Wenn du Schildkröten halten möchtest, ist es wichtig zu wissen, wie stark sie ans Wasser gebunden sind. Man unterscheidet grob drei Lebensweisen: aquatisch, terrestrisch und semiterrestrisch.
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Aquatische Schildkröten (Wasserschildkröten)
Diese Schildkröten leben fast komplett im Wasser.
- Sie schwimmen sehr gut und sind oft den ganzen Tag im Wasser
- Land wird hauptsächlich zum Sonnen oder zur Eiablage genutzt
- Beispiele: Schmuckschildkröten (Trachemys sp., Pseudemys sp.), Moschusschildkröten (Sternotherus sp.)

Merkmale:
- Stark abgeflachter, stromlinienförmiger Panzer
- Schwimmhäute oder sogar flossenartige Gliedmaßen
- Beine eher zum Paddeln als zum Laufen geeignet
- Können oft lange tauche
Für die Haltung heißt das:
Du brauchst ein großes Aquarium mit viel Wasser (Filter für sauberes Wasser) und nur wenig Landteil (trocken, warm, mit UV-Licht).
Terrestrische Schildkröten (Landschildkröten)
Diese Arten leben fast nur an Land.
- Sie können zwar trinken oder durch Pfützen laufen, schwimmen aber schlecht
- Zu tiefes Wasser kann sogar gefährlich werden
- Beispiele: Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni boettgeri), Strahlenschildkröten (Astrochelys radiata)

Merkmale:
- Hoher, gewölbter Panzer (Schutz vor Fressfeinden, Stabilität)
- Kräftige, säulenartige Beine ohne Schwimmhäute
- Füße eher „elefantenartig“
Für die Haltung heißt das:
Ein trockenes, strukturiertes Gehege mit nur einer kleinen, flachen Wasserschale reicht aus. Landschildkröten brauchen Pflanzen, Verstecke und einen grabfähigen Boden.
Semiterrestrische Schildkröten (Sumpfschildkröten)
Diese Schildkröten sind eine Mischform.
- Sie leben überwiegend an Land, nutzen aber regelmäßig Wasser
- Sie baden, trinken und kühlen sich im Wasser ab
- Schwimmen können sie, aber nicht immer so gut wie echte Wasserschildkröten
- Halten sich oft in Uferzonen, Sümpfen, feuchten Wäldern auf
- Beispiel: Pracht-Erdschildkröten (Rhinoclemmys pulcherrima), Dosenschildkröten (Terrapene sp.)

Merkmale:
- Mittelhoher Panzer, weder flach noch stark gewölbt
- Teilweise Schwimmhäute, aber auch kräftige Beine
- Gute Mischung aus Schwimmen und Laufen
Für die Haltung heißt das:
Du brauchst beides im Terrarium, einen gut strukturierten Landteil und einen flachen bis mäßig tiefen Wasserbereich. Oftmals profitieren semiterrestrische Schildkröten von einer hohen Luftfeuchtigkeit.
| Typ | Lebensraum | Schwimm-fähigkeit | Haltung |
|---|---|---|---|
| Aquatisch | Wasser | Sehr gut | Viel Wasser, wenig Land |
| Terrestrisch | Land | Kaum | Viel Land, kaum Wasser |
| Semiterrestrisch | Land & Wasser | Mittel | Mischung aus beidem |
- Aquatisch = „Wasserschildkröte“
- Terrestrisch = „Landschildkröte“
- Semiterrestrisch = „braucht beides“
Informiere dich immer über die genaue Art, nicht nur „Schildkröte allgemein“, die Unterschiede sind entscheidend für eine artgerechte Haltung. Oftmals gibt es kein klares „entweder oder“, sondern einen fließenden Übergang. Einige Arten (wie Pracht-Erdschildkröten) liegen in der Mitte, aber mit klarer Tendenz in eine Richtung. Wenn du unsicher bist, schau dir an wo die Art mehr Zeit verbringt und richte danach die Haltung aus.
Ist semiterrestrisch und semiaquatisch das gleiche?
Ja, meist meinen beide Begriffe dasselbe, aber der Blickwinkel ist unterschiedlich. In der Schildkrötenhaltung werden die Begriffe oft synonym verwendet.
Semiterrestrisch („halb-landlebend“)
Der Fokus liegt auf dem Landanteil. Bedeutet: Das Tier lebt überwiegend an Land, nutzt aber auch Wasser regelmäßig. Perspektive: vom Land aus gedacht.
