Wasserschildkröten

 

 

Buchtipps

Wapelhorst: Wasserschildkröten-Fibel

Wapelhorst: Schmuckschildkröten, 6,95 Euro

Schwarzknopf-Höckerschildkröten, Graptemys nigrinoda nigrinoda 

 
In der wissenschaftlichen Fachsprache heißen Höckerschildkröten Graptemys. Sie gehören unter den Wasserschildkröten mit Sicherzeit zu den beliebtesten Gattungen überhaupt – aktuell sind 14 verschiedene Arten anerkannt, welche jeweils zum Teil Unterarten haben. Die im Handel erhältlichen Arten werden meist relativ groß, so dass man früher oder später sehr große Aquaterrarien für die artgerechte Haltung dieser Tiere benötigt.
 
 
Ein pflegeleichter, kleinbleibender und äußerst attraktiver Vertreter der Höckerschildkröten ist die Schwarzknopf-Höckerschildkröte (Graptemys nigrinoda). Es gibt zwei anerkannte Unterarten: Die Nominatform Graptemys nigrinoda nigrinoda, die verhältnismäßig häufig gehalten und nachgezüchtet wird, und die in Europa nur äußerst selten gepflegte Delta-Höckerschildkröte Graptemys nigrinoda delticola. Die Schwarzknopf-Höckerschildkröte wurde 1954 von CAGLE beschrieben und aufgrund ihrer schwarzen Höcker auf dem Rückenpanzer nigrinoda genannt, was soviel bedeutet wie die Schwarzgeknöpfte (BÖHM 2012).
 
 
Im Folgenden gibt es alle wichtigen Informationen über Schwarzknopf-Höckerschildkröten sowie die möglichst optimale Haltung in menschlicher Obhut. 

Verbreitung 

Alle Höckerschildkröten leben in Nordamerika. ERNST & LOVICH (2009) geben als Verbreitungsgebiet der Schwarzknopf-Höckerschildkröte den Bereich von Alabama und Mississippi an, genauer gesagt die Linie vom Alabama-, Tombigbee-, Black-Warrior-, Coosa-, Tallapoosa- und dem Cahaba-River. Die Delta-Höckerschildkröte kommt lediglich in einem kleinen Teil im Süden des Verbreitungsgebietes vor, während die Schwarzknopf-Höckerschildkröte im gesamten Verbreitungsgebiet zu finden ist (BUHLMANN, TUBERVILLE & GIBBONS 2008). 

Größe 

Wie bereits erwähnt zählt die Schwarzknopf-Höckerschildkröte zu den kleinbleibenden Arten. In dem Standardwerk über nordamerikanische Wasserschildkröten, Turtles of the United States and Canada von ERNST & LOVICH (2009), werden als Maximalgrößen 12,2 cm im männlichen Geschlecht und 22,1 cm bei den Weibchen angegeben. In den allermeisten Fällen bleiben die Tiere in beiden Geschlechtern jedoch kleiner. Schlüpflinge sind im Durchschnitt 3,65 cm lang und 3,67 cm breit (ERNST & LOVICH 2009) – sehen also ziemlich rundlich aus. 
 

Geschlechtsunterscheidung 

Das Geschlecht lässt sich bei Wasserschildkröten grundsätzlich erst ab einer gewissen Größe erkennen – bei Jungtieren ist dies (leider) nicht möglich. Neben dem Unterschied in der Panzerlänge ausgewachsener Tiere beider Geschlechter, die als eindeutiges Merkmal der Geschlechtsunterscheidung angeführt werden kann, haben Männchen einen deutlich dickeren und längeren Schwanz als Weibchen. Dadurch sitzt die Kloake bei den Männchen weit vom Ansatz entfernt und außerhalb des Panzers, bei Weibchen befindet sich die Kloake am Panzerrand. Auch im Alter behalten männliche Tiere ihre namensgebenden Höcker auf dem Panzer, bei den Weibchen sind diese dann stark reduziert.

