Sabine-Höckerschildkröten, Graptemys sabinensis

Zu meiner ersten Sabine-Höckerschildkröte bin ich eher zufällig gekommen. Aber ihr lächelndes Gesicht zieht einen sofort in den Bann. Inzwischen habe ich von keiner anderen Höckerschildkröte so viele Exemplare, wie von Graptemys sabinensis. Sie sind nicht nur hübsch, sondern auch sehr klein. Die Männchen werden etwa so groß wie die Männchen der Sawback-Arten (Graptemys nigrinoda, Graptemys flavimaculata, Graptemys oculifera). Die Weibchen bleiben sogar etwas kleiner als die der Sawbacks, sind aber extrem hochrückig und damit massiger.

Gesicht einer weiblichen Sabine-Höckerschildkröte

Verbreitung

Die Sabine-Höckerschildkröte (Graptemys sabinensis) hat ein kleineres Verbreitungsgebiet, sie kommt vor allem im Sabine-Fluss vor (und Neches-Fluss sowie Calcasieu-Fluss) und bewohnt daher in den USA die Bundesstaaten Texas und Louisiana (TTWG 2017).

Rückenpanzer und Zeichnung des Kopfes einer halbwüchsigen weiblichen Sabine-Höckerschildkröte

Größe

Die maximale Bauchpanzerlänge wird von LINDEMAN (2013) bei Männchen mit 9,2 cm und bei weiblichen Sabine-Höckerschildkröten mit 18,9 cm angegeben. Ein Tier soll einmal 20,2 cm erreicht haben. Nach VOGT (2018) sind Graptemys sabinensis sogar noch kleiner, er gibt die Rückenpanzerlänge bei den Weibchen mit maximal 15,5 cm und bei den Männchen mit maximal 10,6 cm an.

Die Sabine-Höckerschildkröte ist nach diesen Angaben die kleinste Höckerschildkröte.

Das größte meiner vier Weibchen hat eine Panzerlänge von 16,5 cm und wiegt 780 g. Die vier geschlechtsreifen Männchen sind zwischen 8 und 10 cm lang und wiegen 80-100 g.

Weibliche (hinten) und männliche (vorne) Graptemys sabinensis, beide ausgewachsen!

Haltung im Aquarium

Aufgrund ihrer Herkunft im Süden der USA ist eine Haltung im Gartenteich nicht möglich. Aber es handelt sich ja um kleine Wasserschildkröten, deren Haltung im Aquarium gut zu bewerkstelligen ist.

Sabine-Höckerschildkröte, Graptemys sabinensis

Aquariengröße

Für ein bis zwei ausgewachsene weibliche Sabine-Höckerschildkröten sollte das Aquarium mindestens eine Größe von 120 x 50 x 50 cm haben. Der Wasserstand muss mindestens 30-40 cm betragen. Männliche Höckerschildkröten bleiben etwas kleiner, für ein einzelnes Männchen sollte das Aquarium mindestens 80 x 35 x 40 cm groß sein. Natürlich kann man diesen Wasserschildkröten auch größere Aquarien bieten. Empfehlenswert ist für zwei bis vier weibliche Sabine-Höckerschildkröten ein 375 Liter-Aquarium mit den Maßen 150 x 50 x 50 cm. Für ein Männchen rate ich zu 200 Litern mit den Maßen 100 x 40 x 50 cm.

Bauchpanzer einer männlichen Sabine-Höckerschildkröte. Bei jüngeren Männchen sieht man noch die Zeichnung, später wird er flächig schwarz.

Wenn du dir bei einem Züchter ein oder mehrere Jungtiere kaufst, dann genügt zunächst ein 80 cm-Aquarium für die Aufzucht in den ersten ein bis zwei Jahren. Danach kann man dann oft bereits das Geschlecht erkennen und du kannst ein passendes End-Aquarium besorgen. Sobald du die Geschlechter unterscheiden kannst ist auch der richtige Zeitpunkt gekommen um ggf. die Geschlechter getrennt voneinander zu pflegen.

