Wochen fasten, da wenn noch Futterreste im Magen-Darm-Bereich sind, diese zu einer inneren Vergiftung führen. Wenn die Tiere nicht draußen im Teich waren muss man jetzt beginnen die Temperaturen langsam zu senken und die Beleuchtungsdauer reduzieren, im Teich macht die Natur dies von alleine. Dann kommen die Tiere einzeln in Behälter die eine Panzerbreite bis eine Panzerlänge hoch mit Wasser (4-8°C) gefüllt sind. Zum Auswintern erhöht man über zwei Wochen langsam die Temperatur auf 20°C und kann die Tiere dann wieder ins Aquarium setzten, oder wenn es draußen schon warm genug ist in den Teich.

Zucht

Es werden je nach Größe und Alter des Tieres 2 bis 14 Eier gelegt, im Abstand von mehreren Wochen können weitere Eiablagen erfolgen. Die Eier werden vorsichtig ausgegraben und in den Inkubator überführt, dabei dürfen diese aber nicht gedreht werden. Als Inkubator für Zierschildkröteneier eignet sich die Aquarienmethode nach BUDDE (nachzulesen in fast jedem Schildkrötenbuch). Das Geschlecht der Jungtiere hängt von der Inkubationstemperatur ab, bei Temperaturen von 22-27,5°C schlüpfen Männchen, bei 29-32°C schlüpfen Weibchen. Die Inkubation dauert zwischen 55 und 80 Tage. Als Substrat hat sich ein Sand-Erde-Gemisch bewährt. Die Eier werden eingegraben. Wenn die Substrat- und/oder Luftfeuchtigkeit zu gering ist fallen die Eier nach wenigen Stunden ein, daher sollte bei gesättigter Atmosphäre inkubiert werden.

Aufzucht

Nach dem Schlupf sind die Zierschildkröten um die 25mm groß und wiegen um die 3 Gramm. Die Schlüpflinge werden so lange im Inkubator gelassen bis sich ihr Dottersack komplett abgebaut hat. Danach sind die Zierschildkröten in ein Aufzuchtsaquarium zu setzten, welches zur besseren Reinigung einfach aufgebaut ist: wichtig ist ein einfach zu erklimmender Landteil mit einem Wärmespot (40°C im Zentrum), Der Wasserstand sollte 10cm betragen und je mehr die Zierschildkröten wachsen erhöht werden, die Wassertemperatur sollte in den ersten Monaten tags 28°C und nachts 25°C betragen. Ein regelmäßiger Wasserwechsel ist zum gesunden Wachstum ebenso nötig wie UV-Bestrahlung. Sehr wichtig ist eine tägliche abwechslungsreiche und ausgewogene Fütterung der Schlüpflinge. Sie fressen unter Umständen am Anfang nur Lebendfutter, wie Mückenlarven (alle "Farben"), kleine Regenwürmer, Wasserflöhe und Tubifex.

Buchtipp

Schmuckschildkröten: halten & pflegen, beobachten & verstehen von Xaver Wapelhorst, aus dem Kosmos-Verlag, 6,95 Euro. Auch wenn der Titel Schmuckschildkröten lautet, werden in diesem Buch auch die Zierschildkröten behandelt, denn sie gehören zur Unterfamilie der Schmuckschildkröten-Artigen. Das Buch bietet eine sehr praxisnahe Haltungsanleitung, inkl. einer guten Überwinterungs-Anleitung.

 

 

 

Zierschildkröten von Andreas S. Hennig, aus dem Natur und Tier-Verlag, 19,80 Euro. Für jeden Halter von Zierschildkröten ist dieses Buch zu empfehlen. Es wird ausführlich jede Unterart beschrieben, auch deren Entstehung. Der Haltungsteil ist sehr ausführlich.

 

 

 

Links

http://turtles.unsre-bu.de/arten/ Haltung von Chrysemys picta bellii

http://www.schildkroetenteiche.de/marginata_dok.htm Informationen zur Mittelländischen Zierschildkröte

http://www.horsfieldii-richter.de/chrysemys.html Informationen zu Chrysemys picta picta

http://chrysemys.com/pages/zierschildkroeten.php Infos und schöne Bilder zu allen vier Unterarten

 

Verwendete und weiterführende Literatur


BUDDE, H. (1980): Verbesserter Brutbehälter zur Zeitigung von Schildkrötengelegen.- Salamandra, 16 (3): 177-180.

ERNST C., LOVICH J. & BARBOUR R. (1994): Turtles of the United States and Canada.- Washington (Smithsonian Books), 578 S.

KALTER G. (2006): Haltung, Aufzucht und Nachzucht der Mittelländischen Zierschildkröte Chrysemys picta marginata.- Testudo (SIGS), 15 (1): 5-25

MÜLLER V., SCHMIDT W. (2002): Schildkröten im Gartenteich.- Münster (Natur- und Tierverlag), 112 S.

MÜLLER, M. (1996): Handbuch ausgewählter Klimastationen der Erde. - Trier (Forschungsstelle Bodenerosion der Universität Trier Mertesdorf [Ruwertal] 5) 400S.

VETTER, H. (2004): Turtles of the World Vol. 2 North America. Edition Chimaira/Verlag ACS GmbH (AQUALOG), 127S.

WAPELHORST, X. (2005): Zierschildkröte Chrysemys picta. - ATinfo, Steyer, 23 (11): 151-152

WAPELHORST, X. (2007): Buchstaben-Schmuckschildkröten Trachemys scripta. - ATinfo, Steyer, 25 (2): 19-22

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