Wasserschildkröten

 

 

Buchtipp

Wapelhorst: Schmuckschildkröten, 6,95 Euro

Haltung von Wasserschildkröten im Gartenteich

Zierschildkröten am TeichDie Haltung von Schildkröten im Teich wird oft als optimal und sehr einfach angepriesen, insbesondere für große Schildkröten soll die Teichhaltung gut geeignet sein. Im Zoohandel werden große Tiere gelegentlich sogar als "Teichschildkröten" verkauft, selten sind sie wirklich teichgeeignet. Damit Wasserschildkröten im Teich artgerecht gehalten werden können sind ein paar Dinge zu beachten. Eins sei an dieser Stelle aber mal klar gesagt: Eine 30cm Schmuckschildkröte dauerhaft im Gartenteich zu halten, ist nicht besser als ein 150cm-Aquarium. Wichtig ist nicht nur der Platz, sondern auch artgerechte Temperaturen!

Umzäunung

Aus Gründen des Tier- und Naturschutzes ist eine gute Umzäunung sehr wichtig! Zum einen muss man verhindern dass eine Wasserschildkröte ausbüchst und den heimischen Winter nicht überlebt, von Autos überfahren wird oder einem Räuber zum Opfer fällt. Andererseits muss verhindert werden dass eine Wasserschildkröte in heimische Gewässer einwandert und dort die Amphibien und Insekten-Fauna schädigt. Ein Zaun ist zur Begrenzung nicht geeignet, da er von Wasserschildkröten problemlos überklettert werden kann. Um ein Ausbrechen effektiv zu verhindern ist eine glatte undurchsichtige Begrenzung, beispielsweise eine Mauer oder Palisaden von wenigsten 50cm Höhe, notwendig.

Und wenn die Schildkröte doch ausbricht?

Ich halte es für sinnvoll bei der Freilandhaltung den Schildkröten mit einem Lackmalstift auf Alkoholbasis eine Telefonnummer auf den Panzer zu schreiben, so kann jemand der die Schildkröte findet direkt anrufen, ohne groß nach dem Eigentümer zu suchen. Da die meisten Wasserschildkröten regelmäßig ihren Panzer häuten muss die Telefonnummer bei Bedarf erneuert werden.

Flachwasserbereiche

Anders als bei der Fischhaltung sind ausgedehnte Flachwasserbereiche mit einem Wasserstand bis etwa 20cm für den Schildkrötenteich extrem wichtig. Hier erwärmt sich das Wasser bei Sonnenschein deutlich schneller als in tieferem Wasser. Mindestens zwei Drittel der Teichoberfläche sollten aus Flachwasserzonen bestehen. Dies alles macht natürlich auch nur Sinn wenn der Teich den ganzen Tag in der Sonne liegt und nicht von einem Baum oder Haus beschattet wird. Die Sonne scheint in Mitteleuropa ohnehin kürzer als in der Heimat der Schmuckschildkröten, da sollten die kostbaren Sonnenstunden nicht unnötig beschnitten werden.

tiefes Wasser

Um ein großes Wasservolumen erreichen zu können muss auch ein Teil mit etwa einem Meter tiefem Wasser vorhanden sein. Durch das größere Volumen werden Temperaturschwankungen etwas abgepuffert. Außerdem ziehen sich Wasserschildkröten bei Gefahr gerne in tiefe Wasserschichten zurück. Bei der Temperaturmessung sollte in etwa 50cm Wassertiefe gemessen werden um halbwegs realistische Vergleichswerte zur Wassertemperatur im Aquarium zu haben. An der Wasseroberfläche erwärmt sich das Wasser schneller.

Folienteich oder fertige Teichschale?

Die oben erwähnten wichtigen Flachwasserzonen sind bei Fertigteichen aus dem Baumarkt extrem klein und die Wände des Teiches ehr steil, daher empfehle ich unbedingt einen Folienteich zu bauen.