Bauchpanzer eines älteren Männchens der Sabine-Höckerschildkröte

Filterung

Sauberes Wasser ist für die Sabine-Höckerschildkröte sehr wichtig, neigt sie doch wie alle Höckerschildkröten zu Hautkrankheiten und Nekrosen. Es sollte daher über einen großzügig dimensionierten Außenfilter gefiltert werden. Ein regelmäßiger Wasserwechsel ist jedoch auch bei dem besten Filter nötig, etwa alle zwei Wochen die Hälfte des Wassers sollte es sein. Zur Beheizung des Wassers sind Heizstäbe aus dem Zoohandel geeignet.

Sabine-Höckerschildkröte, Graptemys sabinensis

Einrichtung

Viel Einrichtung im Wasserteil benötigen Sabine-Höckerschildkröten nicht, sie wollen vor allem Schwimmraum. Mit ein paar Wurzeln oder Moorkienholz kann man jedoch etwas Struktur schaffen. Ein halbierter Tontopf oder ein ähnliches Versteck wird unter Wasser von den scheuen Höckerschildkröten jedoch gerne angenommen. Als Bodengrund ist insbesondere Sand geeignet, aber Kies ist auch möglich. Bei männlichen Sabine-Höckerschildkröten kann eine Bepflanzung des Aquariums gelingen, für die Weibchen hingegen nicht.

Weibliche Sabine-Höckerschildkröte, Graptemys sabinensis

Landteil

Wie schon einmal erwähnt sind Höckerschildkröten empfindlich, was ihren Panzer angeht. Daher sollte das Landteil keinesfalls aus Steinen gestaltet werden, sondern aus Holz. Ansonsten scheuern sich Sabine-Höckerschildkröten ihren Bauchpanzer allzu leicht auf.

Mit Hilfe einer Weidenholzbrücke oder aus Kork kann man für Jungtiere und Männchen wunderbare Landteile gestalten, auf denen sie vollständig abtrocknen können. Weibchen nehmen solche Plätze ebenfalls gerne für ein Sonnenbad an, sobald sie geschlechtsreif sind (was ab 10 cm der Fall sein kann) benötigen sie zusätzlich einen Eiablageplatz.

Halbwüchsige weibliche Sabine-Höckerschildkröte, Graptemys sabinensis

Beleuchtung

Höckerschildkröten sind Sonnenanbeter, die eine spitzenmäßige Beleuchtung benötigen. Ihr Panzer muss auf dem Sonnenplatz vollständig abtrocknen können, damit es nicht zu Panzernekrosen kommt. Mit Hilfe der Lampe muss auf dem Sonnenplatz eine Temperatur von 40-45 °C erreicht werden, damit sich die Schildkröten dort aufwärmen können. Die einzig für Sabine-Höckerschildkröten geeignete Beleuchtung sind Halogen-Metalldampf-Lampen mit UV-Anteil.

Für Jungtiere oder ein Männchen genügt bereits eine 35 Watt-Version, beispielsweise das SolarRaptor HID-Lamp Set inkl. EVG + ClampLamp* oder das Exo Terra Sun Ray Beleuchtungskomplettset*. Für weibliche Sabine-Höckerschildkröten sollte es eine 70 Watt-Lampe sein, ich empfehle folgendes Komplett-Set: Lucky Reptile Bright Sun Set Turtle* oder eine ZooMed Powersun HID*. Pflegt man mehr als zwei Weibchen, so sollte es eine 150 Watt-Lampe sein, die gibt es als SolarRaptor Set*.

Bei unzureichender Ernährung und Beleuchtung entwickeln Sabine-Höckerschildkröten schnell Panzernekrosen.