Ernährung

Beide Unterarten von Graptemys nigrinoda ssp. gehören zu den schmalköpfigen Höckerschildkröten. Dies hat eine direkte Verbindung zur typischen Ernährung dieser Tiere: Sie sind aufgrund des kleineren Kiefers nicht auf das Fressen von Mollusken spezialisiert. Untersuchungen haben ergeben, dass der Mageninhalt von männlichen Schwarzknopf-Höckerschildkröten aus 58,3 % tierischen und 40,4 % pflanzlichen Nahrungsmitteln bestanden; bei den Weibchen lag das Verhältnis bei 69,2 % zu 28,1 % (LAHANAS 1981, in: ERNST & LOVICH 2009). Für die Ernährung dieser Wasserschildkröte in menschlicher Obhut hat dies folgende Konsequenzen: Sie ernähren sich deutlich weniger von pflanzlichen Nahrungsmitteln als es die üblichen Echten oder Buchstaben-Schmuckschildkröten (Pseudemys spp. und Trachemys scripta ssp.) tun. An tierischer Nahrung werden dabei alle angebotenen Futtermittel angenommen, also Lebendfutter (z. B. Regenwürmer, Heuschrecken, Grillen, Schnecken), Frostfutter (z. B. Krill, Mysis, Tubifex, rote Mückenlarven, Garnelen, Muschelfleisch) und getrocknete Futtermittel (z. B. Gammarus, Anchovis, Shrimps). Auch Pellets werden gefressen. Bei der pflanzlichen Nahrung haben sich schnellwachsende Pflanzen wie Hornkraut, Cabomba, Wasserpest, Wasserlinsen, Froschbiss und Muschelblumen bewährt. Grundsätzlich ist jedoch jede echte Wasserpflanze geeignet. Besonders beliebt sind bei Höckerschildkröten im Übrigen Fadenalgen, welche in den meisten Teichen zu finden sind. In jedem Fall ist auf eine abwechslungsreiche Ernährung der Tiere zu achten, dies fördert Vitalität und Aktivität. Zur Versorgung mit Kalzium sollte immer etwas Sepiaschulp oder gekochte Eierschale zur Verfügung stehen.

Lebensweise

Schwarzknopf-Höckerschildkröten sind ausgezeichnete Schwimmer und sie sonnen sich gerne. Bei der geringsten Ruhestörung verschwinden sie im Wasser. Ebenso kann man sie an der Wasseroberfläche beim Treiben beobachten, wie sie Wärme tanken. In ihrem natürlichen Habitat bevorzugen beide Unterarten Bäche und Flüsse mit mäßiger Strömung, klarem Wasser, einem Sand- oder Tonbodengrund und ausreichend Sonnenplätzen (ERNST & LOVICH 2009). Diese Informationen sind für die artgerechte Haltung in menschlicher Obhut enorm wichtig, da wir so ein möglichst naturnahes Aquaterrarium einrichten können.
 

Haltung 

Die Haltung von Schwarzknopf-Höckerschildkröten kann als relativ leicht und anfängergeeignet bezeichnet werden. Jungtiere werden dabei grundsätzlich genauso gehalten wie ausgewachsene Tiere. Durch ihre überschaubare Größe werden keine riesigen Becken benötigt. Männchen können bereits in 112l-Standardbecken mit einer Kantenlänge von 80 cm gehalten werden, wegen ihres großen Bewegungsdranges sind Becken ab einem Meter Kantenlänge jedoch deutlich besser geeignet. Für Weibchen müssen die Becken wegen der Endgröße der Tiere selbstverständlich etwas länger sein, 120 cm reichen jedoch auch hier aus. Der Wasserstand sollte dabei jeweils so hoch wie irgend möglich gewählt werden, 30 cm stellen jedoch das absolute Minimum dar, ein höherer Wasserstand ist vorzuziehen. 
 
Um die Bedürfnisse der Tiere zu befriedigen, sollte der Bodengrund aus Sand bestehen. Dieser wird gerne nach Fressbarem durchsucht, wodurch die Tiere leicht beschäftigt sind. Bei Höckerschildkröten kann auf eine ausgiebige Beckeneinrichtung verzichtet werden: Durch ihren enormen Bewegungsdrang schwimmen sie Bahnen von links nach rechts. Pflanzen würden gefressen, zerrupft oder ausgebuddelt werden, leichte Einrichtungsgegenstände würden mit den großen und kräftigen Beinen durch das Becken geschoben werden. Teilweise funktioniert eine Bepflanzung bei Schwarzknopf-Höckerschildkröten mit dickstieligen Pflanzen wie beispielsweise Anubia. Durch stabil eingebrachte, gegebenenfalls festgeklebte Steine oder Wurzeln kann jedoch etwas Struktur eingebracht werden. Wichtiger ist jedoch freier Schwimmraum. Für Jungtiere hingegen sollte das Becken durch zahlreiche Pflanzen und Wurzeln gut strukturiert sein. Sie halten sich gerne an an der Wasseroberfläche treibenden Pflanzen fest und ruhen sich aus. Außerdem fühlen sie sich in Pflanzendickichten sicherer, da sie sich hier gut verstecken können. Jungtiere fressen auch deutlich weniger Pflanzen als die ausgewachsenen Schwarzknopf-Höckerschildkröten. 
 