Europäische Sumpfschildkröten im Alpenzoo InnsbruckSonnenplätze

Im Gartenteich kann man sehr schön einen naturnahen Sonnenplatz einrichten in dem man einen Baumstamm vom Ufer aus in das Wasser ragen lässt. Dort können sich die Tiere dann bei Gefahr sofort ins Wasser fallen lassen. Gut wäre es wenn über diesem Sonnenplatz eine Lampe (beispielsweise Außen-Halogen-Baustrahler) befestigt wird, damit auch an weniger sonnigen Tagen den Schildkröten die Möglichkeit geboten wird sich aufzuwärmen. Auf dem Foto rechts ist dies sehr schön zu sehen (Foto im Alpenzoo Innsbruck aufgenommen, dieser Zoo hat sehr schöne Freigehege für europäische Reptilien).

Kletterhilfen

Bei tieferen Temperaturen, bei denen Wasserschildkröten oft noch nicht richtig schwimmen können, ist eine Folie oft zu glatt, so dass die Schildkröten Schwierigkeiten haben an die Wasseroberfläche zum Luftholen zu gelangen. Abhilfe kann man schaffen in dem man die Folie mit Kokosfasermatten oder einer dünnen Schicht Beton bedeckt. Auf der rauen Oberfläche können die Tiere gut entlanglaufen. Steile Wände, wie sie bei Fertigteichen vorhanden sind, sind ungünstig für die Schildkrötenhaltung, und sollten daher vermieden werden.

Gewächshaus

Befindet sich der Teich in einem Gewächshaus, oder wird zumindest zur Hälfte von einem Gewächshaus überdacht, so können viele Wasserschildkröten länger als nur ein paar Monate im Sommer im Teich gepflegt werden. Viele Arten können sogar ganzjährig, inklusive Überwinterung im Gewächshausteich gepflegt werden. Nährere Infos hier.

Bepflanzung des Teiches

Ein üppig bepflanzter Gartenteich ist leider mit der Schildkrötenhaltung schwer vereinbar, da viele Wasserschildkröten-Arten sehr gerne Wasserpflanzen, auch Seerosen, fressen. Insbesondere Schmuckschildkröten sind wahre Fressmaschienen. Mit Arten die wenig oder gar keine Pflanzen fressen, wie die Europäische Sumpfschildkröte, ist ein bepflanzter Teich realisierbar.

Fütterung im Teich

Da in einem Teich normalerweise allerlei Wassergetier sowie Pflanzen sind, können sich Wasserschildkröten dort in einem gewissen Umfang selbst versorgen. Jedoch muss insbesondere bei hohen Temperaturen unbedingt zugefüttert werden. Gerade Wasserpflanzen werden von einigen Arten, insbesondere Schmuckschildkröten, dann sehr stark gefressen und müssen regelmäßig neu in den Teich eingesetzt werden. Bei der Fütterung sollte man dann auch gleich kontrollieren ob noch alle Schildkröten im Teich und gesund sind. Da im Gartenteich die natürliche Scheu der Wasserschildkröten schnell zurrückkehrt, auch wenn sie im Aquarium nach Futter betteln, ist die Kontrolle der Tiere mitunter schwierig.

Fische und andere Mitbewohner

Goldfische mit kurzen Flossen und Kois können normalerweise problemlos gemeinsam mit Wasserschildkröten im Gartenteich gehalten werden. Man sollte jedoch beachten dass der Teich an der tiefsten Stelle mindestens einen Meter tief sein muss wenn die Fische im Teich überwintern sollen. Die für die Schildkrötenhaltung nötigen flachen Ufer machen es dem Reiher leicht sich den ein oder anderen Zierfisch zu schnappen. Frösche und Molche sowie deren Nachwuchs stehen auf dem Speiseplan von Wasserschildkröten und haben daher geringe Chancen auf ein langes leben im Schildkrötenteich.

Wann kann die Schildkröte vom Aquarium in den Teich umziehen?

Ein genauen Zeitpunkt anzugeben ist schwierig, da der ideale Zeitpunkt von Jahr zu Jahr anders liegen kann. Er hängt natürlich vom Wetter, aber auch von der Lage und Größe des Teiches ab. Grundsätzlich sollte man seine Wasserschildkröten ja nach einem gewissen Jahresrhythmus halten, man kann die Tiere dann zu dem Zeitpunkt in den Teich umsiedlen wenn im Aquarium und Gartenteich die gleichen Temperaturen herschen. Je nach Art kann dies ab April der Fall sein, im Regelfall kann man seine Tiere jedoch erst im Juni gefahrlos in den Gartenteich umsiedeln.