Ernährung

In der Natur sieht die Nahrung von Sabine-Höckerschildkröten, aufgesplittet nach Jungtieren, ausgewachsenen Männchen und ausgewachsenen Weibchen, folgendermaßen aus (nach LINDEMAN 2013):

Futterjungmännl.weibl.
Muscheln2 %1 %0,5 %
Köcherfliegen90 %90 %28 %
andere Insekten3 %0,2 %0,1 %
Moos0,01 %0,6 %8 %
Algen4 %8 %64 %

Im Aquarium kann man diese Ernährung mit allerlei getrockneten Futtertieren, Frostfutter und Lebendfutter gut nachstellen. Die Algen kann man durch Wildkräuter, Wasserpflanzen und Salat ersetzen. Da alle Höckerschildkröten zu Panzerproblemen aufgrund von Vitamin A-Mangel neigen sollte man regelmäßig geriebene Möhre anbieten.

Sabine-Höckerschildkröte, Graptemys sabinensis

Temperatur und Überwinterung

Die Wassertemperatur schwangt im Jahresrhythmus, am wärmsten ist es im Juli/August mit bis zu 28 °C, dann wird es jeden Monat ein paar Grad kälter, im Winter sind es für 3-4 Monate nur 10-15 °C, nach der Überwinterung erhöht man Monat für Monat das Wasser um einige Grad, bis man wieder den Hochpunkt im Sommer erreicht hat. Zur Überwinterung werden die Sabine-Höckerschildkröten aus dem Aquarium herausgenommen und in Überwinterungboxen (mit Wasser und etwas Laub) in den Keller oder Kühlschrank gebracht. Zur Überwinterung habe ich dir eine Video-Anleitung gemacht.

MonatLicht-
Länge
Wasser-
Temp.
Januar0 h10-15 °C
Februar0h10-15 °C
März6 h17-20 °C
April8 h21 °C
Mai10 h24 °C
Juni13 h27 °C
Juli13 h28 °C
Aug.11 h28 °C
September10 h25 °C
Oktober8 h22 °C
November5/3/1/0 h17-20 °C
Dezember0 h10-15 °C
Rückenpanzer einer männlichen Sabine-Höckerschildkröte, Graptemys sabinensis

Gruppenhaltung

Sabine-Höckerschildkröten sind grundsätzlich Einzelgänger, die Haltung einer einzelnen Graptemys sabinensis ist kein Problem und artgerecht. Aber eine Gruppenhaltung ist nicht unmöglich. Egal welche Gruppenkonstellation man wählt, man muss immer im Hinterkopf behalten, dass eventuell eine Trennung der Gruppe oder die Separierung eines Exemplars nötig werden kann. Spätestens wenn sich die Sabine-Höckerschildkröten beißen muss man sie trennen.

Beide Geschlechter das ganze Jahr über gemeinsam zu pflegen ist nicht empfehlenswert. Insbesondere die Haltung eines Pärchens ist nicht zu empfehlen. Männliche Sabine-Höckerschildkröten sind ständig in Paarungsstimmung, die Weibchen hingegen nicht, dadurch werden sie extrem gestresst. Möchte man züchten, so wird das Männchen nur im Frühjahr und im Herbst für ein paar wenige Tage zum Weibchen gesetzt.

Der Größenunterschied zwischen männlichen (links) und weiblichen (rechts) Sabine-Höckerschildkröten (Graptemys sabinensis) ist gewaltig

Weibliche Graptemys sabinensis sind untereinander meistens gut verträglich, so dass man sie mit mehreren gemeinsam pflegen kann. Auch die Haltung gemeinsam mit Sawback-Höckerschildkröten (Graptemys nigrinodaGraptemys flavimaculataGraptemys oculifera) oder Rückenstreifen-Zierschildkröten (Chrysemys picta dorsalis) ist möglich.