Semiaquatisch („halb-wasserlebend“)
Der Fokus liegt auf dem Wasseranteil. Bedeutet: Das Tier lebt teilweise im Wasser, aber nicht ausschließlich. Perspektive: vom Wasser aus gedacht.
Wie Biologen Schildkröten nach Verwandtschaft einteilen
Biologen unterscheiden Wasser-, Sumpf- und Landschildkröten nicht primär nach Lebensweise, sondern nach ihrer evolutionären Abstammung (Phylogenie).
Das bedeutet, entscheidend ist, von welchen Vorfahren die Tiere abstammen, nicht nur, ob sie im Wasser oder an Land leben.
Die wichtigsten Verwandtschaftsgruppen
Landschildkröten (Familie: Testudinidae)
- Echte, klar abgegrenzte Verwandtschaftsgruppe
- Alle Arten stammen von einem gemeinsamen, landlebenden Vorfahren ab
- Beispiel: Europäische Landschildkröten
Wichtig: Alle echten Landschildkröten gehören zu dieser einen Familie.
„Wasser- und Sumpfschildkröten“ (keine einheitliche Gruppe!)
Hier liegt der entscheidende Punkt: „Wasserschildkröten“ und „Sumpfschildkröten“ sind keine echten biologischen Gruppen, sondern Sammelbegriffe.
Sie gehören zu mehreren Familien, z. B.:
- Neuwelt-Sumpfschildkröten, Emydidae (z. B. Schmuckschildkröten, Trachemys sp.)
- Altwelt-Sumpfschildkröten, Geoemydidae (z. B. Pracht-Erdschildkröten, Rhinoclemmys pulcherrima)
- Schlammschildkröten, Kinosternidae (z. B. Moschusschildkröten, Sternotherus sp.)
Diese Familien sind zwar verwandt, aber innerhalb dieser Gruppen gibt es sowohl wasserlebende als auch halblandbewohnende Arten.

Was bedeutet das konkret?
Zwei wichtige Erkenntnisse:
1. Lebensweise ≠ Verwandtschaft
Zwei Schildkröten können beide im Wasser leben, aber evolutionär nicht besonders nah verwandt sein. Zum Beispiel haben sich Meeresschildkröten und Moschusschildkröten beide stärker an eine Lebensweise im Wasser angepasst, sind aber nicht näher miteinander verwandt.
2. Lebensweise hat sich mehrfach entwickelt
„Im Wasser leben“ ist kein einmaliges Merkmal, sondern entstand mehrfach unabhängig. Dasselbe gilt für halbterrestrische Lebensweisen. Das nennt man in der Biologie: konvergente Evolution (ähnliche Anpassungen trotz unterschiedlicher Abstammung).
Neuwelt-Sumpfschildkröten sind Wasserschildkröten?
Kurz gesagt: Ja, oft verhalten sie sich wie Wasserschildkröten, aber der Name „Sumpfschildkröten“ ist biologisch weiter gefasst und deshalb etwas irreführend.
Der deutsche Name lautet Neuwelt-Sumpfschildkröten, aber diese Familie umfasst Arten mit unterschiedlicher Lebensweise. Viele davon sind stark aquatisch, also „klassische Wasserschildkröten“, zum Beispiel Schmuckschildkröten. Aber auch die deutlich besser an ein Leben auf dem Land angepassten Dosenschildkröten (Terrapene sp.) sind Neuwelt-Sumpfschildkröten.
Warum wirken sie wie Wasserschildkröten?
Typische Vertreter (z. B. Schmuckschildkröten) verbringen den Großteil ihres Lebens im Wasser, sind sehr gute Schwimmer, haben ausgeprägte Schwimmhäute und nutzen Land hauptsächlich zum Sonnen. In der Praxis sind sie daher für Schildkrötenpfleger ganz klar Wasserschildkröten.
Warum heißen sie trotzdem „Sumpfschildkröten“?
Der Name kommt daher, dass viele Arten ursprünglich aus Sümpfen, Seen und langsam fließenden Gewässern stammen und sie nicht ausschließlich hochspezialisiert aquatisch sind (im Vergleich zu Meeresschildkröten zum Beispiel). „Sumpf“ beschreibt also eher den typischen Lebensraum, nicht die exakte Lebensweise.
Terrarium, Aquarium, Aquaterrarium, Paldudarium: was ist der Unterschied?