Können auch kleine Wasserschildkröten schon in den Teich?

Theoretisch ja. Ich persönlich würde jedoch erst Wasserschildkröten ab einer Panzerlänge von 10 cm in einen Teich lassen. Bei kleineren Tieren muss der Teich mit einem Netz gesichert werden, damit die Schildkröten nicht Krähen oder Katzen zum Opfer fallen.

Überwinterung im Gartenteich

Bis auf die Europäische Sumpfschildkröte (mit Einschränkungen) ist keine Wasserschildkröte gut zu Überwinterung im Teich geeignet. Möchte man Europäische Sumpfschildkröten ganzjährig im Gartenteich halten, so muss er an der tiefsten Stelle mindestens einen Meter tief sein, um zu gewährleisten dass er nicht komplett durchfriert. Die Teichwände müssen relativ flach ansteigen und rau sein, damit die Schildkröten laufend die Wasseroberfläche zum atmen ereichen können ohne schwimmen zu müssen.

Schildkröten im Stadtpark-Teich und anderen öffentlichen Gewässern

Laut § 3 des Tierschutzgesetzes ist es verboten:

  • ein im Haus, Betrieb oder sonst in Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder es zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- oder Betreuerpflicht zu entziehen.
  • ein gezüchtetes oder aufgezogenes Tier einer wildlebenden Art in der freien Natur auszusetzen oder anzusiedeln, das nicht auf die zum Überleben in dem vorgesehenen Lebensraum erforderliche artgemäße Nahrungsaufnahme vorbereitet und an das Klima angepasst ist

Wenn man nun der Ansicht ist dass man seine Schildkröte an das hiesige Klima angepasst hat (was schlicht unmöglich ist), dann greift noch § 41 des Bundesnaturschutzgesetzes wonach man eine Genehmigung benötigt um "gebietsfremde Arten in der Natur anzusiedeln". Diese Genehmigung wird keine deutsche Behörde erteilen.

Leider halten sich nicht alle an diese Gesetze, und so tummeln sich in vielen öffentlichen Teichen, Seen und Flüssen die verschiedensten Wasserschildkröten. Diesen Schildkröten ist jedoch kein langes Leben "in Freiheit" geschenkt worden, sondern der Tod. Aufgrund der langen nasskalten Herbst- und Frühlingsmonte sterben die Tiere an Leber- und Nierenschäden, oder einer Legenot aufgrund des zu kühlen Sommers. Der Herbst und Frühling ist beispielsweise in Nordamerika, wo die meisten im Zoohandel erhältlichen Wasserschildkröten ursprünglich her stammen, viel kürzer, der Sommer länger, die Durchschnittstemperaturen höher und die Sonnenscheindauer pro Tag länger. Das Mitteleuropäische Klima passt schlicht vorne und hinten nicht.

Geeignete Arten

Die einzige Wasserschildkröte die für eine ganzjährige Freilandhaltung in Mitteleuropa geeignet ist, ist die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis). Jedoch sollte man auf die Herkunft der Tiere achten, die südlichen Unterarten können nicht ganzjährig im Gartenteich gepflegt werden. Wohingegen Europäische Sumpfschildkröten aus Ungarn, Polen, Russland etc. hervorragend für den heimischen Gartenteich geeignet sind.

Häufig werden auch die nördlichen Unterarten der Zierschildkröte (Chrysemys picta bellii, C. p. picta, C. p. marginata) sowie die Nördliche Rotbauch-Schmuckschildkröte (Pseudemys rubriventris) dauerhaft im Gartenteich gehalten, von einer Überwintnerung dieser Arten im Gartenteich würde ich jedoch abraten. Bei einer langen Überwinterung im Kühlschrank oder Keller, können diese Wasserschildkröten in klimatisch günstigen Lagen (Weinanbaugebiet) den Rest des Jahres im Gartenteich gepflegt werden.

Bedingt geeignete Arten

Für diese Wasserschildkröten-Arten benötigt man auch wenn man sie im Gartenteich pfegt ein Aquarium. Das mitteleuropäische Klima ist für diese Arten zu kalt und so können sie nur für einige Monate (Juni, Juli, August) die echte Sonne genießen.