Männliche Höckerschildkröten werden am besten ganz alleine gepflegt. Es ist aber inzwischen völlig üblich eine sogenannte Männchen-WG zu pflegen, dazu gibt es auf der Seite zur Pracht-Höckerschildkröte Infos, sowie in diesem Video: https://youtu.be/h8HB1OZRt04

Bauchpanzer einer halbwüchsigen weiblichen Sabine-Höckerschildkröte (Graptemys sabinensis)

Zucht

Männchen werden mit 6 cm Panzerlänge geschlechtsreif, Weibchen ab 10 cm. Mehr zur Zucht wird später einmal ergänzt.

Bauchpanzer einer ausgewachsenen weiblichen Sabine-Höckerschildkröte (Graptemys sabinensis)

Schutzstatus

Alle Höckerschildkröten sind im Anhang C der EU-Artenschutzverordnung. Das ist aber nur beim Handel mit Drittländern (also Länder die nicht der EU angehören) von Bedeutung. Innerhalb der EU dürfen Höckerschildkröten ohne Artenschutzpapiere gehandelt werden.

Kopf einer männlichen Sabine-Höckerschildkröte (Graptemys sabinensis)

Systematik

Wissenschaftliche Namen sollen es vereinfachen, dass man sich weltweit über Tierarten unterhalten kann und dabei immer genau die gleiche Tierart meint. Es gibt aber auch Arten, da gibt es verschiedene Meinungen was richtig ist. Bei der Sabine-Höckerschildkröte haben wir so einen Fall.

Graptemys sabinensis = Graptemys ouachitensis sabinensis= Graptemys pseudogeographica sabinensis

Ursprünglich wurde die Art als Unterart von Graptemys pseudogeographica beschrieben, hieß also dann Graptemys pseudogeographica sabinensis. Später wurde sie als eigenständige Unterart von Graptemys ouachitensis angesehen und hieß dann Graptemys ouachitensis sabinensis. Wenn man die Sabine-Höckerschildkröte als Unterart von Graptemys ouachitensis ansieht, dann muss die Ouachita-Höckerschildkröte Graptemys ouachitensis ouachitensis heißen und die Sabine-Höckerschildkröte Graptemys ouachitensis sabinensis. Auf zierschildkroete.de nutze ich jedoch sabinensis als eigene Art, also Graptemys sabinensis, daher wird die Ouachita-Höckerschildkröte hier auch nur mit einfachem ouachitensis geschrieben.

Sabine-Höckerschildkröten gehören zu den kleinköpfigen Höckerschildkröten

Literatur

Cagle, F.R. (1953): Two new subspecies of Graptemys pseudogeographica. – Occasional Papers of the Museum of Zoology of the University of Michigan
546: S. 1–17.

Lindeman, P. V. (2013): The Map Turtle and Sawback Atlas – Ecology, Evolution, Distribution, and Conservation. – University of Oklahoma Press (Norman), 460 S.*

Turtle Taxonomy Working Group [Rhodin, A.G.J., J.B. Iverson, R. Bour, U. Fritz, A. Georges, H.B. Shaffer & P.P. van Dijk] (2017): Turtles of the World: Annotated Checklist and Atlas of Taxonomy, Synonymy, Distribution, and Conservation Status (8th Ed.). – In: Rhodin, A.G.J., J.B. Iverson, P.P. van Dijk, R.A. Saumure, K.A. Buhlmann, P.C.H. Pritchard & R. A. Mittermeier (Hrsg.): Conservation Biology of Freshwater Turtles and Tortoises: A Compilation Project of the IUCN/SSC Tortoise and Freshwater Turtle Specialist Group. – Chelonian Research Monographs 7: S. 1–292.

Vogt, R. C. (2018): Graptemys ouachitensis Cagle 1953 – Ouachita Map Turtle. In: Rhodin, A.G.J., Iverson, J.B., van Dijk, P.P., Buhlmann, K.A., Pritchard, P.C.H., and Mittermeier, R.A. (Herrausgeber): Conservation Biology of Freshwater Turtles and Tortoises: A Compilation Project of the IUCN/SSC Tortoise and Freshwater Turtle Specialist Group. Chelonian Research Monographs 5 (11): 103.1–13.