Wichtigster Einrichtungsgegenstand bei der Haltung von Höckerschildkröten ist der Landteil. Schwarzknopf-Höckerschildkröten verbringen einen Großteil des Tages damit, sich zu sonnen – in menschlicher Obhut werden hierzu sogenannte HQI-Lampen mit UV-B-Anteil verwendet. Da Höckerschildkröten im Allgemeinen anfälliger für Panzererkrankungen sind als andere Schmuckschildkröten, darf an der Beleuchtung keinesfalls gespart werden! Als Landteil genügen männlichen Tieren Korkäste oder zwischen Vorder- und Rückwand eingeklemmte Korkrinden. Auch Weidenholzbrücken können ins Becken eingehangen werden. Wichtig ist, dass die Tiere von oben und unten komplett abtrocknen kann, ansonsten kommt es zu Nekrosen und Pilzinfektionen. Da Schwarzknopf-Höckerschildkröten einen größeren Fluchtreflex haben als andere Schmuckschildkröten, ist es wichtig, dass die Tiere möglichst schnell und unkompliziert von Land ins Wasser flüchten können. Weibchen brauchen unbedingt einen ordentlichen Eiablageplatz. Wie bereits erwähnt bevorzugen Schwarzknopf-Höckerschildkröten klares Wasser, deswegen sollte das Aquaterrarium durch einen hochwertigen Topf-Außenfilter gefiltert werden. Auf einen regelmäßigen Wasserwechsel von etwa einem Drittel alle zwei Wochen darf dabei nicht verzichtet werden. 
 
Alle nordamerikanischen Wasserschildkröten müssen aufgrund der niedrigen Temperaturen während des Winters im Verbreitungsgebiet kühl überwintert werden. Für die Schwarzknopf-Höckerschildkröte ergibt sich dabei folgender Jahreszyklus: Die Wassertemperatur schwankt im Laufe des Jahres, am wärmsten ist es im Juli und August mit bis zu 28 °C, zu dieser Zeit sollte die Beleuchtungslänge etwa 13 Stunden am Tag betragen. Dann wird es kontinuierlich kälter und die Beleuchtungslänge verkürzt sich stetig, im Winter sind es für etwa drei Monate nur 10-15 °C, nach der Überwinterung erhöht man Monat für Monat die Wassertemperatur um einige Grad, bis man wieder den Hochpunkt im Sommer erreicht hat. Eine detaillierte Überwinterungsbeschreibung findet sich in WAPELHORST (2011; 2017). 
 

Gruppenhaltung 

Grundsätzlich sind alle Wasserschildkröten Einzelgänger. Sie benötigen keine Vergesellschaftung, um sich wohl zu fühlen. Ganz im Gegenteil: In den allermeisten Fällen sind Wasserschildkröten alleine wesentlich zufriedener und entspannter. Die Haltung mehrerer Weibchen ist in großen Aquaterrarien oftmals möglich. In einem interessanten Artikel beschreibt RODDEWIG (2013), dass eine Gruppenhaltung von männlichen Höckerschildkröten durchaus praktikabel ist. Das hat mehrere Gründe: Zum einen sind männliche Höckerschildkröten im Vergleich zu vielen anderen Wasserschildkrötenarten verhältnismäßig friedlich. Zum anderen haben viele Höckerschildkröten sehr ähnliche Ansprüche an ihre Haltung. Die Schwarzknopf-Höckerschildkröte, die Pracht-Höckerschildkröte (Graptemys oculifera) und die Gelbflecken-Höckerschildkröte (Graptemys flavimaculata) bilden zusammen die Gruppe der sogenannten Sawbacks – sie sind allesamt schmalköpfig und leben in ähnlichen Verbreitungsgebieten, wodurch sie dieselben Ansprüche im Jahreszyklus und der Ernährung haben. Außerdem beschreibt RODDEWIG, dass die Vergesellschaftung mit einem Männchen der Südlichen Zierschildkröte (Chrysemys picta dorsalis) gut funktioniert. Auch die Südliche Zierschildkröte hat dieselben Ansprüche im Jahreszyklus und ernährt sich ziemlich ähnlich wie die Sawbacks. Dennoch besteht die Gefahr, dass sich die Tiere nicht dauerhaft vertragen. So kann es von heute auf morgen zu Unverträglichkeiten kommen, weswegen die Tiere getrennt werden müssen. 