An erster Stelle der bedingt geeigneten Arten für den Gartenteich ist die Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) zu nennen, zum Leidwesen der Tiere müssen sie oftmals das ganze Jahr im Gartenteich verbringen. Ebenfalls für den Hochsommer können die Hieroglyphen-Schmuckschildkröte (Pseudemys concinna concinna), Gelbwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta scripta) und Cumberland-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta troostii) im Gartenteich gehalten werden.

Südtexanische Rotwangen-SchmuckschildkröteUngeeignete Arten

Höckerschildkröten (Gratemys-Arten) haben hohe Ansprüche an ein gutes Licht, von daher wäre die echte Sonne ein Gewinn für sie. Da ihre Ansprüche an sauberes Wasser und relativ gleichbleibende hohe Temperaturen ebenso erfüllt werden müssen, können Höckerschildkröten nicht im Gartenteich gepflegt werden.
Die aus Florida stammenden Wasserschildkröten, wie die Florida-Rotbauch-Schmuckschildkröte (Pseudemys nelsoni) und die Peninsula-Schmuckschildkröte (Pseudemys peninsularis) haben ebenfalls zu hohe Temperaturansprüche für eine Teichhaltung. Auch die relativ empfindliche Südliche Zierschildkröte (Chrysemys picta dorsalis) kränkelt im Gartenteich schnell. Tropische Wasserschildkröten (beispielsweise Rotbauch-Spitzkopfschildkröten (Emydura subglobosa) haben natürlich nichts im Gartenteich zu suchen.

Freilandhaltung ohne Gartenteich

Sollte man keinen Gartenteich haben oder anlegen wollen, so ist die vorrübergehende Freilandhaltung in Terrassenteichen oder Koiwannen möglich. Aufgrund des geringeren Volumens (=> stärkere Temperaturschwankungen) und der steilen Wände ist die Dauer des Freilandaufenthalts jedoch zeitlich stärker begrenzt als im Teich. Freilauf auf der Wiese, ohne Wasser, ist unnatürlich und purer Stress für eine Wasserschildkröte.

Buchtipp


Schildkröten im Gartenteich von V. Müller und W. Schmidt, Natur und Tier-Verlag, 16,80 Euro
Das Buch behandelt nur Wasserschildkröten die, zumindest zeitweise, im Gartenteich gepflegt werden können. Es gibt Tipps zur Teichgestaltung, Fütterung und Zucht. Am Ende des Buches werden einige Arten vorgestellt. Die beschriebene ganzjährige Freilandhaltung würde ich ablehnen, trotzdem kann das Buch empfohlen werden.

 

Links

www.radiata.de/pdf/akschmuck02a.pdf
www.wasserschildkroeten.eu/Wissensdatenbank/TEICHHALTUNGALLGEMEIN.pdf
www.wasserschildkroeten.eu/Wissensdatenbank/TeichhaltungvonWasserschildkroeten.pdf
www.wasserschildkroeten.eu/Wissensdatenbank/TEICHBAUFOLIENTEICH.pdf
www.turtles.unsre-bu.de/teich.html
www.emys-home.de
www.schildkroetenteiche.de
www.reptilienauffangstation.de/aktuelles/PM/SSK2011.pdf

 

Verwendete und weiterführende Literatur

DAUBNER, M. (2006): Die Schildkrötengerechte Teichschale. - Schildkröte im Fokus, 3(2):34.

MEIER, E. (1998): Wohin mit großen Schmuckschildkröten? - Reptilia, Münster, 3 (1): 24-27.

MÜLLER V., SCHMIDT W. (2002): Schildkröten im Gartenteich.- Münster (Natur- und Tierverlag), 112 S.

MÜLLER, M. (1996): Handbuch ausgewählter Klimastationen der Erde. - Trier (Forschungsstelle Bodenerosion der Universität Trier Mertesdorf [Ruwertal] 5) 400S.

KALTER G. (2006): Haltung, Aufzucht und Nachzucht der Mittelländischen Zierschildkröte Chrysemys picta marginata.- Testudo (SIGS), 15 (1): 5-25

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