Australische Schlangenhals-schildkröte, Chelodina longicollis

Anders als viele andere Wasserschildkröten können Australische Schlangenhalsschildkröten ihren Hals nicht einziehen, wie es die sogenannten Halsberger machen. Diese Schildkröte gehört zu den Halswendern, sie legt ihren Hals nur S-förmig am Panzer an.

Die Australische Schlangenhalsschildkröte wird auch Glattrücken-Schlangenhalsschildkröte genannt.

Herkunft

Wie der Name schon andeutet stammt diese Wasserschildkröte aus Australien. Sie bewohnt den gesamten Südosten (süd-östliches Queensland, New South Wales, Victoria und süd-östliches South Australia).

Größe

Weibliche Chelodina longicollis können eine Panzerlänge von 28,2 cm erreichen, die männlichen Australischen Schlangenhalsschildkröten bleiben mit maximal 24,9 cm etwas kleiner.

Der Hals kann 60 % der Länge des Panzers erreichen! Bei den Größenangaben sollte man das im Hinterkopf haben. Bei Wasserschildkröten wird ja in der Regel die Panzerlänge angegeben, die wahre Länge von Schlangen-Halsschildkröten ist aber um einiges mehr.

Ernährung

In der Natur fressen Chelodina longicollis vor allem Krebstiere, aber auch andere wasserbewohnende Wirbellose. Daneben werden auch Insekten gefressen. Auch Fische werden verzehrt. Die Größe und das Geschlecht der Schildkröten haben kaum einen Einfluss auf die Ernährungsgewohnheiten. Pflanzen werden nicht oder nur minimal gefressen. Es handelt sich also um Fleischfresser.

Im Aquarium kann man diese Ernährung einfach mit getrockneten Futtertieren, Frostfutter und Lebendfutter nachstellen.

Aquarien-Haltung

Für diese relativ große Wasserschildkröte mit sehr langem Hals sollte das Aquarium mindestens eine Länge von 150 cm haben. Jungtiere kann man zunächst aber in kleineren Behältern unterbringen. Etwas Bodengrund und einige Wurzeln zur Strukturierung genügen bereits als Einrichtung für diese schwimmfreudigen Wasserschildkröten.

Ein guter Filter ist unbedingt nötig, um unnötige Panzerkrankheiten zu vermeiden. Ein großzügig dimensionierter Außenfilter ist zu empfehlen.

Ein Landteil muss den Schildkröten zur Verfügung stehen, auch wenn sie sich nicht so häufig sonnen wie es Schmuckschildkröten tun. Für Männchen und Jungtiere genügt bereits eine Kork-Konstruktion oder eine Weidenholzbrücke. Den Weibchen muss auch ein Eiablageplatz zur Verfügung stehen.

Zur Beleuchtung ist unbedingt eine Halogen-Metalldampf-Lampe mit UV-Anteil zu empfehlen, bei einer schlechteren Beleuchtung sonnen sich die Schildkröten noch seltener. Unter der Lampe muss eine Temperatur von 40-45 °C erreicht werden.

Temperatur

Mittlere Temperatur in Brisbane (Australien), Vorkommensgebiet der Australischen Schlangenhalsschildkröte (Chelodina longicollis):

MonatMittlere Temperatur
Jan.25,0 °C
Feb.24,7 °C
März23,6 °C
April21,2 °C
Mai18,2 °C
Juni15,8 °C
Juli15,0 °C
Aug.16,1 °C
Sept.18,1 °C
Okt.20,7 °C
Nov.22,5 °C
Dez.24,3 °C
Klima in Brisbane (Müller 1996)

Ganz offensichtlich ist es im Dezember bei dieser Schildkröte in der Natur wärmer als im Juli. Das liegt daran, dass auf der Südhalbkugel die Jahreszeiten zu unseren Jahreszeiten gegensätzlich sind. Man kann sie aber problemlos so halten, dass den Schildkröten im Aquarium Sommer vorgespielt wird wenn bei uns auch Sommer ist.

Zur Haltung im Gartenteich ist diese Wasserschildkröte nicht geeignet

Temperaturen über 26 °C vertragen diese Wasserschildkröten nur schlecht. Wenn man dies berücksichtigt, so kann man sich grob an den auf der Seite Verminderte Aktivitätsphase vorgestellten Jahresrhtythmus halten.

Vermehrung

Die Geschlechtsreife erreichen männliche Chelodina longicollis ab einer Panzerlänge von 15 cm. Die weiblichen Australischen Schlangenhalsschildkröten werden erst ab einer Panzerlänge von 17 cm geschlechtsreif.

Die Eier werden in einer Tiefe von etwa 10 cm vergraben. Pro Gelege sind 9-16 Eier möglich. In der Natur werden bis zu drei Gelege pro Jahr abgesetzt, im Aquarium bis zu fünf. Bei 30 °C benötigen die Eier etwa zwei Monate bis zum Schlupf.

Literatur

Ezaz, T., N. Valenzuela, F. Grützner, I. Miura, A. Georges, R. L. Burke & J. A. M. Graves (2006): An XX/XY sex microchromosome system in a freshwater turtle, Chelodina longicollis (Testudines: Chelidae) with genetic sex determination. – Chromosome Research, 14(2), S. 139-150.

Kennett, R., J. Roe, K. Hodges & A. Georges (2009): Chelodina longicollis (Shaw 1794)–eastern long-necked turtle, common long-necked turtle, common snake-necked turtle. – Chelonian Research Monographs, 5, S. 031-1 – 031.8.

Kennett, R. & A. Georges (1990): Habitat utilization and its relationship to growth and reproduction of the eastern long-necked turtle, Chelodina longicollis (Testudinata: Chelidae), from Australia. – Herpetologica, S. 22-33.

Norris, R. H. & L. Wensing (1986): Diet of the Fresh-Water Turtle Chelodina-longicollis (Testudines, Chelidae) From the Coastal Dune Lakes of the Jervis Bay Territory. – Wildlife Research, 13(2), S. 301-308.

Palmer-Allen, M. & F. Beynon (1991): Hatchling sex ratios are independent of temperature in field nests of the long-necked turtle, Chelodina longicollis (Testudinata: Chelidae). – Wildlife Research, 18(2), S. 225-232.

Müller, M. (1996): Handbuch ausgewählter Klimastationen der Erde. – Trier (Forschungsstelle Bodenerosion der Universität Trier Mertesdorf [Ruwertal] 5) 400 S.