Buchtipps

Schmuckschildkröten: halten & pflegen, beobachten & verstehen von Xaver Wapelhorst, aus dem Kosmos-Verlag, 6,95 Euro. Auch wenn das Buch Schmuckschildkröten heißt, so finden sich dort auch viele Infos über Höckerschildkröten, inklusive der Schwarzknopf-Höckerschildkröte. Das Buch bietet viele praxisnahe Tipps zur Haltung, Pflege und Zucht von Schmuck-, Höcker- und Zierschildkröten. Außerdem eine sehr gute Überwinterungs-Anleitung.

 

Wasserschildkröten-Fibel von Xaver Wapelhorst, aus dem Dähne-Verlag, 15,80 Euro. Diese Fibel bietet eine handliche Einführung in die Haltung von Wasserschildkröten, natürlich mit einer ausführlichen Beschreibung von Überwinterung und Jahresverlauf der Temperaturen und Beleuchtungslänge. Neben einigen anderen Arten wird auch die Schwarzknopf-Höckerschildkröte ausführlich beschrieben.

 

 

Linktipps

www.sawbacks.at eine tolle, ausführliche Seite über Höckerschildkröten

www.graptemys.de Schwarzknopf-Höckerschildkröten auf der Höckerschildkröten-Seite von zierschildkroete.de

www.schildkroetenteiche.de Infos über Schwarzknopf-Höckerschildkröten

www.salamandra-journal.de pdf mit einem (älteren) Artikel über Höckerschildkröten

www.er-picta.de sehr ausführlicher Bericht über Graptemys nigrinoda

Literaturauswahl 

 
BÖHM, Stephan (2012): Höckerschildkröten – Die Gattung Graptemys AGASSIZ 1857 im Porträt. – Sacalia, Stiefern, 10 (35): 22-55.
 
BUHLMANN, Kurt, TUBERVILLE, Tracey & GIBBONS, J. Whitfield (2008): Turtles of the Southeast. – Georgia (The University of Georgia Press): 252 S. 
 
CAGLE, Fred R. (1954): Two new species of the genus Graptemys. – Tulane Studies in Zoology, 1 (11): 167–186.
 
ERNST, Carl H. & LOVICH, Jeffrey E. (2009): Turtles of the United States and Canada – Second Edition. –  Baltimore (The John Hopkins University Press): 827 S. 
 
MEIER, Elmar (2007a): Falsche Landkarten- und Mississippi-Höckerschildkröten. – Münster (Natur und Tier – Verlag): 64 S. 
- 2007b: Die Mississippi-Höckerschildkröte in menschlicher Obhut. – Marginata, Münster, 4 (1): 24-30. 
 
RODDEWIG, Ewald (2013): Gemeinsame Haltung von Männchen verschiedener Arten Wasserschildkröten? – Marginata, Münster, 10 (3): 52-57. 
- 2014: Haltung und Zucht der Gattung Graptemys bei artgerechter Pflege in menschlicher Obhut: Teil 1. – Sacalia, Stiefern, 44 (12): 15-33.
- 2014: Haltung und Zucht der Gattung Graptemys bei artgerechter Pflege in menschlicher Obhut: Teil 2. – Sacalia, Stiefern, 45 (12): 8-29.
- 2015: Haltung und Zucht der Gattung Graptemys bei artgerechter Pflege in menschlicher Obhut: Teil 3. – Sacalia, Stiefern, 46 (13): 34-41.
 
STETTNER, Armin (2005): Haltung und Nachzucht von Graptemys nigrinoda nigrinoda CAGLE 1954, der Schwarzknopf-Höckerschildkröte. – Sacalia, Stiefern, 6 (3): 9-20.
 
WAPELHORST, Xaver (2011): Schmuckschildkröten halten & pflegen, beobachten & verstehen. – Stuttgart (Kosmos-Verlag): 73 S. 
- 2017: Wasserschildkröten-Fibel. – Ettlingen (Dähne-Verlag): 95 S. 
 
Autor und Copyright: Hendrik Pempelfort
 
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