Vivarium
Das Wort Vivarium kommt aus dem Latein und leitet sich von vivus („lebendig“) ab, es bedeutet wörtlich Behälter für lebende Tiere. Es ist der Überbegriff für Terrarien, Aquarien und Aquaterrarien. Terra ist lateinisch für Erde, ein Terrarium enthält also Erde. Aqua ist lateinisch für Wasser, ein Aquarium enthält also Wasser. Das Wort Aquarium ist abgeleitet vom lateinischen vas aquarium, was wörtlich Wasserbehälter heißt. Ein Aquaterrarium enthält dementsprechend beides, Wasser und Erde.
Terrarium
Ein Terrarium ist ein Landbecken. Als Glasbehältnis hat es oft vorne Schiebescheiben und mehrere Lüftungsflächen. Es hat einen hautsächlich trockenen oder nur leicht feuchten Landbereich. Zum Trinken und Baden steht den Schildkröten eine kleine Wasserschale zur Verfügung. Der Fokus liegt auf Bodengrund (z. B. Erde, Sand oder ein Gemisch daraus), Pflanzen und Versteckmöglichkeiten. Die Technik besteht oftmals nur aus Beleuchtung. Wenn die Abwärme der Lampen nicht genügt, dann gibt es eventuell eine zusätzliche Beheizung.
Ein Terrarium ist geeignet für die terrestrischen Landschildkröten und stark semiterrestrische Schildkrötenarten.
Aquarium
Ein Aquarium ist ein Wasserbecken, wie man es auch für Fische verwenden würde. Es ist komplett oder fast komplett mit Wasser gefüllt. Wenn nicht nur Fische gepflegt werden, sondern auch Schildkröten oder Molche, dann gibt es eine kleine Landfläche oder einen Sonnenplatz. Neben der Beleuchtung gibt es an Technik einen Filter der das Wasser sauber hält. Neben der Temperatur des Sonnenplatzes ist die Wassertemperatur oftmals entscheidend, sodass es eine Beheizung des Wassers gibt (in der Regel einen Heizstab).
Ein Aquarium ist geeignet für Fische oder Wasserschildkröten.
Aquaterrarium
Ein Aquaterrarium ist eine Kombination aus Wasser und Land. Oftmals werden Wasserschildkrötenaquarien als Aquaterrarium bezeichnet. Die verwendeten Glasbecken sind meist identisch mit denen für Aquarien. Es gibt also keine Lüftungsflächen an den Seiten, sondern nur oben. Ein Aquaterrarium hat klar abgegrenzte Wasser- und Landteil. Oftmals ist es sehr funktional aufgebaut.
Ein Aquaterrarium ist eine praktische Mischung aus Aquarium und Terrarium. Es eignet sich je nach Anteil der Landfläche für Wasserschildkröten oder semiaquatische Schildkröten, aber auch für viele Amphibien (z. B. Rotbauchunken).
Oftmals werden Unterbringungen für männliche Wasserschildkröten die nur ein Sonnenplatz haben eher als Aquarium bezeichnet, wenn es aber auch einen substratgefüllten Landteil zur Eiablage für weibliche Wasserschildkröten gibt, dann wird es eher als Aquaterrarium bezeichnet. Aber die Begriffe werden von vielen Schildkrötenhaltern auch nicht strikt getrennt.
Paludarium
Ein Paludarium ist ebenfalls eine Kombination aus Land- und Wasserteil, aber naturnah und aufwendig gestaltet. Zusätzlich gibt oft einen Sumpfbereich, der Übergang ist also aufwändiger gestaltet, Wasser- und Landteil gehen fließend ineinander über. Es werden viele Pflanzen und Wurzeln eingebracht, sodass ein dschungelartige Atmosphäre entsteht. Es herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit im Paludarium. Ein Paludarium ist ein Aquaterrarium das schön gestaltet wurde.
Ein Paludarium eignet sich eher nicht für Schildkröten, da diese die Pflanzen oft zu sehr strapazieren. Gut geeignet ist es hingegen für Amphibien, meist wird es eher für tropische Arten gebaut. Typische Reptilien für ein Paludarium sind Chinesische Krokodilschwanzechsen (Shinisaurus crocodilurus) oder Stirnlappen-Basilisken (Basiliscus plumifrons). Gerne werden im Paludarium auch mehrere Tierarten kombiniert gepflegt. Im Wasserteil zum Beispiel tropische Fische und im Bereich darüber dann tropische Echsen (zum Beispiel Martinique-Anolis [Anolis roquet summus]).